5. Januar 2022
Winterblues: Menschen mit diesen Merkmalen sind besonders betroffen

Winterblues: Menschen mit diesen Merkmalen sind besonders betroffen

Viele Menschen leiden im Winter unter seelischer Abgeschlagenheit und Stimmungsschwankungen. Die Winterdepression als saisonal auftretende psychische Störung ist medizinisch längst belegt. Eine Studie zeigt jetzt, dass unsere Augenfarbe Einfluss darauf haben könnte, wie anfällig wir für die Winterdepression sind.

Forschende gehen davon aus, dass frühe Dunkelheit und verkürzte Tage im Winter unseren Tag-Nacht-Rhythmus aus dem Gleichgewicht bringen. Bekommen wir zu wenig Sonnenlicht ab, produziert unser Gehirn weniger des Glückshormons Serotonin und des Schlafhormons Melatonin. Unsere Körper kämpfen im Winter also ständig gegen Müdigkeit und Glücksstoffmangel an, wir befinden uns im Dauerstress, werden psychisch unausgeglichen und entwickeln mitunter saisonale Depressionen wie den Winterblues oder die Winterdepression.

Welche Rolle spielt die Augenfarbe bei der Winterdepression?

Der Psychologe Prof. Lance Workman von der University of South Wales untersuchte für eine Studie über saisonal-affektive Störungen mit 175 Teilnehmern den Zusammenhang zwischen Winterdepressionen und der Augenfarbe der Betroffenen. Die Studienteilnehmer waren Studenten aus Wales und Zypern. Erstaunlicherweise konnte er belegen, dass Menschen mit braunen und sehr dunklen Augen bedeutend häufiger von Winterblues und saisonalen Depressionen betroffen sind. Menschen mit blauen Augen oder generell hellerer Augenfarbe, leiden entsprechend weniger oft unter Winterdepressionen.

Was sich zunächst unglaublich anhört, lässt sich wissenschaftlich einwandfrei begründen. Die Zellen der Netzhaut unserer Augen senden nicht nur optische Signale ans Gehirn, um Bilder zu produzieren. Einige Netzhautzellen sind einzig dafür verantwortlich, Informationen über die wahrgenommene Helligkeit vom Auge an das Gehirn zu übermitteln. Wird es dunkel, senden diese Zellen die Information „Achtung, die Helligkeit nimmt ab“ an den Hypothalamus, in dem dann unter anderem das Schlafhormon Melatonin produziert wird. Genau wie helle Haut empfindlicher auf Sonnenstrahlen reagiert, sind helle Augen bedeutend sensibler für Lichteinstrahlung. Wenig pigmentierte Augen sind also lichtsensibler als stärker pigmentierte dunkle Augen.

Prof. Workman belegt in seiner Studie, dass helle Augen, da sie lichtempfindlicher sind, auch an typischerweise schummrigen und trüben Wintertagen mehr Licht absorbieren als dunkle Augen. Die Melatoninproduktion im Winter ist bei Menschen mit hellen Augen also geringer als bei dunkeläugigen Personen. Die Störung des Tag-Nacht-Rhythmus, die Verursacher der Winterdepression zu sein scheint, ist bei Menschen mit blauen und hellen Augen daher nicht so schwerwiegend. Sie erleben entsprechend seltener Winterblues oder saisonale Depressionen.

Ursachen und Symptome der Winterdepression

Die Winterdepression ist eine Form der saisonal-affektiven Störung. Im Englischen wird dies als Seasonal Affective Disorder bezeichnet und mit dem Akronym „SAD“ (engl.: „traurig“) abgekürzt. Für Betroffene ist der Name leider auch Programm: Traurigkeit, trübe Stimmung, Energie- und Antriebslosigkeit oder Gereiztheit sind typisch für die Winterdepression. Im Vergleich zu anderen depressiven Störungen werden bei der Winterdepression auch Symptome beobachtet, die eigentlich nicht zum Krankheitsbild der Depression passen. Dies sind vor allem Gewichtszunahme durch Heißhungerattacken und einen angeregten Appetit oder auch die Verlängerung der Gesamtschlafdauer.

Nicht jeder Mensch, der sich im Winter aber körperlich und seelisch erschöpft, ausgebrannt oder unglücklich fühlt, leidet jedoch an einer depressiven Störung wie der Winterdepression. Wer nur einige der Symptome bei sich entdeckt oder diese nur gelegentlich und in schwacher Form feststellt, erlebt wahrscheinlich einen Winterblues. Dies ist eine Unterkategorie der Winterdepression und verläuft weniger schwer. Für Betroffene sind die leichten Stimmungsschwankungen und Unausgeglichenheiten dennoch belastend.

Was können Sie gegen die saisonale Depression tun?

Die Winterdepression hängt eng mit der Menge an Tageslicht zusammen, die Sie während der kalten und dunkleren Jahreszeit abbekommen. Versuchen Sie also, Ihren Tageslichtkonsum zu erhöhen.

  • Halten Sie sich im Freien auf. Spazieren Sie an der frischen Luft und nutzen Sie die wenigen Lichtstrahlen, die die Wintersonne Ihnen schenkt.
  • Ihr Schlaf-Wach-Rhythmus ist im Winter ohnehin schon gestört. Vermeiden Sie das schlafstörende Blaulicht Ihres Smartphones besonders abends vor dem Einschlafen.
  • Nutzen Sie Lichttherapie mit Tageslichtlampen, um Ihren Melatoninlevel während des Tages zu verringern.
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