22. April 2021
Stuhlgang zurückhalten: Ist das Einhalten gefährlich?

Ist es gefährlich, den Stuhldrang zu unterdrücken?

Eigentlich ist der Stuhlgang die natürlichste Sache der Welt. Doch ähnlich wie die Bedürfnisse Hunger, Durst und Harndrang unterdrücken wir auch den Stuhldrang in bestimmten Situationen. Wie gefährlich ist es, den Stuhlgang zurückzuhalten?

Wie all unsere menschlichen Bedürfnisse, können wir den Stuhldrang nicht dauerhaft ignorieren. Trotzdem kommt es im Alltag immer wieder zu stressigen oder unpassenden Situationen, in denen wir keine Toilette aufsuchen können oder uns dies unangenehm wäre. Ob im Büro, in der Bahn oder beim Sport – hin und wieder muss jeder mal seinen Stuhlgang hinauszögern. Aber ist das eigentlich ungesund oder gar gefährlich?

So entsteht der Stuhldrang

Um die Folgen einer unterdrückten oder verzögerten Entleerung zu verstehen, müssen wir uns zuerst die Entstehung des Stuhldrangs anschauen. Sobald sich der Enddarm mit einer bestimmten Menge Kot angefüllt hat, werden die Dehnungsrezeptoren der Analschleimhaut aktiv und signalisieren dem inneren Schließmuskel, dass er sich entspannen soll. Dadurch schiebt sich der im Enddarm enthaltene Stuhl weiter in Richtung Ausgang.

Dort wartet nun der äußere Schließmuskel, den wir im Gegensatz zum inneren Schließmuskel bewusst steuern und kontrollieren können. Spannen wir bei Stuhldrang unsere Beckenbodenmuskulatur und den äußeren Schließmuskel an, wird der Kot wieder zurückgeschoben. Unsere Muskulatur kann sich vorerst entspannen und der Stuhldrang lässt nach.

Stuhlgang zurückhalten: Das sind die Folgen

Bei regelmäßigem Unterdrücken des Stuhlreizes und einer gehäuften Verzögerung der Darmentleerung können zum Teil schwere Folgen auftreten. Zu diesen gehören:

  • Darmträgheit
    Häufiges Unterdrücken signalisiert dem Darm, dass er langsamer arbeiten soll. Dadurch verringert sich die Darmmotorik, wodurch sich die Darmentleerung selbst dann hinauszögert, wenn Sie den Stuhldrang nicht mehr unterdrücken. Der Enddarm, welcher entscheidend für das Einsetzen des Stuhldrangs ist, wird weniger sensibel für den Stuhlreiz und ein Teufelskreis beginnt.
  • Verstopfungen
    Die Darmträgheit, die durch das Unterdrücken des Entleerungsreflexes hervorgerufen wird, kann sogar zu schweren oder chronischen Verstopfungen führen.
  • Analfissuren
    Eine längere Verweildauer im Enddarm bedeutet auch, dass dem Stuhl mehr und mehr Wasser entzogen wird, wodurch seine Konsistenz härter wird. Ein harter, trockener Stuhl erschwert die Darmentleerung und kann kleine Risse im Enddarm bis hin zu Analfissuren hervorrufen.
  • Hämorrhoiden
    Im Anschluss an die Verzögerung des Stuhldrangs kann es dazu kommen, dass Sie besonders stark pressen müssen, um Ihren Darm zur Entleerung zu bewegen. Das kann negative gesundheitliche Folgen wie Hämorrhoiden nach sich ziehen.
  • Völlegefühl
    Wenn Sie den Darm davon abhalten, sich zu entleeren, staut sich die Masse in Ihrem Dickdarm und drückt auf den Bauch. Ein unangenehmes Völlegefühl mit Bauchschmerzen ist die Folge.
  • Schmerzhafte Blähungen
    Das Unterdrücken des Stuhldrangs reduziert die Darmbewegungen und hält zwar den Stuhl im Darm. Die Darmbakterien produzieren jedoch weiter Gase, welche über schmerzhafte Blähungen entweichen müssen.
  • Übelkeit
    Infolge des erhöhten Drucks im Bauchraum erhöht sich auch der Druck auf Ihren Magen. Dies kann schnell zu Übelkeit führen.

Wenn Sie vereinzelt und in seltenen Situationen mal den Stuhldrang unterdrücken müssen, wird das wahrscheinlich keine gesundheitlichen Folgen haben. Zu einer regelmäßigen Angewohnheit sollten das Verzögern der Darmentleerung jedoch aufgrund der oben genannten Risiken und Symptome nicht werden.

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Quellen: ambulanzzentrum-schweinfurt.de, gesundheitsinformation.de

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