23. Juli 2021
Abnehmen mit Wasserfasten: Eine gefährliche Diät?

Abnehmen mit Wasserfasten: Eine gefährliche Diät?

Entgiften und abnehmen: Das sind die häufigsten Motive für eine Fastenkur. Beim Wasserfasten verzichtet man tage- oder wochenlang auf alles außer Wasser. Wir erklären Ihnen, ob das gefährlich ist und welche Effekte das Wasserfasten hat.

Welche Effekte verspricht das Wasserfasten?

So manch ein Befürworter oder Verkäufer radikaler Fastenkuren verspricht das Blaue vom Himmel, wenn es um seine spezielle Abnehm- oder Entgiftungsmethode geht. Menschen, die eine Fastenkur durchführen, tun dies aus den unterschiedlichsten Gründen: Für manche ist es eine religiöse oder spirituelle Reise, andere möchten damit entgiften oder entschlacken, für viele ist Fasten jedoch einfach eine unkomplizierte Abnehm-Methode. Auf die letzten beiden Punkte gehen wir nun im Zusammenhang mit Wasserfasten genauer ein:

  1. Wasserfasten soll „entgiften“
    Ein häufig genanntes Argument für Fastenkuren oder Fastenphasen ist das Entgiften. Dabei sollen durch eine Flüssigkeitskur Giftstoffe, Schadstoffe oder „Schlacke“ aus dem Körper gespült werden. Abgesehen davon, dass es Schlacke im Körper nicht gibt, entgiften uns bereits 24 Stunden am Tag unsere Leber und Nieren. Lediglich bei Menschen, die unter einem entsprechenden Organschaden leiden, funktioniert die körpereigene Entgiftung nicht mehr. Generell gilt jedoch: Entschlacken oder Entgiften durch Fasten ist ein Mythos.
  2. Abnehmen mit Wasserfasten
    Dieser Effekt kann tatsächlich durch Fastenmethoden wie Wasserfasten oder Heilfasten hervorgerufen werden. Allerdings kommt der Gewichtsverlust durch längeres Fasten meist zu einem Preis – die möglichen Nebenwirkungen und Gefahren sind nicht zu unterschätzen. Wie der Gewichtsverlust beim Wasserfasten funktioniert und was die Vor- sowie Nachteile sind, erfahren Sie im Folgenden.

Das passiert beim Wasserfasten

So holt sich Ihr Körper Energie

Beim Wasserfasten bekommt Ihr Körper von außen nicht die nötige Energie zugeführt, die er benötigt, um alle Körperfunktionen aufrecht zu erhalten und sich bewegen zu können. Daher greift er zur Energiegewinnung vor allem auf den größten Energiespeicher unseres Körpers zu: Die Fettpolster. Gespeichertes Fett haben selbst dünne Menschen zur Genüge in Form von Bauchfett sowie Unterhautfettgewebe. Allerdings verlieren wir nicht nur Fett beim Fasten, da der Körper maximal 95 Prozent seiner Energie aus Fetten gewinnen kann. Die restlichen 5 Prozent holt er sich bei fehlender Energiezufuhr aus den Proteinen. Diese sind vor allem in der Muskulatur gespeichert, weswegen vor allem längere Fastenphasen ohne Nahrungs- und Proteinzufuhr zu Muskelabbau führen. Neben der Energie aus Makronährstoffen benötigt Ihr Körper auch Vitamine und Mineralstoffe, um Hormone und Enzyme bilden zu können. Fehlen diese auf Dauer kann es zu folgenden gesundheitlichen Beschwerden kommen.

Die möglichen Folgen von Wasserfasten

  • Schwindel: Der Mangel an Energie und Nährstoffen kann schnell zu Kreislaufproblemen führen. Aufgrund der Schwindelgefahr sollten Sie daher weder Auto fahren, noch schwere Maschinen bedienen. 
  • Kopfschmerzen und Müdigkeit: Fasten geht meist mit einem niedrigen Blutdruck einher. In Kombination mit dem Energiemangel können daher schnell Kopfschmerzen und Müdigkeit auftreten.
  • Nährstoffmangel: Zwar kann unser Körper Energie sehr gut aus gespeichertem Fett gewinnen. Beim Wasserfasten besteht jedoch bereits nach wenigen Tagen die Gefahr, dass Sie einen Vitaminmangel oder Mineralstoffmangel erleiden. Dies kann schnell zu Mangelerscheinungen wie brüchigen Nägeln oder Haarverlust führen.
  • Essstörungen: Extreme Diäten und radikale Fastenkuren können bei häufiger Durchführung  bei manchen Menschen Essstörungen wie Anorexie oder Bulimie begünstigen. 
  • Muskelabbau: Da der Körper sich nicht nur an den Fettpolstern, sondern auch an den Muskeln bedient, ist ein Muskelabbau bei längerem Fasten vorprogrammiert. Wie Sie das verhindert, erklären wir Ihnen im Folgenden.

So verhindern Sie Muskelabbau beim Fasten

Um den Muskelabbau beim Fasten zu verhindern, gibt es zwei Optionen, die optimalerweise kombiniert werden sollten. Erstens müssen Muskeln benutzt und gefordert werden, damit der Körper sie nicht als nutzlose Energieverschwendung betrachtet. Damit nicht noch mehr Energie verbrannt wird, ist Ausdauertraining in der Fastenphase weniger zu empfehlen. Stattdessen ist ein lockeres Krafttraining für alle größeren Muskelgruppen notwendig. Zweitens benötigt Ihre Muskulatur Aminosäuren und Glukose, um überleben und funktionieren zu können. Aminosäuren sind die Bausteine von Proteinen bzw. Eiweißen und Glukose steckt in Kohlenhydraten. Daher ist besonders für Sportler*innen eine modifizierte Form des Fastens geeignet, bei der mindestens 500 Kalorien pro Tag in Form von Eiweiß und Kohlenhydraten zugeführt werden. Eine hochwertige Quelle hierfür sind beispielsweise Kartoffeln mit Spiegelei.

Wichtig: Auf Dauer führen einseitige Diäten oder Radikalkuren wie das Wasserfasten zwangsläufig zu Nährstoffmängeln. Neben einem Muskelabbau durch Proteinmangel kann es zu einem Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen kommen, welcher wiederum den Hormonhaushalt und die Enzymaktivität im Körper stört. Aus medizinischer Sicht sind Nulldiäten und längeres Wasserfasten daher für die meisten Menschen nicht zu empfehlen. Gegen Intervallfasten im 16:8 oder 5:2 Rhythmus spricht jedoch nichts.

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