Krankheiten: Was ist ein Lipödem? Lipödem: Symptome, Diagnose & Behandlung

Das Lipödem betrifft fast nur Frauen und wird noch gar nicht so häufig diagnostiziert, obwohl schätzungsweise 70.000 bis 3 Millionen Frauen in Deutschland daran leiden. Was es mit der Krankheit auf sich hat, lesen Sie hier!

Lipödem

Was ist das Lipödem?

Unter einem Lipödem versteht man eine krankhafte Fettverteilungsstörung, die bei Frauen auftritt. Sie tritt am häufigsten zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr, unabhängig vom Körperfettanteil, auf. Typische Anzeichen sind unnatürlich aussehende Arme und Beine, während die Körpermitte schlank erscheint.

Symptome eines Lipödem

Das Krankheitsbild lässt sich an vier Kernsymptomen erkennen:

  1. Das Fett ist am Körper ungleich verteilt
    Bei einem Lipödem sind Beine, Hüfte, Po und Arme betroffen. An ihnen lagert sich vermehrt Fett im Unterhautgewebe an. Die Beine werden dicker. An Füßen, Händen, Taille und Bauch ist meist keine Veränderung sichtbar. 
  2. Schmerzen
    Die betroffenen Körperstellen sind schmerz- und druckempfindlich.
  3. Zunehmende Schmerzen
    Im Laufe des Tages nehmen Schmerzen, Berührungs- und Druckempfindlichkeit zu. Außerdem schwellen die Beine an, spannen und fühlen sich schwer an.
  4. Hämatome
    Betroffene bekommen schneller blaue Flecken.
Das Problem: diese Symptome kommen auch bei anderen Gesundheitsstörungen vor, wodurch die Diagnose erschwert wird.
 
Drei Lipödem-Typen:
  • Oberschenkel-Typ: hier sind Oberschenkel und Hüfte betroffen (Reiterhosen)
  • Unterschenkel-Typ: hier sind zusätzlich noch die Unterschenkel betroffen (Bundhosen)
  • Knöchel-Typ: Ober- und Unterschenkel, sowie die Knöchel sind betroffen. Gleichzeitig kann sich ein Fettkragen entwickeln, der über die Knöchel ragt.

Ursachen eines Lipödems

Laut aktuellem Wissensstand wird angenommen, dass ein Lipödem durch hormonelle Veränderungen entsteht. Das kann z.B. am Ende der Pubertät, während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren sein. Auch wird vermutet, dass die Krankheit genetisch bedingt ist, wenn Vorfahren bereits daran erkrankten.

Diagnose

Die Diagnose wird durch eine Anamnese (Erhebung der Krankheitsgeschichte), Anschauen und Abtasten gestellt. Ein Lipödem lässt sich dabei in drei Stadien einteilen.

Stadium 1

  • Sichtbare Reiterhosen
  • Glatte Haut, erst beim Zusammenschieben bildet sich Cellulite
  • Das Unterhautgewebe fühlt sich verdickt, aber weich an
  • Oberschenkel- und Kniestruktur fühlt sich wie Styroporkügelchen in einem Plastikbeutel an
Stadium 2:
  • Reiterhosen sind ausgeprägt
  • Grobknotige Hautoberfläche
  • Unterhautgewebe verdickt weiterhin, dennoch weich
Stadium 3:
  • Ausgeprägter Umfang der Arme und Beine
  • Unterhautgewebe stark verdickt und verhärtet
  • Deformierte Innenseite der Oberschenkel und Knie
  • X-Bein-Stellung

Behandlung von Lipödem

Um ein Lipödem zu behandeln, gibt es zwei Möglichkeiten. Die KPE-Methode, Komplexe Physikalische Entstauungstherapie, wird teilweise von der Krankenkasse bezahlt und ist eine Mischung aus Kompression und Lymphdrainage. Diese Behandlung soll die Schmerzen und das Anschwellen der Beine reduzieren und das Fortschreiten der Krankheit aufhalten. Die Art der Behandlung bekämpft jedoch nicht die Ursache oder lässt die Krankheit ganz verschwinden.
Eine zweite Möglichkeit der Behandlung ist die sogenannte Liposuktion ("Fettabsaugung"). Da diese Operation noch immer von den Krankenkassen als kosmetischer Eingriff gewertet wird, gibt es nur in sehr wenigen Fällen eine Kostenübernahme für die "Fettabsaugung". In den meisten Fällen müssen Betroffene die Operationskosten von ca. 6000 Euro selbst zahlen. Meistens sind sogar drei bis fünf Eingriffe nötig.

Ernährungsumstellung bei Lipödem-Betroffenen

Grundsätzlich lässt sich ein Lipödem nicht mit Sport und Ernährung aufhalten, jedoch können sie zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen und es steigern. Wichtig ist vor allem Übergewicht zu reduzieren, indem mehr Kalorien verbraucht als aufgenommen werden. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung sollte täglicher Bestandteil sein. Achten Sie auf genügend Obst und Gemüse, Vollkorn, ungesättigte Fettsäuren, sowie tierisches und pflanzliches Protein. Um den Lymphabfluss zu fördern, sollten mindestens 2 Liter Wasser oder Tee getrunken werden.

Sport und Lipödem

Folgende Sportarten erweisen sich bei Lipödem als hilfreich:

Aquafitness
Ob Gymnastik, Spinning oder Schwimmen. Der Druck im Wasser wirkt wie eine Lymphdrainage und verbessert die Beschwerden deutlich.

Faszientraining
Verklebtes Fasziengewebe, welches die Muskel umgibt, kann eine Ursache für Schmerzen sein. Mit Faszientraining können die Schmerzen gemindert werden.

Nordic Walking
Diese Sportart ist besonders gelenkeschonend und für Untrainierte geeignet. Neben Kondition werden noch die Arme trainiert.

Autor: Christina Liersch