Psychische Erschöpfung Anzeichen für Burnout-Syndrom: Bin ich betroffen oder nur erschöpft?

Das Burnout-Syndrom bedeutet auf deutsch so viel wie „Ausgebranntsein“ und bezeichnet den Zustand tiefer emotionaler, körperlicher und geistiger Erschöpfung. Betroffene fühlen sich ausgelaugt und überfordert, leiden unter Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und klagen darüber, nicht abschalten zu können. Doch was unterscheidet eine lebenstypische, stressige Erschöpfungsphase von einem Burnout-Syndrom? Und wie sehen die Unterschiede zu einer Depression aus?

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Was ist das Burnout-Syndrom?

Das Burnout-Syndrom ist in unserer Gesellschaft als Begriff allgemein bekannt. Allerdings gibt es keine Diagnose aus einem medizinischen Klassifikationssystem. Das Burnout-Syndrom galt bisher nicht als psychiatrische Krankheit. Vor kurzem erst hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Burnout-Syndrom in den Katalog der medizinischen Diagnosen aufgenommen – dieser tritt aber erst im Januar 2022 in Kraft.
Burnout wird als meist arbeitsbezogene, zeittypische Lebenskrise verstanden. Das Burnout-Syndrom ist aufgrund dieser Umstände auch noch nicht zufriedenstellend erforscht und es gibt keinen einheitlichen Behandlungsstandard.

Symptome von Burnout

Leiden Sie an einer normalen Lebenskrise oder steckt doch schon ein Burnout dahinter? Typisch für die Symptome von Burnout ist die schleichende Entwicklung über einen längeren Zeitraum. Diese verändern sich häufig im Laufe der Zeit, sodass verschiedene Phasen entstehen. Neben psychischen Beschwerden treten zu späteren Zeitpunkten auch psychosomatische Symptome, also körperliche Beschwerden infolge der psychischen Probleme, auf. Ein allgemeingültiges Phasenmodell oder festgelegte Symptome lassen sich für das Burnout-Syndrom nicht klassifzieren. Dennoch gibt es bestimmte Beschwerden, die typischerweise bei Betroffenen auftreten.

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Psychische Symptome

Anfangs sehr hohes Engagement und Ehrgeiz für berufliche Ziele:
  • unentbehrlich
  • eigene Bedürfnisse hinten anstellen
  • das Gefühl, nie Zeit zu haben
  • ständig müde und erschöpft
  • keine Erholung von beruflicher Belastung in der Freizeit

In der zweiten Phase wandelt sich das Überengagement im Beruf langsam dem Erschöpfungszustand:

  • verminderte Belastbarkeit
  • wachsende Stimmungsschwankungen
  • Erholungsunfähigkeit
  • chronische Müdigkeit
  • verringerte Initiative und Fantasie
  • innere Unruhe
  • Ruhelosigkeit
  • Nervosität
  • Gereiztheit
  • Aggressivität
  • Verlust an Empathie
  • Zynismus
  • Bitterkeit

Zustand des Burnouts:

  • Resignation
  • Gleichgültigkeit
  • Desillusionierung
  • Schwächegefühl
  • Entmutigung
  • geringe Frustrationstoleranz
  • Entscheidungsschwachheit
  • Konzentrationsprobleme
  • Niedergeschlagenheit
  • Antriebslosigkeit
  • Minderwertigkeitsgefühle

Vergleichen mit der ersten Phase wirken Menschen in der Endphase wie eine andere Person.

Psychosomatische Symptome

Bei einem Burnout-Syndrom können die seelischen Probleme im späteren Verlauf auch körperliche Beschwerden auslösen:

  • geschwächtes Immunsystem durch Stress
  • anfälliger für Infekte und Erkältungen
  • Schlafstörungen
  • Albträume
  • sexuelle Probleme
  • Herzklopfen
  • Muskelverspannungen
  • Tinnitus
  • Schwitzen
  • Kopfschmerzen
  • Verdauungsprobleme
  • Rückenschmerzen
  • Schwindel
  • Atemprobleme
  • Gewichtsveränderung
  • erhöhtes Unfallrisiko
  • erhöhtes Suchtpotential (Tabak, Alkohol, Drogen)

Folgen des Burnout-Syndroms

Oft ziehen sich Betroffene mit der Zeit von anderen Menschen zurück. Sowohl im beruflichen Leben als auch in der Partnerschaft, Familie und in Freundschaften gehen Betroffene häufig auf Abstand. Das ist nicht selten ein Auslöser für zusätzliche Konflikte.

Wie häufig das Burnout-Syndrom auftritt, lässt sich wissenschaftlich nicht genau sagen. Das liegt daran, dass eine Diagnose bisher nicht einheitlich an Kriterien festgemacht war. Je nachdem unterscheiden sich die Häufigkeitszahlen sehr.
Unbehandelt kann ein Burnout-Syndrom zu einer langfristigen Arbeitsunfähigkeit führen. Geben Sie sich also umgehend in Behandlung und suchen Sie sich Hilfe bei Ihrem Arzt, wenn Sie sich in diesen Symptomen wieder erkennen.

Ursache für Burnout

Es gibt keine einheitliche, klar definierte Ursache für das Burnout-Syndrom. Vermutet wird als Hauptmerkmal eine äußere Belastung, wie zum Beispiel aus der Arbeitsumwelt. Tatsächlich steht dieser Faktor wahrscheinlich im Zusammenhang mit psychologischen Aspekten. Auch die Kombination mit bestimmten persönlichen Eigenschaften und Arbeitsbedingungen spielen eine Rolle.

Typische Persönlichkeitsmerkmale, die ein Burnout-Syndrom begünstigen:

  • perfektionistische Einstellungen
  • geringe Kompetenzerwartung an sich selbst
  • sehr ausgeprägtes Harmoniebedürfnis (niemanden enttäuschen, kränken, ablehnen wollen)
  • Überzeugung, von außen gesteuert zu werden

Besonders gefährdet sind häufig Beschäftigte in sozialen Berufen wie Ärzte, Altenpfleger, Krankenschwestern, Lehrer, Priester, Psychologen oder Sozialarbeiter. Auch oft betroffen sind sehr ehrgeizige Erfolgsmenschen, wie zum Beispiel die perfektionistische Managerin. Natürlich können aber auch ganz andere Berufsgruppen oder gar Schüler betroffen sein.

Diagnose

Der Betroffene schildert sein Befinden zuerst seinem Arzt. Dieser schließt zunächst körperliche Ursachen für die genannten Symptome aus. Besonders wichtig sind vor allem ausführliche Gespräche zu den Beschwerden sowie deren Entwicklung. Auch das Lebensumfeld der Person, vor allem die Arbeitssituation, sollte genauestens betrachtet werden.
Das Hinzuziehen eines Psychotherapeuten ist sinnvoll, um die seelische Befindlichkeit zu analysieren. Gefühle wie Resignation, Verbitterung und depressive Beschwerden sollten in psychologischen Tests und Gesprächen herausgestellt werden.

Unterschied Burnout-Syndrom und Depression

Die Symptome einer Burnout-Erkrankung können denen einer Depression sehr ähneln. Die Unterscheidung der beiden Krankheitsbilder ist aber sehr wichtig, um rechtzeitig die geeignete Behandlung ansetzen zu können.

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Gemeinsam haben das Burnout-Syndrom und die Depression folgende Schlüsselsymptome:

  • Verringerte Leistungsfähigkeit
  • Niedergeschlagenheit
  • starker Erschöpfungszustand

Unterscheiden tun sich die beiden Erschöpfungszustände vor allem in der Ursache. Das Burnout-Syndrom findet über einen gewissen Zeitraum aufgrund einer bestimmten Belastung statt. Depression ist dagegen eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung, die unabhängig von einem konkreten Lebensbereich auftritt.

Bei einem Burnout-Syndrom geht es dem Betroffenen mit der Zeit besser, wenn die verursachende Belastung wegfällt. Zum Beispiel der hohe Leistungsdruck bei der Arbeit – durch den Arbeitgeber oder auch die eigenen Ansprüche. Das Burnout-Syndrom ist häufig an eine bestimmte Lebenssituation gebunden, z.B. die Arbeit, während eine Depression sich auf alle Lebensbereiche bezieht. So gibt es bei einer Depression keine Entlastungsmöglichkeit.

Häufige Symptome sind bei Depressionen außerdem Hoffnungslosigkeit sowie Suizidgedanken, welche bei Burnout-Patienten typischerweise nicht auftreten. Burnout-Symptome können allerdings auch in eine Depression führen!

Die Verwechselung der beiden Erkrankungen kann fatal sein: Während eine längere Arbeitsauszeit einem Burnout-Betroffenen guttun kann, kann diese Situation die Lage von Menschen mit Depressionen verschlimmern. Treffen Sie also keine voreiligen Selbstdiagnosen, sondern lassen Sie sich ausreichend von Ihrem Arzt untersuchen, der eine geeignete Behandlung verordnet.

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Behandlung von Burnout

Da die Symptome von Betroffenen sehr stark variieren, werden auch die Behandlungen stark individuell angepasst. Eine festgelegte Vorgehensweise zur Behandlung eines Burnout-Syndroms besteht daher nicht.
Der erste und wichtigste Schritt ist das Einsehen des Patientens. Der Betroffene muss selbst erkennen und akzeptieren, dass er überfordert ist und sich eingestehen, dass er überlastet ist. Nur so kann Hilfe sinnvoll angenommen werden.

Häufig zum Einsatz kommen dann verschiedene Formen der Psychotherapie (tiefenpsychologische Verfahren, Psychoanalyse, verhaltenstherapeutische Verfahren), Seminare zum Thema Zeitmanagement, Entspannungsmethoden wie progressive Muskelrelaxation, gesunde Ernährung, Bewegung und Sport.
Medikamente werden eher nicht eingesetzt, da der Erfolg nicht wissenschaftlich belegt ist.

Burnout-Syndrom vorbeugen

Das Burnout-Syndrom lässt sich gut bekämpfen – je früher, desto besser. Machen Sie sich mit typischen Symptomen vertraut und versuchen Sie so, erste Anzeichen frühzeitig zu erkennen.

  1. Haben Sie den Verdacht, sich einem Burnout zu nähern, werden Sie sich im ersten Schritt unbedingt über Ihre Belastungsfaktoren klar. Wo entsteht der Stress für Sie und wo liegt Ihre persönliche Grenze?
  2. Beseitigen oder minimieren Sie im nächsten Schritt die ausgemachten Belastungsfaktoren. Handelt es sich dabei um Druck bei der Arbeit, sprechen Sie auch mit Ihren Vorgesetzten. Binden Sie Ihr Team ein und veranlassen Sie Gespräche. Das Ziel ist dabei, bisher bestehende Strukturen zu verändern, die Sie belasten. Das kann eine verringerte Arbeitslast genauso sein wie schwierige Kommunikation, geringe Wertschätzung oder Konflikte.
  3. Suchen Sie sich neben den Stressfaktoren dringend einen Ausgleich, bei dem Sie entspannen und von der Arbeit abschalten können z.B. autogenes Training, Sport und Ruhepausen.
  4. Teilen Sie Ihre Kräfte ein! Verwenden Sie nicht Ihre ganze Energie auf die Arbeit, räumen Sie sich den nötigen Ausgleich für Freunde, Familie und Partner frei. Das wird Ihnen guttun.
  5. Wer mit überhöhten Selbstansprüchen zu kämpfen hat, sollte daran arbeiten, diese abzubauen. Suchen Sie sich hier gegebenenfalls Unterstützung von einem Therapeuten.
  6. Grundlegend ebenfalls wichtig ist eine gesunde Lebensführung mit ausreichend Bewegung, Sport, gesunder Ernährung und regelmäßigem, erholsamen Schlaf.

Warnsignale für ein Burnout-Syndrom

Sind Sie einfach nur erschöpft, oder laufen Sie in Gefahr, an einem Burnout zu erkranken? Diese Anzeichen könnten auf letzteres deuten:

  • Gefühl der Unentbehrlichkeit
  • Gefühl, nie Zeit zu haben
  • Hyperaktivität
  • Nicht Nein sagen können
  • freiwillig unbezahlte Mehrarbeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Entscheidungsschwierigkeiten
  • Ungenauigkeiten
  • Tagträume
  • Unzufriedenheit mit der eigenen Leistungsfähigkeit
  • abnehmende Freundlichkeit
  • Gefühl mangelnder Wertschätzung
  • Humorlosigkeit
  • Schuldgefühle
  • unbestimmte Angst und Nervosität
  • Ruhelosigkeit
  • Selbstmitleid
  • Misstrauen
  • Rückzug von privaten Kontakten
  • Partnerschaftsprobleme
  • vermehrter Alkoholkonsum
  • sich durch Einkäufe belohnen
  • Veränderung des Essverhaltens
  • vermehrte Sportunfälle

Hilfe suchen

Haben Sie den Verdacht, an einem Burnout-Syndrom zu leiden, ist Ihr Hausarzt der erste direkte Ansprechpartner. Außerdem finden Sie hier Hilfe:
 
Datum: 27.07.2020
Autor: Silva Oldenburg
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