Rätsel-Ich Den Intellekt tunen?

Es ist immer da, unser Ich. Aber was ist das? Verhindern gesunde Ernährung und Sport, dass es durch Demenz zerbricht? Hält Jonglieren geistig fit? All diese Fragen können Hirnforscher heute beantworten. 2010 beginnt deshalb das „Jahrzehnt des Geistes“.

fotolia_4824186_subscription_l.jpg

Das Gehirn lässt sich nicht aufmotzen wie ein Sportwagen

Es klingt verlockend: Einfach eine Pille schlucken, und Lernen wird zum Kinderspiel. Den Intellekt tunen wie einen Motor. Nach einer anonymen Umfrage schätzt die DAK, dass es zwei Millionen Deutsche schon mindestens einmal mit „IQ-Doping“ versucht haben, etwa 800 000 tun es regelmäßig. „Das finde ich äußerst fragwürdig“, sagt Prof. Spitzer. „Es ist zwar seit Langem Usus, sein Gehirn z. B. morgens mit Kaffee auf Trab zu bringen. Aber grundsätzlich funktioniert unser Gehirn optimal. Es braucht keine Aufputschpillen. So ein Eingriff in die Hirnchemie kann schnell schiefgehen und regelrecht zum Absturz führen.“

Jeder kann Gedanken lesen

Kate Winslet breitet am Bug der „Titanic“ die Arme aus, und auch die Zuschauer im Kino meinen, den Fahrtwind zu spüren. Wie geht das? Es liegt an sogenannten Spiegelneuronen, denen es egal ist, ob wir etwas tun oder andere dabei beobachten. So entsteht Mitgefühl. „Ähnlich ist es mit einem Hirnareal, das die Stärke von Schmerzen verarbeitet“, sagt Prof. Spitzer. „Sehen wir jemanden, der Schmerzen hat, tut es uns ebenfalls weh. Das Gute daran: Patienten können lernen, dieses Hirnareal bewusst zu beeinflussen – und Schmerzen so herunterregeln.“

65 cm – und nicht näher!

Klar: Wen wir lieben, den wollen wir so oft wie möglich ganz nah bei uns haben. Aber wie ist das mit fremden Personen, z. B. in der U-Bahn? Bei denen sorgt eine kleine Struktur im vorderen Bereich des Gehirns, der sogenannte Mandelkern, dafür, dass wir ohne bewusstes Nachdenken die richtige Distanz wahren. 65 Zentimeter ist der Abstand, den wir bei Unbekannten als angenehm empfinden, belegt eine US-Studie des California Institute of Technology.

Autor: Stephan Hillig