22. April 2021
Tipps, um Energieräubern entgegenzuwirken

Menschen, die uns Kraft kosten

Einige Personen sind echte Energieräuber, die uns Kraft kosten und Energie stehlen. Wir geben Tipps und nennen Ihnen die wichtigsten Abwehrstrategien, um Energieräubern entgegenzuwirken! So bleibt auch mehr Zeit für die Menschen, die uns inspirieren, die uns guttun und uns positiv bereichern.
 

Es kann die Freundin sein, die dauernd von ihrem tollen Job erzählt. Und dabei nie nach unserem fragt. Es kann die Mutter sein, die immer wieder ungebeten unser Beziehungsleben kommentiert, die Kollegin, die sich unablässig über alles und jeden beklagt, ohne jedoch an Lösungen interessiert zu sein, oder der Partner, der uns permanent das Gefühl gibt, etwas falsch zu machen. „Energievampire sind überall“, so Judith Orloff, amerikanische Psychiatrie-Dozentin an der UCLA-Universität in Los Angeles, Kalifornien. Nach jeder Begegnung mit diesen Menschen fühlen wir uns unwohl – abwechselnd ausgelaugt und erschöpft oder gereizt oder niedergeschlagen. Diese Stimmungswechsel sind klassische Anzeichen dafür, dass in unserem Leben unter unseren Mitmenschen Energievampire am Werk sind. „Sie können uns Optimismus und Gelassenheit regelrecht aussaugen“, sagt Judith Orloff.

Gerade empathische Frauen und Männer, die sich gut in andere hineinversetzen können, werden oft Opfer von Energieräubern, beobachtet Orloff. Doch auch wer schlecht Grenzen setzen kann, es anderen stets recht machen möchte oder ein eher niedriges Selbstwertgefühl hat, ist gefährdet. Meist spüren wir, wenn das Gleichgewicht einer Beziehung zwischen Nehmen und Geben gestört ist. Menschen, die uns Energie stehlen, sind häufig in irgendeiner Weise verwundet, betont die Psychiaterin.

Möglicherweise hatten sie überkritische, perfektionistische Eltern und mäkeln deshalb an anderen herum. Oder ihnen wurde im Leben alles abgenommen, und sie haben nie gelernt, Verantwortung für sich zu übernehmen: Dann richten sie sich in der Opferrolle ein und verlangen ständig nach Hilfe von anderen. Indem sie die Kraft anderer abzapfen, kompensieren Energieräuber ihre eigene Schwäche und Unsicherheit. Meist tun sie das nicht mit Absicht, sagt Orloff. Doch ob nun bewusst oder unbewusst: Sie bringen uns damit aus dem seelischen Gleichgewicht. Deshalb muss man sie erkennen.

Merkmale, an denen Sie Energiesauger erkennen

  1. Sie akzeptieren Ihre Grenzen nicht.
  2. Sie nötigen Sie zur Rechtfertigung.
  3. Sie setzen Sie durch Beschuldigungen, Fragen und Unterstellungen unter Druck.
  4. Sie zeigen sich als Opfer oder als Einschüchterer.
  5. Die suggerieren Ihnen Schuldgefühle.
  6. Sie verwickeln Sie in Konflikte.
  7. Ihre Gedanken kreisen häufig um sie.
  8. Sie machen Sie verrückt.
  9. Sie sind nicht kritikfähig.
  10. Sie fühlen sich in ihrer Gegenwart schlecht, ausgelauft, schuldig oder gar aggressiv.

Warum Menschen zu Energieräubern werden

Wie man überhaupt zu einem solchen Energieräuber wird, lässt sich nur schwer erklären. Oft liegt der Grund dafür in der Vergangenheit. Traumatische Erlebnisse, fehlende Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern, unbegründete Schuldgefühle oder die Manipulation eines anderen Energieräubers können die Ursache sein. Energieräubern fehlt es in erster Linie an eigener Energie und Lebensmut. Beides versuchen sie aus ihrem Umfeld zu ziehen. Als Abwehrstrategie versuchen sie ihr gestörtes Selbstwertgefühl unbewusst durch ihr Verhalten zu kompensieren. Auch Borderliner sind oft Energieräuber.

Energieräuber-Typologie

Der Narzisst

Reden ist sein Liebstes, und das tut er bevorzugt über sich selbst. Oft ist er der Mittelpunkt einer Party. „Narzissten können zunächst sehr anziehend wirken, da sie sehr kontaktfreudig und unterhaltsam sein können“, erläutert Professor Hans-Werner Bierhoff, Sozialpsychologe an der Universität Bochum. Doch wer einem Narzissten in die Falle tappt, lernt die unangenehme Seite kennen: Narzissten wünschen sich Aufmerksamkeit und Bewunderung. Meist drehen sich die Gespräche nur um sie; die Gefühle und Interessen anderer nehmen sie nicht wahr oder bagatellisieren sie. Wenn aber unsere Bedürfnisse nicht beachtet werden, machen sich schnell Frust und Enttäuschung breit: Wir spüren, dass wir zu kurz kommen und stets nur geben müssen. „Narzissten sind deshalb so gefährlich, weil ihnen Empathie fehlt und sie nur eine begrenzte Fähigkeit haben, bedingungslos zu lieben“, warnt Judith Orloff.

Was hilft? Grenzen setzen!
In einer zwischenmenschlichen Beziehung sollten von Anfang an klare Grenzen gesetzt werden, damit der Narzisst andere Menschen nicht ausnutzt oder gar schlecht macht. Einem Narzissten sollte schonend klar gemacht werden, wenn das selbstgefällige Verhalten zu weit geht. Das Gespräch zu suchen, ist immer die beste Lösung.

Der Kontrollfreak

„Weißt du, was du jetzt brauchst?“ So beginnt ein typischer Satz des Kontrollfreaks – ein dominanter Mensch, der meint, am besten über alles Bescheid zu wissen. Und das gerne kundtut. Das können Empfehlungen für unser Liebesleben sein ebenso wie Rechthaberei im Alltag, gerne auch ungebetene Tipps, wie man am besten abnimmt. Kontrollsüchtige sind Perfektionisten, deren Maßstäben niemand gerecht werden kann.

Was hilft? Selbstbewusstsein zeigen!
Gegen Kontrollfreaks hilft es oft schon, sich ein wenig zu behaupten und der Person in einem Gespräch klar zu machen, dass kontrollsüchtiges und herumkommandierendes Verhalten nicht toleriert wird. Eine weitere Möglichkeit ist, Abstand zu der Person zu gewinnen. Ebenso sollte man gelassen mit einem Kontrollfreak umgehen und aggressives Sprachverhalten vermeiden.

Das Opfer

Der Job ist anstrengend, der neue Freund hat es schon wieder verlassen, und jetzt ist auch noch das Auto kaputt. So jammert das typische Opfer. Die Botschaft: Alle sind gegen mich, du musst mich jetzt retten. Selbst Verantwortung zu übernehmen liegt diesen Energiesaugern fern. Am Anfang einer kräftezehrenden Beziehung zu einem Opfer steht oft der Impuls, zu helfen. Doch es kann belasten, sich laufend anzuhören, wie schlecht die Welt ist: Wir fühlen uns ausgebrannt. „Solche Menschen suchen sich meist jemanden aus, der sehr sozial eingestellt ist. Sie brauchen jemanden, der sie immer wieder rettet und ihre Probleme löst“, erklärt Meike Müller, Coach und Medientrainerin aus Berlin.

Was hilft? Einsicht zeigen!
Auch wenn es schwer fällt und das Jammern auf Dauer nervt. Versuchen Sie einsichtig zu sein und der Person zuzuhören. Wichtig ist, nach dem Zuhören gemeinsam eine Lösung für das bejammerte Problem zu suchen.

Der Gespaltene

Schwarz oder weiß, hassen oder lieben und nichts dazwischen – so reagiert die gespaltene Persönlichkeit. Vor allem in Freundschaften strengt das an: Schnell wird man als neue beste Freundin vereinnahmt und fühlt sich auf einen Thron gehoben. Doch ebenso rasch stößt sie einen wieder herunter, wenn wir etwas mit einer anderen Freundin unternehmen. Und wer es wagt, sie zu kritisieren, fällt in ihrer Gunst ins Bodenlose. Dann lässt sie einen das mit Wutausbrüchen oder Intrigen spüren. Folge: Wir halten mit unseren wahren Ansichten und Gefühlen hinter dem Berg, weil wir ihre Bestrafung fürchten – und fühlen uns in dieser Freundschaft regelrecht gefangen. Denn wer ständig darum bemüht ist, den Frieden zu bewahren, weil er fürchtet, dass der andere ihn sonst hasst und sich rächt, wird sich aufgrund seines Verhaltens schnell kraftlos fühlen.

Was hilft? Unstimmigkeiten aus dem Weg räumen!
Wer sich ungerecht behandelt und immer wieder hinten angestellt fühlt, sollte dringend das Gespräch suchen. Zeigt sich z. B. bei der Freundin, die einen immer wieder hängen lässt, keine Einsicht, sollte man sich Fragen, ob Distanz zu dieser Person nicht die beste Lösung ist.

Was tun gegen Energieraub?

Sie haben eine Person in Ihrem Bekanntenkreis identifiziert, die Sie ständig immer nur emotional runterzieht und die oben genannten Tipps schon angewandt? Dann wird es Zeit, sich zu entscheiden. Egal ob Freunde oder Familie – hinterfragen Sie ganz dringend grundlegend Ihre Beziehung zu dieser Person. Gehen Sie nach diesem Muster vor:

Gibt es auch mal positive Momente zwischen Ihnen?

Ja: Sind diese Momente ausreichend, um an der Freundschaft festzuhalten? Falls Sie diese Frage ebenfalls mit Ja beantworten, dann führen Sie noch einmal ein absolut deutliches, klärendes Gespräch mit dieser Person. Machen Sie ihr klar, dass Sie an der Freundschaft hängen, aber unter diesen Umständen nicht weiterführen könnten.

Nein: Gibt es eigentlich überhaupt keine schönen Momente (mehr) zwischen Ihnen, sollten Sie nicht länger an dieser Freundschaft festhalten und einen Kontaktabbruch in Erwägung ziehen. Lassen Sie sie langsam ausklingen und treffen Sie sich mehr mit Menschen, die Ihnen als Energiespender guttun.

Was, wenn der Energieräuber ein Arbeitskollege ist?

Können Sie der Person, die Sie ständig runterzieht, nicht aus dem Weg gehen? Vor allem, wenn man zusammen arbeitet, ist es umso wichtiger, ein offenes und klärendes Gespräch zu führen. Sie haben bereits gesprochen und es hilft nichts? Manchmal ist es einen Versuch wert, einen dritten Kollegen oder Chef hinzuzubitten.

Nützt das alles immer noch nichts, denken Sie darüber nach, Abstand zu gewinnen – im schlimmsten Fall sogar durch eine neue Position oder einen ganz neuen Job. Wir verbringen so viel Lebenszeit bei der Arbeit, dass es die psychischen Folgen auf Dauer nicht wert sind. Überlegen Sie sich, wie viel Leidensdruck dahinter steckt und ob das eine Möglichkeit für Sie wäre.

Was tun, wenn mein Partner ein Energieräuber ist?

Ist Ihr Partner ein Energieräuber, haben Sie wahrscheinlich schon oftmals das Gespräch mit ihm gesucht. Ändert er sich dennoch nicht, dann lassen Sie Ihren Partner spüren, dass Sie kaum noch einen Sinn in der Beziehung sehen. Vielleicht wird ihm durch die Brisanz bewusst, wie schmal der Grat wirklich ist, auf dem er mit seinem egoistischen Verhalten wandelt. Zeigt er zumindest etwas Einsicht, hat die Partnerschaft noch eine Chance. Achten Sie auch hier auf sich und Ihre Bedürfnisse. Grenzen Sie sich ab und schützen Sie sich so vor dem Energieraub.

Was tun, wenn ich selbst ein Energieräuber bin?

Erst einmal ist es ein gutes Zeichen, dass Sie den Umstand, ein Energieräuber zu sein, selbst erkannt haben. Ein jeder kann von Zeit zu Zeit mal zu einem Energievampir mutieren. Doch keine Sorge – es lässt sich was dagegen tun! Docken Sie bei jemand anderem an, um seine Energie zu rauben, sollten Sie dringen an Ihrer eigenen Lebensfreude arbeiten. Richten Sie Ihren Fokus ganz allein auf sich und lächeln Sie, auch wenn Ihnen danach gerade vielleicht nicht zu Mute ist. Sie können auch eine Dankbarkeitsliste anlegen, auf die Sie jeden Abend Dinge schreiben, die Sie am Tag glücklich gemacht haben. Entspannen Sie sich einfach und versuchen Sie, die kleinen Dinge des Lebens zu genießen. Hilfreich ist es auch, wenn Sie sich ein Hobby suchen, das Ihnen als Ausgleich zum stressigen Alltag dient. Wie wäre es zum Beispiel mit Sport? Bewegung ist und bleibt das beste Mittel, um sich so richtig auszupowern und auf andere Gedanken zu kommen. Auch eine Gesprächstherapie kann helfen, wenn Sie es nicht eigenständig schaffen, der Negativ-Spirale zu entkommen.

Was Ihnen sonst noch Energie rauben kann

Ja, es sind nicht nur Menschen, die Ihnen Energie rauben können. Auch andere, ganz alltägliche Dinge können schnell dafür sorgen, dass Sie sich ausgelaugt fühlen. Dazu zählen zum Beispiel Einschlafprobleme, Stress, Langeweile, Sorgen und unerledigte Dinge, die Sie schon seit Langem aufschieben. Auch eine ungesunde Ernährung und zu wenig Bewegung können Schuld daran sein, dass Sie sich kraftlos fühlen.

Wie kann ich Energieraub vorbeugen?

Energieraub vorzubeugen ist gar nicht mal so einfach! Oftmals bedarf es einer starken und gefestigten Persönlichkeit, um negativen Energien standzuhalten. Arbeiten Sie an Ihrer Selbstfürsorge und versuchen Sie, sich von Energieräubern abzugrenzen. Oftmals hilft es, wenn Sie Lebensfreude in sich schaffen, in dem Sie Ihr Glück nicht von Äußerlichkeiten abhängig machen. Lernen Sie, auch mal "Nein" zu sagen, und verbringen Sie so wenig Zeit wie möglich mit Menschen, die Ihnen nicht guttun.

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