Hydrotherapie Zuhause kneippen

Aktuelle Studien belegen eindrucksvoll, wie gut die berühmte Hydrotherapie von Pfarrer Kneipp wirkt. Das Tolle: Viele Anwendungen können Sie ganz einfach im eigenen Bad für sich nutzen.

Fußbad

Am 16. November 1849 läuft ein 28-jähriger Mann mit Tuberkulose keuchend ans Ufer der Donau. Er reißt sich alle Kleider vom Leib und taucht bis zum Hals in das eisige Wasser, zählt laut bis drei, entsteigt den Fluten, zieht sich an und rennt davon. Wie viele Menschen den Mann an jenem Freitag entsetzt beobachtet haben, ist nicht überliefert. Sein Name schon: Sebastian Kneipp (1821–1897). Sein waghalsiger Selbstversuch gilt als Geburtsstunde der nach ihm benannten Hydrotherapie („Wasserkur“). Die umfasst Wechselbäder, Waschungen, Wickel, Güsse, Bürstenmassagen und das Wassertreten.

Bereits nach vier Wochen, belegt eine Studie der Uni Halle-Wittenberg, bewirken die gezielten Kälte- und Wärmereize, denen der Körper bei einer Kneipp Kur ausgesetzt ist, dass wir vermehrt Abwehrzellen bilden. Der kalte „Kneipp’sche Oberguss“ verhindert, dass Patienten mit der chronischen Lungenkrankheit COPD allzu oft unter Infekten leiden. Bei Knie- oder Hüftarthrose fördern kalte und warme Güsse die Beweglichkeit. Außerdem haben sie einen Anti-Schmerz-Effekt, der bis zu drei Monate lang anhält. Der Clou: Um die Heilkraft des Wassers zu erleben, müssen Sie nicht unbedingt in einer der vielen Kneipp-Kliniken einchecken. Viele Anwendungen können Sie zu Hause genießen und diverse Alltagsbeschwerden lindern. VITAL hat für Sie die perfekte Kneipp-Kur zusammengestellt. Wasser, marsch!

Sechs Übungen für gesunde Füße

Mit diesen Übungen für zwischendurch entspannen Eure Füße sofort!

Die 5 Methoden der Kneippschen Ganzheitstherapie

Die Therapie des Pfarrers Kneipp setzt sich aus fünf „Bausteinen“ zusammen – und ist bis heute das einzige ganzheitliche naturheilkundliche Verfahren in Europa. Das Fünf-Säulen-Prinzip der Kneippkuren umfasst die Hydro-, Phyto-, Bewegungs-, Ernährungs- und Ordnungstherapie:

  1. Wasser: Das wichtigste Element ist die Hydrotherapie. Hierbei handelt es sich um verschiedene Wasseranwendungen. Bei Waschungen, Wickeln, Güssen, Bädern mit Wasser in unterschiedlichen Temperaturen oder Wassertreten wird der Kreislauf und die Durchblutung angeregt und das Immunsystem gestärkt. Beschwerden wie Bluthochdruck oder Schmerzen lassen sich lindern.
  2. Kräuter: Kneipp behandelte seine Patienten mit circa 50 unterschiedlichen Kräutern. Sie kommen z. B. in Form von Kräuterkissen zum Einsatz oder als warmer Heublumensack, der den Gästen am frühen Morgen im Hotelbett auf einen gereizten Magen gelegt wird. Natürlich finden sich auch viele Kräuter im Essen.
  3. Bewegung: Aktivität macht den Körper leistungs- und widerstandsfähiger und schützt vor Übergewicht bzw. baut es ab. Gymnastik, Nordic Walking, Aquajogging, Wandern oder Radeln eignen sich prima.
  4. Ernährung: Kneipp plädierte für abwechslungsreiche, vollwertige Kost mit vielen Ballaststoffen und komplexen Kohlenhydraten (Vollkorn, Gemüse, Obst, Salate) – gern fantasievoll zubereitet und fein schmeckend.
  5. Psychische Balance: Die Harmonie von Körper, Geist und Seele ist Voraussetzung für ein gesundes Leben. Deshalb gehören zu einer Kneippkur Angebote wie Meditation, richtiges Atmen oder Aromamassage ebenso wie eine harmonische Umgebung.

 

Die wichtigsten Regeln für das Kneippen zu Hause

Wer sich an einige simple Regeln hält, wird mit optimaler Wirkung der Anwendungen belohnt:

  1. Mit „kaltem Wasser“ ist eine Temperatur von 8 bis 12 °C gemeint. Bei warmen Güssen werden 34 bis 38 °C erwartet. Anfänger starten im oberen Bereich.
  2. Die Haut muss sich warm anfühlen. Ideale Raumtemperatur: um 20 °C.
  3. Nach einer kalten Anwendung die behandelte Körperpartie bzw. den ganzen Körper bewegen und wärmen.
  4. Nicht direkt vor oder nach dem Essen kneippen.
  5. Nur die Körperteile entkleiden, die behandelt werden sollen.
  6. Keine kalten Güsse abends vor dem Schlafengehen.

 

 

Mit Kneipp-Anwendungen gegen Schlafstörungen

Auch Schlafstörungen können mithilfe von Kneippkuren gelindert werden. Das wurde sogar in einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München belegt.

Viele Schlafprobleme gehen nämlich auf innere Unruhe, Stress und Reizüberflutung zurück. Mit Behandlungen auf der Basis der drei Säulen der Kneippschen Lehre gingen die Schlafstörungen der Studienteilnehmer um 30 Prozent zurück. Bei den drei Basen handelt es sich um Bewegung, innere Ordnung und die bekannten Wassergüsse. 

Gerade Güsse mit kaltem Wasser helfen beim Einschlafen, da sie die Körpertemperatur verringern. Einen erheblichen Einfluss hat aber vermutlich vor allem die Therapie zur inneren Ordnung, mit der Gedankenkreisläufe durchbrochen werden und die Betroffenen besser abschalten und dementsprechend einschlafen können.

Kneipp-Methode: Gesichtsguss für straffe Haut

Der Schönheitsguss von Kneipp sorgt für straffe Gesichtshaut! Die Erfrischungskur kann mehrmals täglich angewandt werden und entspannt zusätzlich.

So funktioniert der Kneipp Gesichtsguss

Der Kneipp‘sche Gesichtsguss belebt Körper und Geist, indem er die Durchblutung der Haut fördert. Er wirkt gegen Kopfschmerzen und Abgeschlagen, hilft bei müden Augen und verbessert das Hautbild. Um deutliche Verbesserungen zu sehen, sollten Sie den Schönheitsguss etwa vier Wochen lang zwei Mal täglich anwenden.

  1. Während der Behandlung sollten Sie langsam durch den Mund ein- und ausatmen.
  2. Der Schönheitsguss wird in der Badewanne angewandt, da Sie einen Duschkopf benötigen.
  3. Legen Sie sich ein Handtuch um den Hals und beugen sich nach vorn.
  4. Drehen Sie das Wasser nicht voll auf, sondern auf einer angenehmen Druckstärke.
  5. Setzen Sie den kühlen Wasserstrahl zuerst an der rechten Schläfe an und führen Sie ihn über die Stirn zur linken Schläfe. Anschließend geht es wieder zurück.
  6. Nun wird die eine Gesichtshälfte drei Mal von oben nach unten mit dem kühlen Wasserstrahl begossen, als nächstes ist die andere Seite dran.
  7. Die Anwendung wird mit drei kreisenden Bewegungen über dem gesamten Gesicht beendet.
  8. Zum Schluss sollten Sie sich nicht abtrocknen, sondern das Wasser nur sanft mit den Händen abstreifen.

 

Wann eine Kneipp-Therapie nicht geeignet ist

  • Kneippanwendungen dürfen nicht bei Personen durchgeführt werden, die sich in einem Zustand befinden, der eine besondere Klinik-, Krankenhaus- oder Isolierbehandlung notwendig macht, oder die keine körpereigene Regulation im Sinne einer Reizbeantwortung besitzen (zum Beispiel bei Tuberkulose, schweren Infektionskrankheiten oder Diabetes Typ II)
  • Des weiteren sollten Anwendungen vor oder nach dem Essen, sowie direkt nach körperlicher Anstrengung vermieden werden. Warten Sie hier mindestes eine Stunde.
  • Kaltanwendungen sind Tabu! Der Patient sollte nicht frieren, keine kalte Haut haben oder sich in einem Raum unter 18 Grad aufhalten.
  • Substanzen, die sich auf die Blutgefäße auswirken, wie Nikotin, Kaffee oder Schwarztee sollten ebenfalls nicht direkt vor oder nach der Anwendung konsumiert werden.

 

Mehr zum Thema Fuß-Gesundheit