16. März 2021
Selbstbefriedigung hilft bei Periodenschmerzen

Studie: Selbstbefriedigung hilft bei Periodenschmerzen

Viele Frauen leiden während Ihrer Periode oft unter unangenehmen Unterleibsschmerzen. Eine Studie hat nun herausgefunden, dass regelmäßiges Masturbieren die Menstruationsbeschwerden reduzieren kann. Wie sich die Selbstbefriedigung genau auf die Schmerzen ausübt, erfahren Sie hier.

Stimmungsschwankungen, Blähbauch oder unangenehme Krämpfe – vielen Frauen graut es monatlich vor der Periode und den dazugehörigen Beschwerden. Vor allem die krampfartigen Bauchschmerzen im Unterleib sind besonders schlimm. Aber warum? Während der Menstruation zieht sich die Gebärmutter krampfartig zusammen und stößt Schleimhaut ab, die sich im vergangenen Monat als Vorbereitung für eine mögliche Schwangerschaft gebildet hat. Diese Kontraktionen der Gebärmutter werden durch das Hormon Prostaglandin gesteuert, das ein Schmerzbote ist. Je höher der Prostaglandinspiegel ist, desto schmerzhafter können die Unterleibskrämpfe während der Periode sein. Warum manche Frauen kaum bis gar keine und wiederum andere sehr starke Schmerzen haben, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Hausmittel wie Wärme oder Bewegung versprechen zwar Linderung gegen die Krämpfe, aber meistens müssen viele leidgeplagte Frauen doch zur Schmerztablette greifen. 

Studie: Frauen sollen sich regelmäßig selbstbefriedigen

Die Sextoy-Marke Womanizer und der Tampon-Hersteller The Female Company wollten prüfen, ob und inwieweit Masturbation Periodenschmerzen lindern kann. Aus diesem Grund haben die beiden Unternehmen ihre sogenannte Menstrubationsstudie“ durchgeführt. In einem dreimonatigen Zeitraum wurden daher die rund 480 teilnehmenden Frauen dazu aufgefordert, sich regelmäßig selbst zu befriedigen. Während der Testphase haben die Menstruierenden auf die Einnahme von Schmerzmitteln gegen ihre Periodenschmerzen verzichtet und stattdessen masturbiert. Dafür erhielten sie Produkte, die sie während der Studie nutzen konnten, aber nicht mussten. Jeden Monat haben die Teilnehmerinnen das Level ihrer Periodenschmerzen festgehalten. Nach den drei Monaten kehrten sie zu ihren üblichen Mitteln zur Schmerzkontrolle und -linderung zurück. Eine abschließende Befragung nach einem weiteren Monat sollte feststellen, ob sich Masturbation langfristig positiv auf Periodenschmerzen auswirkt. 

Studienergebnis: Masturbation lindert Periodenschmerzen

Die Studie – wissenschaftlich geprüft von Studienleiter, Psychologe und Sex Therapeut Dr. Jones – kam zu folgenden Ergebnissen: 

  • Rund 90 Prozent der Frauen sagten, dass sie die Selbstbefriedigung zur Schmerzlinderung von Menstruationsbeschwerden weiterempfehlen würden. 
  • 70 Prozent der Teilnehmerinnen sagten, dass regelmäßiges Masturbieren die Intensität des Periodenschmerzes beeinflusst. Von den 70 Prozent gaben 93 Prozent an, dass Masturbation die Intensität ihrer Schmerzen mindestens etwas reduziert hat. 7 Prozent machten keine Angabe.
  • 85 Prozent sagten, dass sie auch nach der Studie weiterhin die Masturbationsroutine aufrechterhalten möchten.
  • Wann und wie oft die Teilnehmerinnen im Zyklus masturbiert haben, war unterschiedlich: Knapp die Hälfte der Teilnehmer hat sich über den Monat verteilt befriedigt. 28 Prozent haben vor der Periode, während sie PMS-Beschwerden hatten, masturbiert
    Etwa 33 Prozent der Befragten hat sich im Monat vier bis siebenmal selbst befriedigt. 23 Prozent haben sich sieben bis zehnmal im Monat befriedigt. 
  • Neben den Periodenkrämpfen übte sich das regelmäßige Selbstbefriedigen auch auf andere Menstruationsbeschwerden auf und linderte Durchfall, Schmerzen in den Brüsten und im Rücken sowie einen Blähbauch. 

Dr. Christopher Ryan Jones äußerte sich zu den Studienergebnissen und sagte: 

Ich habe Masturbation schon immer als Teil einer gesunden Self-Care Routine empfohlen. In einer Welt, in der Masturbation immer noch mit sehr viel Scham behaftet ist, ist es umso wichtiger, die Vorteile zu betonen. Mit dieser Studie konnten wir empirisch nachweisen, dass Masturbation eine effektive Methode zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden ist.

Die Ergebnisse sind ein wichtiger Baustein für Ärzt:innen, die ihre Patient:innen über Masturbation aufklären möchten oder für einzelne Personen, die auf der Suche nach einer nicht-medikamentösen Lösung für ihre Periodenschmerzen sind.

Wie beeinflusst Selbstbefriedigung die Menstruationsbeschwerden?

Bei der Selbstbefriedigung und vor allem während und nach dem Orgasmus werden Hormone wie Endorphine, Oxytocin und Dopamin ausgeschüttet, die sich positiv auf den Körper auswirken. Endorphine, auch bekannt als Glückshormone, beeinflussen die Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerz und wirken Prostaglandinen (den Schmerzboten) entgegen. Oxytocin reduziert das Stresshormon Cortisol, was den Körper entspannt und ebenfalls Schmerzen lindert. Des Weiteren löst Dopamin Gefühle von Euphorie sowie Glück aus und sorgt damit für eine innere Ausgeglichenheit. Aufgrund der Ausschüttung dieser Hormone rücken körperliche Schmerzprozesse in den Hintergrund. Gleichzeitig wird bei der Selbstbefriedigung und insbesondere beim Orgasmus der Stoffwechsel und die Durchblutung angeregt, was für Entspannung und ein besseres Wohlbefinden sorgt. 

Auch Dr. Andrea Burri, Psychosexologin und Gründerin des Institute for Sex Counselling and Sexual Sciences (ISCSS) nahm Stellung und schlussfolgerte:

Nach der Testphase haben weniger Teilnehmer:innen als am Anfang bestimmte Symptome in jeder Zyklusphase erlebt. Das deutet daraufhin, dass Masturbation auch längerfristig Schmerzen reduzieren und einen anhaltenden, positiven Effekt auf die Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden haben kann.

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