Gesundheit Wellness mit Würze

Lecker schmeckende Medizin - gibt's die? Ja, ganz einfach im Gewürzregal. Die Aromen, die dem Gaumen und der Nase schmeicheln, bergen auch jede Menge Gutes für die Gesundheit. Im Essen, als Tee, Tablette oder Tinktur - von Anis bis Zimt steht uns eine bunte Palette zur Verfügung. Nutze deren Heilkraft, und bring auch insgesamt mehr Würze in dein Leben.

Aromatische Gewürze

Die Geschichte der Gewürze

Als Christoph Kolumbus mit seiner Segel­flotte im 15. Jahrhundert in See stach, woll­te er auch die sagenumwobenen Gewürz­inseln (die zu Indonesien gehörenden Molukken) finden. Stattdessen entdeckte er den amerikanischen Kontinent – in seinen Augen ein kolossaler Misserfolg. Denn der Gewürzhandel mit Asien war seinerzeit das mit Abstand lukrativste Geschäft. Es ist auch eines der ältesten. Bereits in der Antike galten Gewürze als Statussymbole. Manche wurden sogar mit Gold aufgewogen. Wer bei den alten Rö­mern, Griechen und Ägyptern etwas her­ machen wollte, verwendete Gewürze daher reichlich.

Geschmack und Gesundheit

Außerdem machten sie bereits verdorbene Speisen wieder genießbar: Zum einem überdeckte das intensive Aro­ma einen schlechten Geschmack, zum anderen kam hierbei ihre Heilwirkung zum Tragen. Denn Gewürze enthalten große Mengen einzigartiger Phytonähr­stoffe, die antioxidativ und entzündungs­hemmend wirken sowie den Körper gegen Mikroben – Bakterien, Viren und Pilze – verteidigen können. Was früher nur auf Beobachtungen beruhte, belegen heute zahlreiche wissenschaftliche Studien. Der Biochemiker und Krebsforscher Dr. Bharat B. Aggarwal spricht daher von „Juwelen des Pflanzenreichs“. In seinem Buch „Hei­lende Gewürze“ (Narayana Verlag, 512 Sei­ten, 29 Euro) finden sich viele Infos, Tipps und Rezepte zu 50 Gewürzen.

Mehr Gewürze für ein gesundes Leben

Noch trauen wir uns oft nur in der Vorweihnachtszeit, auch mal für den westlichen Gaumen unge­wohnte Gewürze zu verwenden. Was wä­ren Lebkuchen ohne Ingwer, Kardamom und Piment, was wäre Glühwein ohne Gewürznelken? Dr. Aggarwal rät, einfach das ganze Jahr über großzügig Gewürze zu sich zu nehmen, um von ihrer positiven Wirkung auf die Gesundheit zu profitieren. Nur Mut, dein Geschmackssinn ist lernfähig. Du kennst dich mit den exotischen Aromen noch nicht aus? Dann gibt dir der „Gewürz­-Adventkalender“ von Sonnen­tor mit seinen 24 verschiedenen Bio­ Gewürzen und ­Mischungen im Portions­beutel Starthilfe. Einfach mal ausprobie­ren (www.sonnentor.com, ca. 13 Euro). Oder du brühst dir einen Gewürztee auf (z. B. „Winter­Wichtel“ von Salus, u. a. aus Zimt­rinde, Süßholz, Ingwer, Kardamom und Gewürznelken, ca. 3 Euro, im Bioladen). Die Liebe der Gewürze geht aber nicht nur durch den Magen. Auch über die Nase entfaltet sich die Heilkraft ihrer ätheri­schen Öle. Im Handel findest du Duftkerzen in Hülle und Fülle. Oder tau­ch in ein herrlich nach Zimt und Pflau­me duftendes Wannenbad ein („Tiroler Hüttenzauber“ von tetesept, ca. 6 Euro, in Drogerien). Wenn du von der Welt der Gewürze nicht genug bekommen kannst, besuche das Gewürzmuseum Schön­brunn (www.schleusegrund.de) in Thürin­gen oder das Spicy’s in Hamburg (www. spicys.de). Im Alltag hat etwas Würze schließlich noch nie geschadet.

Naturmedizin voller Aroma

Ingwer hat viele Talente. Das im Wurzelstock enthaltene Gingerol wirkt antioxidativ und antientzündlich. Vor allem lindert Ingwer das flaue Gefühl im Magen - bei Reiseübelkeit, nach Operationen oder Chemotherapie oder in der Schwangerschaft.

Vorsicht: Leidest du an Hitzewallungen oder Migräne, verstärkt Ingwer evtl. deine Beschwerden.

Tipp: Tropfen für unterwegs von "IngwerPure" (20 ml ca. 6 Euro, Apotheke). "Ingwer Tee" von Bad Heilbrunner (8 Beutel ca. 1,50 Euro, Drogeriemarkt).

Kardamom kann mit 25 ätherischen Ölen aufwarten. Das wirkungsvollste ist Cineol, ein Antioxidans. Bei Verstopfung, Durchfall, Koliken oder Mundgeruch kommt seit langem Grüner Kardamom zum Einsatz. Heute liegen die wissenschaftliche Belege für die stark entzündungshemmende, krampflösende Wirkung vor.

Vorsicht: Bei Gallensteinen die Einnahme vorher mit dem Arzt absprechen.

Tipp: 2 TL angestoßene Kardamomkapseln mit siedendem Wasser begießen, zehn Minuten bedeckt ziehen lassen, abseihen. Noch warm zu den Mahlzeiten trinken.

Kurkuma hemmt durch seinen Wirkstoff Kurkumin die Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe. Das lindert die Schmerzen und Schwellungen bei gelenkentzündungen (Arthritis).

Vorsicht: Kurkuma kann die Blutgerinnung verzögern. Mindestens zwei Wochen vor einer geplanten OP die Einnahme stoppen.

Tipp: Zahlreiche weitere Infos finden Sie in "Kurkuma. Entzündungshemmer, Zellschutz, Schlankmacher" von Bettina-Nicola Lindner (9,95 Euro, 88 Seiten, VAK Verlag).

Myrrhe hatten die heiligen Drei Könige im Gepäck - als Symbol für Wohlstand und Glück. Das aus der Baumrinde gewonnene Harz lindert Entzündungen im Mund- und Rachenraum (Kapseln, Öl oder Tinktur, in Apotheken).

Vorsicht: Schwangere und Stillende sollten auf Myrrhe-Produkte verzichten.

Tipp: Myrrhetinktur kannst du selbst herstellen: 10 g Myrrhe auf 100 g Ethanol (90-prozentig) in einem verschlossenen Gefäß ziehen lassen, gelegentlich schütteln. Nach drei Wochen abseihen, fertig.

Safran wirkt ähnlich stark wie synthetische Antidepressiva, besagen neue Studien. Forscher führen das auf die Pflanzenstoffe Crocin und Safranal zurück. Die stabilisieren die Menge von Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Gehirn.

Vorsicht: In hohen Dosen wirkt Safran giftig. Teuer wäre es obendrein, weil die Stempelfäden des blauen Safrankrokus nur während der kurzen Blüte per Hand gepflückt werden.

Tipp: 1-1,5 g pro Tag, ca. 20 Tropfen Tinktur in einem Glas Wasser, kannst du bedenkenlos einnehmen.

Sternanis kommt in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) zum Einsatz, um Schleim in den Atemwegen zu verflüssigen. Auf der enthaltenen Shikimisäure basieren die gängigen Grippemittel (Tamiflu).

Vorsicht: Echter Sternanis duftet nach Lakritze und hat acht Samenkapseln. Der giftige japanische Sternanis dagegen zehn oder mehr.

Tipp: 1 TL frisch zerstoßenen Sternanis mit 1 Tasse siedendem Wasser aufgießen, 10-15 Minuten ziehen lassen. Nach Geschmack süßen.

Zimt eignet sich, um den Blutzuckerspiegel bei Typ-2-Diabetes unter Kontrolle zu bekommen. Zahlreiche Studien belegen den positiven Effekt. Bei bislang nicht erkrankten Menschen kann der regelmäßige Verzehr erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten vorbeugen.

Vorsicht: In Zimtschnecken steckt zwar das wertvolle Gewürz, aber auch reichlich Fett und Zucker. Setz ihn lieber "solo" ein.

Tipp: Zimtöl wärmt auch von außen. Z.B. in "Tiger Balm", der chinesischen Schmerzsalbe (von Klosterfrau, in Apotheken und Drogerien).

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