24. Januar 2017
Was uns ein Gesicht verrät

Was uns ein Gesicht verrät

In 13 Millisekunden entscheiden wir, wen wir schön finden. Und orten mit unserem unbewussten Radar nebenbei noch viele spannende Charakter-Merkmale.

Frau lacht
© Thinkstock
Frau lacht

Stellen Sie sich vor, jemand zeigt Ihnen Fotos von Gesichtern. Frauen und Männer. Jedes nur einige Sekunden. Dann werden Sie gefragt: Schafft es diese Person am 22. September in den Bundestag? Falls Sie denken, das sei unseriöse Wahlforschung: In den USA konnten Freiwillige in einer Studie auf diese Weise 70 von 100 Wahlsiegern vorhersagen. Auch bei anderen Merkmalen wie Verlässlichkeit, Vertrauenswürdigkeit, Aggressivität oder Dominanzstreben genügt unserem Gehirn offenbar ein kurzer Blick ins Gesicht, um erstaunlich genaue Vorhersagen treffen zu können. Diese Meisterleistung des Gehirns vollbringt der sogenannte Gyrus fusiformis. Wir besaßen ihn schon, als wir noch in Höhlen lebten, denn blitzschnell einschätzen zu können, wer Freund und wer Feind ist, war ein klarer Überlebensvorteil.

In Gesichtern lesen können

Und heute? „Gesichter lesen zu können, kann im Umgang mit Kollegen, im Freundeskreis und in anderen Beziehungen hilfreich sein“, sagt Psycho-Physiognomikerin Ilona Weirich aus Hannover. Experten wie sie unterscheiden mehr als 270 Merkmale, die zusammengenommen viel über unsere Persönlichkeit verraten. „Um den Code zu knacken, muss man sie in Relation setzen“, so Weirich. „Menschen mit großen Nasen etwa stehen gern in der ersten Reihe. Dieses Bedürfnis tritt aber umso mehr in den Hintergrund, je kleiner die Ohren sind.“ Auf der nächsten Seite finden Sie weitere Orientierungspunkte für Ihren Gesichter-Radar. Sie gelten gleichermaßen für Frauen wie für Männer. Viel Spaß beim Abtasten! Mehr als ein Spiel, ein allererster Eindruck sollte das alles natürlich nicht sein. Den Inhalt eines Buches beurteilen wir ja auch nicht nur nach dem Einband. Und in allen Studien zur Gesichtswahrnehmung wurden die Testpersonen um so unsicherer, je länger sie über eine Miene nachdachten.

Gesichtsform deuten können

Gesichtsform

Wissenschaftler der Universität von Wisconsin in Milwaukee/USA fanden heraus, dass breite Gesichter beim Betrachter weniger Vertrauen erwecken als schmale.
Runde Gesichtsform: weist auf emotionale und sensible Menschen hin. Sie sind offen für Neues und gern in Gesellschaft.
Herzförmig: eigenständige und lösungsorientierte Menschen mit Organisationstalent.
Oval: Solchen Menschen wird in Studien Zielstrebigkeit, Erfolg, Durchsetzungsvermögen und Perfektionsdrang zugesprochen.

Zähne

Für den Blick zwischen die Lippen hat sich ein eigenes Fachgebiet etabliert: die Psycho-Dontologie.
Großer Abstand zwischen den Schneidezähnen: großes Selbstverwirklichungspotenzial. Ideologische Ziele werden sehr kraftvoll, manchmal rücksichtslos umgesetzt.
Überlappende Schneidezähne: Menschen mit dieser Zahnstellung haben Hemmungen, sich zu entfalten.

Ohren

Anliegende Ohren deuten auf ein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis hin, eher abstehende Ohren auf Kritikfähigkeit.
Kleine Ohren: Diese Menschen stehen nicht gern im Mittelpunkt, treten bescheiden auf und sind sehr kreativ.
Große Ohren: Dazwischen vermuten Betrachter mehrheitlich den Kopf einer ehrgeizigen Führungspersönlichkeit mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein.

Gesichter lesen können

Nase

Kleine, spitze Nase: Menschen mit viel Sinn für Humor.
Große Nase: starke Antriebskraft, Ehrgeiz, Konsequenz, Individualität, große selbstdarstellerische Fähigkeiten.
Stups-/Kartoffelnase: Dieser Mensch steckt voller Tatendrang und mitreißender Energie.

Kinn

Grübchen im Kinn: Sensible Menschen, die viel positives Feedback brauchen. Personen mit besonders ausgeprägtem Kinn suchen, glauben Betrachter, eher nach Beziehungen von kurzer Dauer.

Mund

Das Hormon Östrogen ist auch für die Ausprägung der Lippen verantwortlich. Je voller die Lippen, desto attraktiver wird die Person wahrgenommen.
Das beeinflusst andere Urteile: Wen wir attraktiv finden, stufen wir auch eher als klug, verlässlich und vertrauenswürdig ein.
Schmale, feste Lippen: Menschen mit festen Charakter, die angeblich genau wissen, was sie wollen.

Augen

Gesichter mit kleinen Augen werden Menschen mit großem logischen Verstand zugeordnet. Große Augen werden eher mit einem intuitiven Gefühlsleben verbunden und als liebevoll wahrgenommen. Personen mit blauen Augen wurden in einer Studie der Prager Karls-Universität – verglichen mit Braunäugigen – als weniger vertrauenswürdig wahrgenommen. Dies hänge auch damit zusammen, so die Forscher, dass blaue Augen häufiger in „eckigen“ (wütenden) und braune öfter in „runden“ (glücklichen) Gesichtern anzutreffen seien. Ein Gegenüber mit einem ausgeprägten Limbus (schwarzer Rand, der die Pupille von der Iris trennt) finden wir sympathischer. Außerdem wird dieses Merkmal mit Jugendlichkeit und Gesundheit verbunden.

Stirn

Studien belegen, dass Zeitgenossen mit hoher Stirn eine hohe geistige Aktivität nachgesagt wird. Sie gelten als „typische Kopfmenschen“ – mit nur schwach ausgeprägtem Bauchgefühl.

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