19. März 2013
Herzinfarkt bei Frauen

Herzinfarkt bei Frauen

Frauen ticken anders als Männer. Okay, ist bekannt. Aber auch ihre Herzen schlagen anders. Die Gendermedizin untersucht diese Unterschiede jetzt genauer. Damit wir Risiken vermeiden können.

Es klopft schneller, reagiert empfindsam auf Beziehungsprobleme und selten so, wie es im Lehrbuch steht: das weibliche Herz. Noch immer gelten Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System als typisch männlich. Denn das Herz der Frau ist geschützt durch weibliche Hormone. Aber nur bis zur Menopause. Danach steigt die Zahl der Herzinfarkte bei Frauen sprunghaft an. Doch auch jüngere Frauen sind zunehmend betroffen.
Der Lebensstil spielt eine wichtige Rolle: Wie viel Gewicht eine Frau mit sich herumträgt, ob sie unter Diabetes leidet, raucht, die Pille nimmt und ob sie mit ihrem Leben zufrieden ist. Denn Gefühle gehen Frauen stärker zu Herzen als Männern. Daher braucht es besondere Aufmerksamkeit und Ärzte, die seine Klopfzeichen lesen können. Was macht es stark und worauf müssen wir speziell achten?

Wunderwerk Herz

Bereits bis zum Alter von 30 Jahren hat das Herz 1,1 Milliarden Mal geschlagen. Pro Minute werden mit dem Herzschlag circa 6 Liter Blut transportiert. Das entspricht 720 Kästen Mineralwasser am Tag.

Hormone

Die weiblichen Hormone sorgen dafür, dass die Blutgefäße gut durchblutet sind. Nach den Wechseljahren, in denen der Östrogenspiegel sinkt, fällt dieser Schutz des Körpers weg. Die Gefäße verkalken leichter, viele Frauen leiden unter Arteriosklerose – ein Risikofaktor für einen Herzinfarkt. Gilt bei Männern ein Schmerz in der linken Brusthälfte als typisches Anzeichen für einen Herzinfarkt, leiden die Frauen unter einer Vielzahl von Symptomen. Sie sind müde, ihnen ist übel, sie haben Schmerzen im Bauch oder an den Schultern.
Bei jüngeren Frauen bleibt ein Herzinfarkt häufig unbemerkt. „Man vermutet, dass die weiblichen Hormone das Schmerzempfinden senken“, sagt Natascha Hess, Expertin für Gendermedizin (untersucht geschlechtsspezifische Unterschiede) in der Kardiologie.

Schon gewusst?

Unsere Blutgefäße schlängeln sich auf 100.000 Kilometern durch den Körper. Dabei braucht das Blut circa eine Minute, bis es wieder beim Herzen ankommt.

Herzinfarkt rechtzeitig erkennen

Zu einem Herzinfarkt kommt es, wenn ein Herzkranzgefäß verstopft. Wird es nicht so schnell wie möglich wieder geöffnet, bleibt das Herz dauerhaft geschwächt. Typisches Vorzeichen: „Wer gut in den dritten Stock zu Fuß laufen konnte, schafft es plötzlich nur noch in den ersten“, sagt die Berliner Ärztin. Bei auffälligen Veränderungen sollten Frauen umgehend reagieren, auch wenn sie selber vielleicht keinen Herzinfarkt vermuten.
Eine sinnvolle Richtschnur ist die NANRegel: Wenn Beschwerden zwischen Nase, Armen und Nabel auftreten und länger als 15 Minuten anhalten, den Notarzt rufen.

Das können Sie tun:
Die schwindenden Östrogene künstlich zu ersetzen ist keine Lösung, wie Studien zeigen. Doch mit einem gesunden Lebensstil lässt sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen, auch im Alter. „Der erste Schritt ist, besser auf sich zu achten. Frauen stellen sich aus falsch verstandenem Pflichtgefühl häufig zurück und zögern Arztbesuche hinaus“, sagt Kardiologin Hess.
Dabei kann der Hausarzt per Belastungs-EKG und Ultraschall herausfinden, ob alles in Ordnung ist. Danach steht einem Bewegungsprogramm nichts im Wege. Am besten ist ein Ausdauersport wie Walken, Joggen, Schwimmen oder Radeln. Drei- bis viermal pro Woche rund 30 Minuten gelten als optimal.



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Herzinfarkte ernst nehmen

So hilft die Naturmedizin:
Weißdornextrakt kann das Herz stärken. Studien belegen, dass das Pflanzenpräparat (z. B. Crataegutt novo von Dr. Willmar Schwabe) in Kombination mit einem aktiveren Lebensstil die Durchblutung des Herzens und damit seine Leistungsfähigkeit verbessert. Die Dosierung am besten mit dem Arzt besprechen.

Gefühle

Wenn einen der Liebste verlässt, bricht das Herz. Das weiß jeder. Auch andere einschneidende Ereignisse, wie der Tod eines nahen Angehörigen, bringen den Lebensmotor zum Stocken. Im Gegensatz zu Männern, die häufig im Job gestresst sind, reagiert bei Frauen das Herz stärker auf Beziehungsprobleme. Vor rund 20 Jahren beschrieben japanische Ärzte zum ersten Mal das „Broken-Heart-Syndrom“.
Die Symptome ähneln denen beim Herzinfarkt. Doch die Ursache ist kein verstopftes Blutgefäß, sondern die linke Herzkammer verformt sich. Die Herzspitze bläht sich zu einem kleinen Ballon. Mit ihrer Form ähnelt sie einer Tintenfischfalle – der „Tako-Tsubo“. Deshalb heißt die Krankheit im Fachjargon nach ihren Entdeckern aus Japan auch „Tako-Tsubo-Kardiomyopathie“.

Herzinfarkt, Frauen
© thinkstockphoto
Herzinfarkt, Frauen

Das kann der Arzt tun:
Warum vor allem Frauen in die „Tintenfischfalle“ geraten, ist nicht eindeutig geklärt. Eine Rolle spielen möglicherweise Stresshormone. Um ihre Wirkung zu hemmen, verabreicht der Arzt in der Regel Betablocker. Ist die akute Phase
überwunden, bildet sich das Herz zumeist innerhalb weniger Wochen wieder in seine normale Form zurück und pumpt kräftig wie zuvor.

Das können Sie tun:
Eines bedingt das andere – die Gefühle spielen verrückt, das Herz rast. Mit Achtsamkeitstraining, Yoga, Tai-Chi oder autogenem Training beruhigt sich der Puls.
Auch ein Hobby lässt den Alltag vergessen. Wer mit anderen lachen kann, nimmt das Leben wieder leichter. Deshalb sollten auch in Stressphasen die Gute-Laune-Stunden im Kino oder mit Freunden nicht zu kurz kommen.

Noch ein Tipp:
Wieder in die Balance gelangen Stresshormone durch Bewegung, kombiniert mit positiven Empfindungen. Dabei helfen Rituale wie jeden Abend 20 Minuten spazieren gehen, das fördert zudem tiefen Schlaf. Oder den Hausputz zur Fitnessübung umfunktionieren: statt einmal im Monat gestresst Großreinemachen dreimal die Woche eine knappe Stunde Boden wischen, saugen oder Staub wischen.
Die Lieblingsmusik aufdrehen und in Schwung kommen. Danach stolz die saubere Wohnung betrachten.

Hören Sie auf Ihr Herz

Lebensstil

Das Herz ist der Motor der Körpers, die Ernährung sein Brennstoff. Was das für das Herz heißt, belegt eine große Studie aus den 1960er-Jahren. Sie ging von der Frage aus, warum Griechen seltener an einem Herzinfarkt sterben als Deutsche. Seitdem empfehlen Ernährungsexperten bis heute die Mittelmeerküche.

Das können Sie tun:
Die gesunden Zutaten der griechischen Küche nutzen. Also viel frisches Gemüse, Fisch und Olivenöl (mit wertvollen Fettsäuren) verwenden. Sie sorgen dafür, dass die Fettwerte im Blut ausgewogen bleiben. Ein ausreichend hoher Gehalt an „gutem“ HDL-Cholesterin im Blut mindert die Gefahr eines Herzinfarkts. Süßes in Maßen genießen. Denn es enthält neben zu viel Zucker ungesunde Fettsäuren. Minderwertige Fette verstecken sich auch in vielen Fertigprodukten. Daher die Mahlzeiten lieber frisch zubereiten und auf allzu viel Salz verzichten, weil es Bluthochdruck fördert.

Ein gesundes Leben für ein gesundes Herz

Wenn es ums Herz geht, spielt nicht nur das Gewicht eine Rolle, sondern auch, wo der Speck sitzt. Frauen des „Birnentyps“ mit Rundungen an Hüfte und Oberschenkeln sind weniger gefährdet als „Apfeltypen“. Denn die Fettzellen, die am Bauch sitzen, produzieren Entzündungsstoffe. Diese begünstigen Bluthochdruck und Arteriosklerose. „Für ein gesundes Herz ist bei jüngeren Frauen ein Bauchumfang unter 80 Zentimetern optimal, bei Frauen ab 50 unter 88 Zentimetern“, sagt Natascha Hess. Mit Bauchübungen bleibt die Körpermitte schön flach. Auch auf Zigaretten reagiert das weibliche Herz stärker als das männliche. „Eine rauchende Frau hat ein 25 Prozent höheres Risiko, eine Herz- Kreislauf-Krankheit zu erleiden, als ein Mann, der raucht“, weiß Natascha Hess. Den Lebensstil zu ändern bedeutet für die meisten harte Arbeit. „Doch wer etwas für sein Herz tut, bleibt nicht nur länger gesund, sondern auch vital und schön.“

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