2. April 2013
Den klaren Blick bewahren

Den klaren Blick bewahren

Eine neue, hochansteckende Augeninfektion grassiert: die Augengrippe. Plötzlich rötet sich die Bindehaut, es juckt und schmerzt. Doch Sie können sich schützen

Blaue Augen
© iStockphoto/Thinkstock

Rund 20-mal am Tag berühren unsere Finger ein Auge. Wir reiben unser Lid, wischen an den Wimpern oder streichen Fusseln weg. Meistens merken wir das gar nicht. Genau diese beiläufigen Kontakte erweisen sich jetzt als tückisch. Denn die Augengrippe überträgt sich über einen Hand-Augen-Kontakt. In den vergangenen Monaten verbreitete sie sich rasant vor allem in Nordrhein-West falen, Baden-Württemberg und Niedersachen, noch ist kein Ende der Infek tionswelle in Sicht.

Was genau verbirgt sich hinter der sogenannten Augengrippe?
Ausgelöst wird die Entzündung von Bindehaut und Hornhaut der Augen durch Viren, die zur Gruppe der Adenoviren gehören. Dr. Toam Katz, Facharzt für Augenheilkunde in Hamburg: „Adenoviren zeichnen sich durch eine besondere Widerstands fähigkeit und eine lange Lebensdauer aus.“ Problemlos überleben sie wochenlang bei Zimmertemperatur.

Wo lauern die Viren, wie stecke ich mich an?
Wie bei einer Erkältung verbreiten sich die Viren über winzige Tröpfchen. „Schon beim Händeschütteln, über Türklinken, Bus- und Bahngriffe oder Handtücher werden sie übertragen“, warnt Dr. Katz. Und sie sind zahlreich: In der Tränenflüssigkeit eines Infizierten sitzen Milliarden Viren.

Wie schütze ich mich am besten?
Am besten hilft häufiges Händewaschen. Dabei die Seife mindestens 30 Sekunden auf den Händen verteilen, dann gründlich abspülen, mit Wegwerftüchern abtrocknen.

Ein Betroffener berichtet

Ein Betroffener erzählt, wie er die Infektion erlebte

TAG 1: Ich fliege von Deutschland nach Amerika, neben mir sitzt ein Kollege. Wir unterhalten uns den ganzen Flug über sehr angeregt. Er hat rote Augen, ich denke mir nichts dabei.

TAG 5: Von einer Sekunde auf die andere fängt ein Auge an zu brennen, als hätte ich Chili reingerieben. Das Brennen bleibt.

TAG 7: Zurück in Deutschland gehe ich zu einem Augenarzt. Als ich ihn auf meine stark geschwollenen Lymphdrüsen aufmerksam mache, ändert sich sein Verhalten schlagartig: Er geht einen Meter auf Distanz und weist seine Sprechstundenhilfe an, alles zu desinfizieren. „Sie haben eine Keratoconjunctivitis epidemica“, sagt er, eine infektiöse Augenentzündung.

TAG 12–22: Genau eine Woche nach dem ersten fängt mein zweites Auge an zu brennen. Dann geht die Tortur los: Beide Augen schwellen zu, doch die überempfindliche Hornhaut kann den Druck nicht ertragen. Ich versuche mit dem Handballen die geschwollenen Lider irgendwie hochzuhalten. So verbringe ich Stunden, an Schlaf ist nicht zu denken. Schon das rote Stand-by-Licht an meiner Stereoanlage scheint mir gleißend hell und kaum erträglich. Sehen kann ich nichts.

TAG 23–75: Die Augen sind mal mehr, mal weniger empfindlich, die Schmerzen bessern sich leicht durch Salben. Aber Selbstverständliches wie Autofahren ist nicht drin.

TAG 76–90: Die akute Infektion ist vorbei, Kortisontropfen bringen Erleichterung. Meine Hornhaut ist noch getrübt, mein Sehvermögen auf einem Auge stark vermindert. Erst in etwa einem halben Jahr wird alles wieder in Ordnung sein, sagt mein Augenarzt.

Lade weitere Inhalte ...