Psychische Gesundheit Depression erkennen: 9 körperliche Symptome

Nur eine Verstimmung, eine schwere Phase im Leben oder doch eine Depression? Die Grenzen dazwischen verschwimmen, sodass eine Depression oft nicht erkannt wird. Für Betroffene ist frühzeitige Hilfe jedoch wichtig! Erkennen Sie diese 9 körperlichen Symptome bei sich wieder, sind dies möglicherweise Anzeichen auf eine Depression.

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Depression erkennen: 9 körperliche Anzeichen

Die psychische Krankheit wird häufig unterschätzt und als schlechte Laune, Faulheit oder Unbelastbarkeit abgetan. Das ist fatal! Eine Depression ist unbedingt ernst zu nehmen und mit professioneller Hilfe behandelbar. Wenn man sie denn erkennt – diese 9 körperliche Symptome sind Anzeichen für eine Depression:

Erschöpfung

Nach einem langen Tag ist jeder mal erschöpft und ausgelaugt. Fühlen Sie sich jedoch tagtäglich schlapp, fehlt Ihnen die Energie und die Konzentration um simple Dinge zu erledigen? Bei einer Depression kommt häufig das Gefühl auf, extrem müde zu sein. Betroffene brauchen lange für scheinbar einfache Aufgaben und fühlen sich danach erschöpft.
 
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Schmerzen

Obwohl die Depression eine psychische Erkrankung ist, kann sie offensichtlich körperliche Folgen haben. Diese psychosomatischen Symptome können zum Beispiel Glieder- und Kopfschmerzen sein. Häufig werden sie als Grippe oder Infekt fehlinterpretiert. Suchen Sie diese Art von Schmerzen häufiger heim, erwägen Sie mit Ihrem Arzt über eine mögliche Depression zu sprechen.

Verdauung

Dinge schlagen uns sprichwörtlich auf den Magen. Wer psychische Probleme mit sich herumträgt, leidet oft unter Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Blähungen, Durchfall oder Verstopfungen. Das liegt daran, dass der Darm sehr eng mit dem Gehirn verbunden ist. Psychische Belastung macht sich deshalb oft über den Verdauungstrakt bemerkbar. Auch für eine Depression können dies Anzeichen sein.

Langsame Motorik

Vermeintlich selbstverständliche, einfache Dinge wie das Gehen oder das Erinnern an Dinge fällt Menschen mit Depressionen schwer. Aufgaben werden, ob psychisch oder physisch, langsamer und unter großer Anstrengung bearbeitet.

Schlafprobleme

Ihnen fällt es schwer, nachts abzuschalten und einzuschlafen? Betroffene schlafen häufig nicht durch, haben einen unruhigen Schlaf oder bleiben komplett wach. Fällt Ihnen das regelmäßig auf, könnte dies ein Anzeichen für eine Depression sein.

Sinkende Libido

Die sexuelle Lust sinkt während einer Depression häufig auf ein Minimum. Das kann auch infolge des reduzierten Selbstwertgefühls geschehen: Menschen mit Depressionen neigen dazu, sich selbst als besonders unattraktiv wahrzunehmen und bzw. oder haben keine ausreichende Motivation, ihre Beziehung aufrechtzuerhalten. Lassen Sie sich hier therapeutisch helfen.

Appetitschwankungen

Natürlich können Appetitschwankungen harmlos aufgrund des wechselnden Hormonzyklus oder der Tagesaktivität auftreten. Fällt Ihnen allerdings auf, dass Sie regelmäßig starken Schwankungen unterliegen – den einen Tag überhaupt keinen Hunger haben, während Sie den nächsten Tag am liebsten nur essend verbringen würden – spricht dies für eine Depression.

Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme

Zu einer Gewichtsreduktion kommt es, wenn vom Körper mehr Energie verbraucht als aufgenommen wird. Bei Depressionen geschieht dies häufig durch Appetitlosigkeit, sodass Betroffene Gewicht verlieren – dabei sind sowohl Fett- als auch Muskelmasse davon betroffen. Andersherum kann es aber auch zu einer Gewichtszunahme kommen. Gerade wenn im Essen Trost gesucht wird oder es gegen Antriebslosigkeit oder Langeweile eingesetzt wird, kann die Depression zu einer Gewichtszunahme führen.

Morgentief

Nach einer unruhigen Nacht kann die Laune morgens schon mal im Keller sein. Während das für viele normal ist und nur selten passiert, kann die schlechte Laune direkt nach dem Aufstehen gleichzeitig auch für eine Depression stehen. Halten diese Beschwerden länger als zwei Wochen an, ist der Rat eines Arztes empfehlenswert.

Depression oder Stimmungstief?

Ein Stimmungstief ist häufig die Reaktion auf einen konkreten Anlass, etwa wie Ärger im Berufs- oder Privatleben, eine Krankheit oder ein Verlusterlebnis. Meistens hält diese Verstimmung ein bis zwei Wochen an und wird in der Regel durch immer weiter auftretende positive Gefühle überdeckt. Auch Phasen der Trauer werden nach wenigen Monaten schwächer und innere Lebenskräfte gewinnen Oberhand.
Wird das Stimmungstief jedoch nicht besser, sondern entwickelt sich bereits zu einer depressiven Verstimmung, kann dieses auch in einer Depression enden. Betroffene fühlen sich nervös, ausgelaugt, gereizt, sind unkonzentriert, lustlos und empfinden kaum noch Freude. Selbst ein Besuch bei Freunden oder der Familie kann übermäßig Kraft kosten. Durch den sozialen Rückzug verstärkt sich eine Depression häufig zusätzlich. Selbstzweifel, Ängste und Zwangsgedanken kommen oft noch dazu.

Depression: Behandlungsmöglichkeiten

Handelt es sich um eine leichte Verlaufsform kann eventuell mit einer Sport- oder Bewegungs- oder Entspannungstherapie geholfen werden. Auch vom Arzt verordnete Johanniskrautextrakte oder pflanzliche Heilmittel können am Anfang einer Depression Erfolge bringen. Bei Personen, die vor allem unter Winterdepressionen leiden, lohnt sich auch der Versuch einer Lichttherapie.

Die Grundpfeiler einer Therapie bei Depressionen

Grundsätzlich baut die Behandlung bei Depressionen auf drei Grundprinzipien auf:

  1. Behandlung mit Antidepressiva
  2. Psychotherapeutische Verfahren
  3. Zusätzliche unterstützende Maßnahmen wie Ergotherapie oder sozialpädagogische Maßnahmen

Bei sehr schweren Depressionen kann ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik vonnöten sein. Dort kann eine enge Betreuung der Patienten erfolgen, was vor allem bei suizidgefährdeten Personen wichtig ist.

Überbückungsmöglichkeit mit Online-Therapie

Häufig ist der Beginn einer Therapie bei einem passenden Therapeuten mit langen Wartezeiten verbunden. Da dies bei Personen mit Depressionen besonders kritisch ist, gibt es als Überbrückung- oder auch Unterstützungsmaßnahme die Möglichkeit einer Online-Therapie. Hier kann über Apps oder andere Online-Angebote quasi eine erste Hilfe ohne Wartezeit in Anspruch genommen werden. Bekannte Portale sind zum Beispiel die App „Selfapy“ oder „ARYA“ oder die Online-Selbsthilfeprogramme der Krankenkassen AOK „Moodgym“ und der TK „Depressionscoach“.

Auch eine Möglichkeit: Das E-Mental-Health-Programm „Novego". Dabei handelt es sich um ein CE-zertifiziertes Medizinprodukt, welches von erfahrenen Ärzten und Therapeuten entwickelt wurde. Mithilfe von Texten, interaktiven Übungen, Grafiken und Videos wird der Alltag von Betroffenen begleitet. Sie können das Programm als Sofort-Hilfe, therapiebegleitend oder zur Überbrückung auf einen Therapieplatz nutzen.

Verdacht auf Depression? Jetzt Hilfe holen!

Treffen mehrere dieser Symptome auf Sie zu oder haben Sie das Gefühl, an einer Depression zu leiden? Haben Sie keine Scheu, sich professionelle Hilfe zu suchen – je früher, desto besser.
Betroffene finden unter anderem auf dem Onlineportal des Bundesministeriums für Gesundheit Beratungs- und Hilfsangebote.

Datum: 11.08.2020

Autor: Silva Oldenburg

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