Entgiftungspflaster: Was die angeblichen Detox-Helfer wirklich bringen

Entgiftungspflaster: Was die angeblichen Detox-Helfer wirklich bringen

Pflaster, die über die Fußsohlen Giftstoffe aus dem Körper saugen und damit unsere Gesundheit unterstützen? Sogenannte Entgiftungspflaster sind voll im Trend, wirken nur leider nicht. Wir erklären, was es mit den vermeintlichen Detox-Helfern auf sich hat.

So bewerben die Hersteller ihre Entgiftungspflaster für die Füße

Der Entgiftungstrend hat auch hierzulande voll zugeschlagen. Viele Hersteller bewerben Produkte und Mittel, die unseren Körper dabei unterstützen sollen, Giftstoffe auszuspülen und „Schlacken“ abzuleiten. Die Annahme: Mit der Zeit sammeln sich in unserem Körper gifte Schadstoffe an, die für allerlei körperliche Beschwerden und Leiden verantwortlich seien. So sollen Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt, Kopfschmerzen, Migräne, Muskelschmerzen, Schlaflosigkeit, Lethargie, Konzentrationsschwierigkeiten und vieles andere auf die Schlackstoffe in unserem Organismus zurückzuführen sein.

Entschlackung, Detoxifikation (Detox) und Entgiftung müssten laut Herstellern daher von außen angestoßen werden. Eine besonders einfallsreiche Idee der Hersteller: Entgiftungspflaster für die Fußsohlen, die über Nacht Schadstoffe über die Fußsohlen aus dem Körper ziehen. Das klingt nicht nur unwissenschaftlich, das ist es auch. Denn Wirkungsnachweise oder wissenschaftliche Beweise der Herstellerbehauptungen bleiben aus.

Wir erklären Ihnen alles rund um den Schwindel mit den Entgiftungspflastern.

Entgiftungspflaster: Anwendung und Funktion

Die Klebe-Pads werden vor dem Schlafengehen auf die Fußsohlen geklebt. Dort bleiben sie über Nacht und werden am nächsten Morgen wieder entfernt. Was viele der Anwender und Anwenderinnen dann überrascht: Die Pflaster haben sich während der Nacht tatsächlich verfärbt und zeigen nun einen pechschwarzen oder gelblichen Rückstand. Die Hersteller sagen, dass dies die aus dem Körper gezogenen Schadstoffe seien. Die Verfärbungen funktionieren daher als Beweis für die versprochene Wirkung.

In Labortests und Experimenten, die im Rahmen einer Reportage des ZDF durchgeführt wurden, konnten aber keine erhöhten Schadstoffwerte nachgewiesen werden. Auch zeigten die Versuche, dass sich die Entgiftungspflaster schon dann verfärbten, wenn sie mit normalem Leitungswasser in Kontakt kamen oder für einige Zeit an schwitzende Wasserflaschen angebracht wurden. Welcher Stoff dafür verantwortlich ist, dass sich die Entgiftungspflaster verfärbten, ist nicht endgültig geklärt. Sicher ist aber, dass sich die Fußpflaster über Nacht verfärben, weil sie mit dem Schweiß an unseren Fußsohlen reagieren.

Was bringen Entgiftungspflaster wirklich? Das sagt die Wissenschaft

Die kurze Antwort: Entgiftungspflaster für die Füße sind wirkungslos. Es gibt bisher keine einzige ernstzunehmende wissenschaftliche Studie, die belegen würde, dass Detox-Pflaster an den Füßen einen Effekt auf den Körper hätten. Die pflanzlichen Wirkstoffe in den Klebe-Pads für die Fußsohlen können aus wissenschaftlicher Betrachtung gar keine Giftstoffe aus dem Körper filtern. Die Annahmen, auf denen die angebliche Funktion von Entgiftungspflastern basieren, sind tatsächlich höchst unwissenschaftlich.

Die Idee, dass Ansammlungen von Giftstoffen in Form von Schlacken durch die Fußsohlen ausgeleitet werden könnten, lässt sich aus Werbesicht gut verkaufen, hält wissenschaftlichen Untersuchungen aber nicht stand. Auch Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl bestätigt in einem Gespräch mit der Apotheken Umschau, dass die Existenz von giftigen Schlacken im Körper nur ein Mythos sei. Giftstoffe sammeln sich nicht irgendwo im Körper, stattdessen würden für den Organismus unerwünschte oder unbrauchbare Stoffwechselprodukte auf natürlichem Wege ausgeschieden. Dafür sind unsere Entgiftungsorgane wie Leber und die Nieren verantwortlich.

Körpereigene Entgiftung: So funktioniert es wirklich

Zwar gibt es keine Schlacke aus Schadstoffen, die sich mit der Zeit im Körper ansammelt, giftige Stoffe gelangen aber natürlich trotzdem in unseren Organismus. Umweltgifte, Mineralölrückstände, Schwermetalle oder Pestizide gelangen mitunter mit der Nahrung in unseren Körper. Substanzen wie Alkohol oder Nikotin müssen ebenfalls aus unserem System ausgeschieden werden. Für die körpereigene Entgiftung sind die Nieren und vor allem die Leber verantwortlich.

Unsere Leber etwa ist für die Blutreinigung verantwortlich. Über die Pfortenader der Leber gelangt Blut in das Organ. Hier wird es gefiltert, wobei Schadstoffe entweder in ungefährliche Stoffe umgewandelt werden oder über ableitende Wege in den Darm gelangen, von wo sie ausgeschieden werden. Die Leber recycelt übrigens auch das Blut. Alte rote Blutkörperchen werden hier abgebaut. Dabei wird der rote Blutfarbstoff Hämoglobin in das gelbe Bilirubin verstoffwechselt. Dieser Stoff wird dann ebenfalls über den Darm ausgeschieden. Ist die Leber in ihrer Funktion geschädigt, kann in vielen Fällen dieser gelbe Farbstoff nicht ausgeschieden werden und sammelt sich im Körper an. Leberschäden erkennen Ärzte und Ärztinnen daher oft auch an Gelbfärbungen der Augen und der Haut.

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Achtung für Nebenwirkungen von Entgiftungsprodukten

Auch der Verbraucherschutz hat Detox-Mittel schon seit einiger Zeit auf dem Kieker. Die Verbraucherzentrale warnt Verbraucher und Verbraucherinnen vor Produkten zur Entgiftung, denn egal, ob Pflaster für die Fußsohle, Kapseln oder Säfte, ein tatsächlicher Wirkungsnachweis würde für alle Detox-Produkte fehlen. Mehr als einen entwässernden Effekt haben viele der Entgiftungsmittel nicht. Und dieser Entwässerungseffekt kann sogar nachteilig auf unsere Gesundheit wirken. Denn durch den erhöhten Wasserverlust gehen unserem Organismus vor allem wichtige Elektrolyte verloren. Harntreibende pflanzliche Stoffe in Detox-Mitteln spülen nämlich Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium oder Calcium aus dem Körper.

Bei Entgiftungspflastern für die Füße besteht natürlich keine Entwässerungsgefahr. Die Klebe-Pads für die Fußsohlen entziehen dem Körper gar nichts. Da die Pflaster keine Wirkung haben, die über den Placeboeffekt hinausgehen würde, müssen Sie aber auch keine Nebenwirkungen oder ungewollte Wechselwirkungen wie bei anderen Detox-Produkten befürchten.

Wirkung nicht über den Placeboeffekt hinaus

Entgiftungspflaster für die Füße sind aus wissenschaftlicher Sicht wirkungslos, können aber mitunter einen Placeboeffekt bei einigen Menschen haben. Die Hersteller der Detox-Pflaster behaupten durch die Entgiftung über die Fußsohlen das Eintreten einer ganzen Reihe unterschiedlichster Gesundheitseffekte, wie besserer Schlaf, mehr Energie, bessere Konzentration oder Linderung von Muskelschmerzen. Bei vielen dieser angeblichen Effekte spielt die Erwartungshaltung der Betroffenen eine wichtige Rolle. Wer sich von den Fußpflastern einen besseren Schlaf verspricht, neigt womöglich dazu, die Schlafqualität am nächsten Morgen besser einzuschätzen.

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Mitunter schlafen Betroffene mit den Entgiftungspflastern vielleicht wirklich besser, oder stellen andere körperliche oder geistige Verbesserungen fest. Da die Wirkstoffe in den Pflastern aber aus wissenschaftlicher Sicht keine Wirkung auf unsere Entgiftungsorgane Leber und Nieren haben, sind etwaige wahrgenommene Gesundheitseffekte auf den Placeboeffekt zurückzuführen.

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