23. April 2021
Haarausfall beim Mann: Ursachen und Behandlung

Haarausfall beim Mann: Ursachen und Behandlung

Der Haarausfall beim Mann rüttelt häufig am eigenen Verständnis von Männlichkeit. Kahle Stellen versucht man deshalb zu kaschieren und fragt sich, woher der Haarverlust kommt. Wir zeigen Ihnen, welche Ursachen der Haarausfall beim Mann haben kann und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Im Waschbecken oder im Kamm sammeln sich mehr und mehr Haare und Sie geraten langsam in Panik? Keine Sorge! Wir verlieren täglich 50 bis 100 Haare. Zusätzlich gibt es Phasen, in denen wir natürlicherweise vermehrt Haare verlieren. Ein Grund zur Sorge ist das meist noch nicht.

Ab wann spricht man von Haarausfall?

Einzelne Haare fallen uns täglich in der Dusche oder beim Kämmen aus. Doch ab wann sollte der Haarausfall uns zu Denken geben? „Aus medizinischer Sicht spricht man von Haarausfall, wenn der Mensch mehr als 50 bis 100 Haare pro Tag verliert. Besteht der Verdacht, dass am Tag mehr Haare als im Normalfall ausfallen, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, um die zugrundeliegende Ursache des Haarausfalls abzuklären“, sagt Dr. Murat Dağdelen, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Gründer sowie Ärztlicher Direktor von DiaMonD Aesthetics in Düsseldorf. Er hat uns in einem Interview erklärt, was es mit dem unbeliebten Thema „Haarausfall“ auf sich hat und wie sich dem entgegenwirken lässt.

Gehen Ihnen also mehr als 100 Haare pro Tag verloren, können nicht genügend nachwachsen, um den Ausfall auszugleichen. Ab dann spricht man tatsächlich von Haarausfall. Dabei gibt es nicht nur eine Art von Haarausfall beim Mann, sondern mehrere, die jeweils unterschiedliche Ursachen haben.

Welche Arten von Haarausfall gibt es bei Männern?

Etwa 30 Prozent aller Männer über 30 Jahre sind von Haarausfall betroffen. Ab dem 50. Lebensjahr sind es sogar 50 Prozent. Spätestens mit dem 80. Lebensjahr erleben 80 Prozent aller Männer die eine oder andere Form von Haarausfall.

Erblich bedingter Haarausfall

Am häufigsten ist dabei der erblich bedingte Haarausfall, welcher auch androgenetische Alopezie genannt wird. „Ungefähr ein Drittel aller Männer im Alter von 25 und 40 Jahren sind davon betroffen. Der hohe Haarverlust kann aber auch bei Männern bereits ab dem 16. Lebensjahr auftreten und macht sich durch zunehmende Entstehung von Geheimratsecken bemerkbar“, sagt Dr. Murat Dağdelen. Die Genetik ist für 95 Prozent aller Fälle von männlichem Haarausfall verantwortlich. Schuld ist das männliche Sexualhormon Testosteron. Betroffene Männer haben hohe Konzentrationen einer bestimmten Form von Testosteron (Dihydrotestosteron oder DHT), welche den Haarausfall begünstigt.

Weitere Arten von Haarausfall

Doch auch nicht-erbliche Faktoren können eine erhebliche Rolle in der Entstehung von Haarausfall spielen. Hierbei handelt es sich meist um diffusen Haarausfall, ein gleichmäßiger Haarausfall an allen Stellen des Kopfes. So können sich unter anderem der Lebensstil mitsamt Ernährung, Stress im Alltag oder der Einnahme von Medikamenten negativ auf die Haarpracht auswirken. Ebenso können bestimmte Krankheiten, Fehlfunktionen der Organe oder Therapien einen vermehrten Verlust des Haupthaars hervorrufen.

Ursachen des Haarausfalls beim Mann

Meist ist der Haarausfall beim Mann zwar genetisch bedingt, doch es gibt eine Vielzahl möglicher Ursachen:

  • Genetik
    Die androgenetische Alopezie wird durch einen erhöhten Testosteronspiegel verursacht. Die typischen Geheimratsecken sind die Folge.
  • Alopezia Areata
    Diese Erkrankung führt innerhalb von Wochen oder Monaten zu einem starken, meist kreisrunden Haarausfall von bis zu 30 Prozent des Haupthaars. 
  • Nährstoffmängel
    Besonders relevant sind die Mineralstoffe Eisen und Zink sowie die Vitamine H, B12 und Folsäure. Fehlen sie, kann ein vorübergehender oder gar dauerhafter Haarausfall die Folge sein: „Durch kurzzeitige Crash-Diäten oder Essstörungen (Magersucht, Bulimie) kommt es nämlich im Körper verstärkt zu einem Mangel an Eisen, Zink, Biotin und Protein, was negative Auswirkungen auf das Haarwachstum hat“, sagt Dr. Murat Dağdelen
  • Gestörte Schilddrüsenfunktion
    Die Schilddrüse wirkt sich nicht nur auf unseren Stoffwechsel aus. Bei einem hormonellen Ungleichgewicht kann sie auch am Haarausfall schuld sein: „Bei vielen Betroffenen ist eine Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion der Auslöser für den ungewollten Haarausfall, bei denen die Haare insgesamt dünner, stumpfer und kraftloser werden können“, sagt Dr. Dağdelen.
  • Stress
  • Chemotherapie
  • Autoimmunerkrankungen
    Auch Störungen des Immunsystems können für Haarausfall verantwortlich sein, wobei die genauen Mechanismen noch unbekannt sind: „Bilden sich runde, kahle Stellen an verschiedenen Bereichen am Kopf oder an den Augenbrauen, handelt es sich um den kreisrunden Haarausfall. Eine genaue Ursache ist bis heute nicht bekannt, mit großer Wahrscheinlichkeit liegt dies an der Störung des Immunsystems“, sagt Dr. Dağdelen.

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Behandlungsmöglichkeiten gegen Haarausfall beim Mann

Vor einer Behandlung muss immer die Ursache des Haarausfalls geklärt werden. Für eine entsprechende Diagnose sollten Sie zum Hautarzt (Dermatologe) gehen. Inzwischen gibt es sogar spezielle Haarsprechstunden für Betroffene. Dort wird in Abhängigkeit der Ursache eine passende Behandlung besprochen. Folgende Möglichkeiten gibt es, um den Haarausfall beim Mann zu bekämpfen:

  • PRP-Lifting bzw. „Vampirlifting“
    Bei erst beginnendem und noch nicht weit vorangeschrittenen Formen des Haarausfalls gibt es „spezielle Treatments, die das Haarwachstum anregen und einer drohenden Glatzenbildung entgegenwirken können. Im Kampf gegen den Haarausfall lässt sich zum einen das „Vampirlifting“ (oder PRP-Lifting) nennen. Bei dem Verfahren handelt es sich um ein körpereigenes Anti-Aging-Mittel in Form eines hochwertigen Serums ohne Zusatzstoffe. Bei der Unterspritzung in die Kopfhaut, erzielt das hochwertige Serum die Anregung des Haarwachstums“, sagt Dr. Dağdelen.
  • Medikamente und Tinkturen, z.B. Minoxidil oder Sandelholz
    Diese sind jedoch nicht bei jedem wirksam und sollten auf jeden Fall nur in Absprache mit dem Hautarzt eingenommen oder angewendet werden.
  • Kortisonspritzen 
    Das Spritzen von Kortison in die Kopfhaut kann bei Autoimmunerkrankungen und Entzündungen der Kopfhaut helfen.
  • Ernährungsumstellung und ggf. Nahrungsergänzungsmittel
    Den Nährstoffmangel sollte jedoch ein Arzt per Bluttest diagnostiziert haben, um eine unnötige Einnahme von Tabletten zu vermeiden!
  • Haartransplantation
    Bei starkem oder bereits weit vorangeschrittenem Haarausfall hilft häufig nur noch eine Haartransplantation. Diese kann mit Eigenhaar erfolgen, hilft jedoch leider nicht bei entzündlichen Kopfhauterkrankungen.

Video: Haarausfall beim Mann – was hilft dagegen?

Quellen: bvz-info.de, pharmazeutische-zeitung.de

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