Immer mehr Krankheiten Zahl der Syphilis-Fälle steigt - besonders in Deutschland

In Europa und vor allem in Deutschland steigen die Syphilis-Infektionen. In Deutschlands Großstädten wie Berlin und Hamburg ist die Ansteckungsgefahr stark erhöht.

Syphilis-Erreger

Laut dem Bericht des Europäischen Zentrums für Krankheitsprävention- und kontrolle (ECDC) ist die Zahl der bestätigten Syphilis-Fälle in Europa in den letzten Jahren gestiegen. Männer zwischen 25 und 34 Jahren infizierten sich im Verhältnis zu Frauen und anderen Altersgruppen häufiger mit der Krankheit.
Zwischen 2007 und 2017 wertete das ECDC die Daten von 30 europäischen Ländern aus. Demnach stieg die Anzahl der bestätigten Fälle seit 2010 um 70 Prozent auf eine Rekordwert von 33.193 im Jahr 2010. Ein Anstieg seit dem Jahr 2000. 

Anstieg in Deutschland

In Deutschland stieg die Zahl der Syphilis-Infektionen im Durchschnitt von 4 auf 9,1 pro 100.000 Einwohner. In Europa hingegen lag die Rate 2017 bei 7,1 pro 100.000 Bürger. Auch die Staaten Island, Irland, Großbritannien und Malta vermeldeten einen Wachstum von Syphilis-Infektionen. In Rumänien und Estland gab es hingegen einen Rückgang. 
Bereits Ende 2018 warnte das Robert-Koch-Institut vor einem deutlichen Syphilis-Anstieg, da 2017 4,2 Prozent mehr Fälle als 2016 gemeldet wurden. Besonders in Berlin und Hamburg erkranken überdurchschnittlich viele Personen.

Gründe für den Anstieg

Gehörte in den Achtzigerjahren Safer Sex aufgrund von HIV-Erkrankungen noch zum Alltag, sinkt nun der Trend. Die Deutsche Aidshilfe sieht die Gründe in der zurückgehenden Nutzung von Kondomen und verbesserten HIV-Therapien. Dadurch, dass HIV heute kein Todesurteil mehr ist, verzichten vor allem junge Leute mit regelmäßig wechselnden Geschlechtspartnern auf Kondome und stecken sich so mit Syphilis an. 

Die drei Syphilis-Stadien

Tückisch bei dieser Krankheit ist, dass nur etwa die Hälfte der Infizierten Krankheitssymptome entwickelt. Unbehandelt verläuft die Krankheit in drei Stadien, die jedoch auch bei jedem variieren können.

  1. An der Eintrittstelle der Erreger, z.B. an Penis, Schamlippen oder Mund, bildet sich nach drei Wochen Inkubationszeit ein Geschwür, welches schmerzlos ist und nach mehreren Wochen von selbst abheilt. In dieser Zeit verteilen sich jedoch die Erreger im Körper. Das Geschwür ist dabei hochinfektiös.
     
  2. Das zweite Stadium macht sich durch eine Vielzahl von Hauterscheinungen und anderen Krankheitszeichen bemerkbar. Dazu zählen z.B. flache Knötchen in den Hautfalten oder nässender Ausschlag. Im Blut sind die Entzündungswerte erhöht und es kommt zu Fieber und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Auch das geht von selbst vorbei.
     
  3. Wird auch nach Jahren Syphilis nicht diagnostiziert, können die Erreger die Organe und Gefäße schädigen. Als Folge treten häufig Demenz oder Psychosen auf. 
Behandelt wird Syphilis mit Penicilin. Schon nach sieben Tagen besteht keine Ansteckungsgefahr mehr!

Autor: Christina Liersch