16. Juni 2021
Sonnenschutz: Wird Vitamin D trotz Sonnencreme gebildet?

Verhindert Sonnencreme die Bildung von Vitamin D?

Im Sommer und vor allem bei starker Mittagssonne soll man sich im Schatten aufhalten oder Sonnencreme auftragen. Doch verhindert der Sonnenschutz, dass die Haut Vitamin D bilden kann? Ein Hautexperte verrät es uns.

Die Sonne brennt am Himmel. Wir sind viel draußen, essen Eis, gehen ins Freibad oder fahren in den Sommerurlaub. Unser Körper findet das klasse, schließlich kann er jetzt wieder ordentlich Vitamin D3 bilden und seine Vorratsspeicher auffüllen. Problematisch nur, wenn sich etwas zwischen Haut und Sonnenstrahlen stellt: Sonnencreme. Aber hat Sonnenschutz wirklich so einen großen Einfluss auf die Vitamin D-Produktion? Lesen Sie hier!

Was ist Vitamin D und wie wird es gebildet?

Vitamin D ist auch als das Sonnenvitamin bekannt, da 80-90 % durch UVB-Strahlen, die auf die Haut treffen, gebildet werden. Die restlichen 10-20 % werden über die Nahrung gebildet. Da jedoch nur wenige Lebensmittel Vitamin D enthalten – darunter Lachs, Makrele und Hering oder Leber sowie Eigelb – , ist unser Körper auf Sonnenlicht und die Vitmamin-D-Speicherung in den Sonnenmonaten angewiesen. Der Tagesbedarf liegt bei Erwachsenen bei 20 Mikrogramm täglich. Dafür sollten täglich, je nach Hauttyp, Monat und Jahreszeit, Hände, Gesicht und Teile von Armen und Beine ca. fünf bis 25 Minuten in die Sonne gehalten werden. Nur so gelangen die UVB-Strahlen unter die Haut.

Der Unterschied von UVA und UVB

UVA-Strahlen gelangen durch Wolken und Glas und dringen tief in die Hautschichten, die Dermis, auch Lederhaut genannt, ein. In den Zellen produzieren sie freie Radikale, die die Zellen langfristig verändern und schädigen können.
Die Folge:

  • Hauterschlaffung & Festigkeitsverlust, Faltenbildung,
  • Entwicklung einer Sonnenallergie,
  • Pigmentstörungen,
  • Hautkrebs.
UVB-Strahlen hingegen gelangen nicht durch Wolken und Glas. Sie dringen in die Epidermis, auch Oberhaut genannt, ein und verleihen uns im Sommer die Bräune. Durch UVB-Strahlen kann der Körper Vitamin D bilden. Allerdings sind die Strahlen auch verantwortlich für:
  • Verbrennungen,
  • allergische Reaktionen,
  • Hautkrebs.

Verhindert Sonnencreme die Bildung von Vitamin D?

Da in den nördlichen Breitengraden die Sonneneinstrahlung geringer als z.B. im Mittelmeerraum und von November bis Februar die Intensität zu gering ist, ist ein Vitamin-D-Mangel in Deutschland keine Seltenheit. Einen Vitamin-D-Mangel begünstigen wir auch dadurch, dass wir die meiste Zeit in Gebäuden verbringen. Um die mangelnde Sonneneinstrahlung auszugleichen, legen sich viele Menschen im Sommer ohne Sonnencreme in die Sonne – um braun zu werden und um Vitamin D zu tanken. Aber verhindert Sonnencreme tatsächlich die Bildung von Vitamin D?

Diese Frage hat uns der Hautexperte und Produktentwickler der Beiersdorf AG Dr. Reto Peirano beantwortet: „Sonnenschutz lässt zwar weniger UV-Strahlung in die Haut – umso weniger, je höher der Lichtschutzfaktor ist –, doch die Vitamin-D-Produktion wird in der Praxis kaum gehemmt. Jedes Sonnenschutzmittel lässt noch einen Teil der UV-Strahlung durch und die Erfahrung zeigt: Wer Sonnenschutz aufträgt, hält sich länger in der Sonne auf“. Ihrer Vitamin-D-Versorgung zuliebe sollten Sie daher nicht auf den Sonnenschutz verzichten.

Wenige Minuten ohne Sonnencreme sind kein Problem für unsere Haut, aber bei längeren Sonnenbädern sollten Sie keinesfalls die Sonnencreme vergessen, „ansonsten drohen Sonnenbrand, Hautalterungserscheinungen, Hautschäden und ein erhöhtes Krebsrisiko“, warnt Dr. Peirano. Da Vitamin D auch trotz Sonnencreme gebildet wird, sollten Sie Ihrer Haut zuliebe stets eine Creme mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor verwenden, z.B. Nivea Sun LSF 50+ oder Jean & Len Wasserfestes Sonnenspray mit LSF 30.

Wie viel Sonne braucht die Haut, um Vitamin D zu bilden?

Wie lange Sie sich in der Sonne aufhalten müssen, um die Vitamin-D-Produktion Ihrer Haut ausreichend anzukurbeln, beantwortet Ihnen Dr. Peirano: „Im Frühjahr täglich etwa zehn bis 15 Minuten Sonne auf Gesicht und Händen. Das reicht aus, um genügend Vitamin D zu bilden. Allerdings wird der Vitamin-D-Pegel nicht durch die allerersten Sonnenstrahlen gleich vollständig aufgefüllt, sondern über Frühjahr und Sommer hinweg kontinuierlich erhöht“. Länger als eine Viertelstunde müssen Sie sich daher gar nicht in der Sonne aufhalten, um Ihren Bedarf zu decken. Bei längeren Aufenthalten gilt: Sonnencreme nicht vergessen!

Wofür braucht der Körper Vitamin D?

Vitamin D ist an lebenswichtigen Stoffwechselvorgängen beteiligt:

  • Bildung und Stärkung von Knochen und Zähnen,
  • Stärkung des Immunsystems,
  • Schutz vor Parkinson, Demenz, Rachitis und Depressionen,
  • wirkt anti-kanzerogen,
  • lindert Symptome von Asthma.

Vitamin-D-Mangel

Ein Vitamin-D-Mangel äußert sich durch Abgeschlagenheit, Müdigkeit, depressive Verstimmungen und Antriebslosigkeit. Bei einem großen Mangel können auch Muskelschwäche und Osteomalazie (Knochenerweichung) mit Knochenschmerzen dazukommen. Bei Säuglingen und Kindern bewirkt ein Mangel eine Rachitis, eine Verformung der Knochen.

Weitere Faktoren, die die Vitamin-D-Produktion beeinflussen

  • Hautfläche: Je mehr Hautfläche Sie der Sonne aussetzen, umso schneller decken Sie Ihren Vitamin-D-Bedarf.
  • Einstrahlungwinkel: Je höher die Sonne steht, umso stärker die Strahlung. Im Winter liegt ein niedriger Einstrahlungswinkel vor, weswegen kaum bis kein Vitamin D gebildet wird.
  • Hauttyp: Zwar hat der Hauttyp nur einen geringen Einfluss auf unsere Vitamin-D-Produktion. Allerdings ist die Fähigkeit, Vitamin D zu bilden, bei dunkler, stark pigmentierter Haut etwas geringer ausgeprägt als bei heller Haut.
  • Glasscheiben: Auch wenn uns die Sonne im Auto oder Büro selbst hinter einer Fensterscheibe ordentlich einheizt, gelangen keine UVB-Strahlen für die Vitamin-D-Produktion hindurch. UVA-Strahlen, die die Haut schädigen, passieren Glas jedoch fast ungehindert. Daher ist Sonnenschutz auch bei längeren Autofahrten wichtig.

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