Fleischdiät: Wie gesund ist Carnivore Ernährung?

Fleischdiät: Wie gesund ist Carnivore Ernährung?

Statt „nie wieder Fleisch“ ab jetzt „nur noch Fleisch“: Könnten Sie sich so eine Diät vorstellen? Viele Deutsche essen immer weniger Fleisch. Oder Sie entscheiden sich ganz für einen vegetarischen oder veganen Lebensstil. Das Gegenstück dazu heißt „Fleischdiät“, auch als Carnivore Ernährung bekannt. Kann das gesund sein – und sogar beim Abnehmen helfen? Wir verraten mehr über die Diät!  

 

Was ist eine Fleischdiät?

Bei einer Carnivoren Diät, auch Carnivore Diet, Carnivory-Diät oder schlicht „Fleischdiät“, kommen ausschließlich tierische Produkte auf den Tisch – und in den Magen. Das Wort „carnivore“ stammt aus dem Lateinischen und lässt sich mit „Fleischfresser“ übersetzen. Sprich: Hauptsächlich stehen bei dieser Ernährungsweise Fleisch, Wasser und Salz auf dem Speiseplan. Neben Fleisch mit viel Eiweiß erlaubt die Diät darüber hinaus auch die Lebensmittel Fisch und Eier. Einige Puristen jedoch verzichten völlig auf Milchprodukte und ernähren sich – angelehnt an die Ernährungsweise in der Steinzeit – ausschließlich vom Fleisch und den Innereien der Tiere. Die Anhänger der Ernährungsform setzen vor allem auf die Aufnahme von Proteinen, Zink, Eisen, Kalzium und Vitamin D. Lebensmittel mit Kohlenhydraten, Ballaststoffen sowie Gemüse sind im Rahmen der Diät nicht vorgesehen.

Die Ernährungsweise für Fleischfresser ist auf den amerikanischen Elitesportler, Arzt und Buchautor Dr. Shawn Baker zurückzuführen. Im Jahr 2019 veröffentlichte Baker sein Buch „The Carnivore Diet“, das als Plädoyer und Regelwerk für die Ernährungsform angesehen wird. Ganze 900 Gramm Fleisch täglich sollen nach Baker im Rahmen der Carnivory-Diät verspeist werden. Auf natürlichem Wege kommt kaum ein Mensch auf diese Menge an Fleisch. Generell geht der Fleischkonsum in Deutschland tendenziell nach unten, wie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) berichtet: Im Jahr 2021 aßen die Deutschen rund 55 Kilogramm Fleisch pro Kopf. Umgerechnet sind das etwa 150 Gramm am Tag. Ergo: Menschen, die eine Fleischdiät durchziehen möchten, müssen ihren Fleischkonsum versechsfachen – und dabei auf Obst und Gemüse verzichten. Die Diät setzt sich zum größten Teil aus rotem Fleisch zusammen, beispielsweise Rindersteak oder Lammkoteletts. 

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Erlaubte Lebensmittel der Ernährungsweise im Überblick

Je nachdem, wie streng die Fleischdiät ausgelegt wird, sind unter anderem folgende Lebensmittel erlaubt:

  • Hähnchen
  • Schwein
  • Rind
  • Fisch
  • Ente
  • Lamm
  • Bison
  • Reh
  • Innereien wie Leber, Herz, Niere, Magen, Hirn
  • Eier
  • Butter
  • Rohmilchprodukte
  • Gewürze wie Salz und Pfeffer
  • u.v.m.

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Was passiert, wenn man nur noch Fleisch isst?

Vorab: Die Carnivore Ernährung spaltet die Gemüter. Die Meinungen, ob eine reine Fleischdiät gesund, ungesund oder gar gefährlich ist, gehen auseinander. Wissenschaftliche Studien, die sich mit der Carnivore Diet beschäftigen, stehen noch aus.

Vorteile der Fleischdiät

Verfechter der Fleischdiät und fundamentale Fleischfresser schwören auf die positiven Effekte, die eine Fleischdiät mit sich bringen soll. Fakt ist: Fleisch versorgt den Körper mit vielen wichtigen Nährstoffen. Neben Proteinen und Eisen liefert beispielsweise eine Rinderleber auch 23,6 mg Vitamin C. Ergo: Wer sein Vorhaben, nur noch Fleisch zu essen, gut plant, kann viele wichtige Nährstoffe nur übers Fleisch zu sich nehmen. Laut der Fleichfresser kann die Carnivore Diät außerdem das Risiko für ernährungsbedingte Erkrankungen senken, etwa Bluthochdruck oder Diabetes, Nahrungsmittelunverträglichkeiten vorbeugen (beispielsweise Gluten, Fructose oder Laktose) und präventiv bei Allergien wirken. Weiterhin soll in Folge des erhöhten Fleischkonsums Testosteronspiegel und Muskelaufbau gestärkt sowie Schwankungen im Blutzucker vermieden werden. Und: Auch Stimmung und Konzentration sollen sich verbessern, versprechen die Anhänger der Carnivore Ernährung.

Nachteile der Carnivore Diät

Jede einseitige Ernährung führt früher oder später zu einem Nährstoffmangel im Körper. Genauso wie für Kohlsuppen-, Ananas- und Wassermelonen-Diät gilt dieser Grundsatz auch für eine Fleischdiät. Es kann zu einem Nährstoff- und Vitaminmangel kommen, warnen Ernährungswissenschaftler. Zusätzlich kritisieren Experten die fehlenden Studien bezüglich möglicher Langzeitwirkungen der Ernährungsweise. Gerade, wer mögliche „Schwachstellen“ im Körper hat, sollte genau hingucken und abwägen: Leiden Sie zum Beispiel an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, sollten Sie auf eine Fleischdiät verzichten. Die Ernährungsform kann Ihre Beschwerden verschlimmern. Ganz abgesehen davon ist die Carnivore Ernährung nicht besonders umweltfreundlich, unter anderem aufgrund erhöhter Treibhausgaswerte. Und: Auch der ethische Aspekt einer Fleischdiät ist sehr fraglich.

Im Video: Fleisch-Diät: Kann das wirklich gesund sein?

Kann man nur mit Fleisch abnehmen?

Eine Diät ohne Lebensmittel mit Kohlenhydraten und Gemüse, dafür aber mit reichlich Eiweiß, Fett und vielen Steaks: Hilft solch ein Speiseplan den Menschen beim Abnehmen? Es mangelt an belastbaren Studien, die sich explizit mit Carnivore Diät und ihren Auswirkungen auf unsere Gesundheit beschäftigen. Jedoch gibt es einige Erfahrungsberichte von Menschen, die erfolgreich mit der Fleischdiät abgenommen haben. Der Zusammenhang klingt erstmal plausibel. Schließlich verzichtet man bei der Carnivore Ernährung auf Kohlenhydrate jeglicher Art, etwa Kartoffeln, Nudeln und Reis. Stattdessen kommt eine proteinreiche Extraportion Fleisch auf den Teller. Eine Studie aus dem Jahr 2013 kommt zudem zu dem Ergebnis, dass kohlenhydratarme, fettreiche Diäten – wie etwa Carnivore – zu einer Reduktion von Körperfett beitragen können. 

Fazit: Wie gesund ist Carnivore Ernährung?

Grundsätzlich gilt: Wer gesund abnehmen, essen und leben möchte, sollte sich an der Ernährungspyramide orientieren: Eine vollwertige Diät muss weder auf Kohlenhydrate, Fett und Ballaststoffe noch auf Vitamine aus Obst und Gemüse verzichten. Neben dem richtigen Essen sollten Sie viel Bewegung in Ihren Alltag integrieren. Eine Fleischdiät erspart Ihnen zwar das Kalorienzählen, jedoch kann es nach einiger Zeit zu einem Nährstoffmangel im Körper kommen. Zudem ist die Carnivore Diet noch nicht wissenschaftlich erforscht. Wie gesund oder ungesund der Ernährungstrend also wirklich ist, kann bis dato noch keiner mit Sicherheit sagen.

Sie ziehen die Fleischdiät trotzdem in Betracht? Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder einem spezialisierten Ernährungsberater. Er oder sie kann Sie individuell beraten  – und anhand regelmäßige Untersuchungen überprüfen, wie gesund die Carnivore Ernährung für Sie ist. 

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Gibt es noch weitere Formen der Fleischdiät? 

Ja, die sogenannte Atkins-Diät ist eine weitere populäre Ernährungsform aus der Reihe der Low-Carb-Diäten. Namensgeber und Erfinder der Atkins-Diät ist der amerikanische Kardiologe und Ernährungswissenschaftler Robert Coleman Atkins. Auch diese Ernährungsform gilt als Fleischdiät, verzichtet konsequent auf Kohlenhydrate – und soll beim Abnehmen helfen. Denn: Der Stoffwechsel stellt sich um. Der Körper beginnt, seine Energie aus der Fettverbrennung zu ziehen – und nicht mehr aus Kohlenhydraten. Das zumindest verspricht die Theorie hinter der Atkins-Diät. 

Neben der Diät nach Atkins gibt es noch einen weiteren Ernährungstrend, der auf viel Fleisch, Fett, Eiweiß und Gemüse statt Kohlenhydrate setzt: Die Paleo-Diät, auch Steinzeit-Diät genannt. Ganz so streng wie die Atkins-Diät ist eine Ernährung nach den Paleo-Regeln jedoch nicht: Neben Fleisch dürfen die Anhänger zum Beispiel auch Obst, Gemüse, Nüsse und Pilze essen. Das Wichtigste jedoch: Alle Nahrungsmittel sollen frisch und unverarbeitet sein. Ganz wie in der Steinzeit eben. 

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