Anthroposophische Medizin Vier Wesensglieder

Das Ziel der Anthroposophischen Medizin: die Selbstheilungskräfte des Patienten stimulieren und ihn individuell behandeln – als Ergänzung zur Schulmedizin.

Lächelnde Frau

Die Erfolgsbilanz der Anthroposophischen Medizin kann sich heute durchaus sehen lassen und wird durch hochseriöse Studien belegt. Zum Beispiel von der „Anthroposophische Medizin Outcomes-Studie“ (AMOS), finanziert unter anderem von zwei Krankenkassen und erhoben vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Berliner Charité unter Beteiligung von 141 deutschen Ärzten und 202 Therapeuten.

Vier Jahre lang überprüfte das Team den Krankheitsstatus von rund 898 Patienten mit verschiedenen Dauererkrankungen. Das Ergebnis verblüffte viele. Prof. Dr. Fintelmann: „Bei 86 Prozent der Patienten mit chronischen Krankheiten wie psychischen Beschwerden, Asthma, Wirbelsäulenleiden, Kopfschmerzen oder chronischer Sinusitis trat eine eindeutige Besserung ein. Und die Dauer des Klinikaufenthalts verkürzte sich durch den Einsatz der Anthroposophischen Medizin um durchschnittlich 4,2 Prozent.“ Ein angenehmer Nebeneffekt für das überlastete Gesundheitssystem: Langfristig sanken laut Studie die Kosten um 416 Euro pro Patient – das sind ca. 15 Prozent.

Ebenso sehr erstaunten die deutlich geringeren Arzneimittel-Nebenwirkungen. Litt bei schulmedizinischen Medikamenten etwas mehr als jeder zehnte Patient unter unangenehmen Begleiterscheinungen der Therapie, klagten darüber bei anthroposophischen Arzneimitteln nur 4,5 Prozent. Auch bei akuten Leiden zeigten sich Vorteile. „Im Krankenhaus Hamburg-Rissen konnten wir zeigen, dass eine nicht antibiotische anthroposophische Therapie gegen Lungenentzündung den Klinikaufenthalt bei 200 Patienten im Durchschnitt um drei Tage verkürzte. Interessanterweise verringerte sich auch die Dauer des Fiebers“, berichtet der Internist Fintelmann. Die Patienten konnten zudem schneller wieder in den Arbeitsprozess zurückkehren.

Aufsehen erregte auch die groß angelegte IIPCOS- Studie (International Integrative Primary Care Outcomes Study) mit 1016 Patienten aus 29 Hausarztpraxen in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Großbritannien und den USA. Dieser zufolge erzielte die anthroposophische Therapie akuter Atemwegs- oder Ohrenbeschwerden einen günstigeren Krankheitsverlauf als bei schulmedizinischer Behandlung.

Das wichtigste Ergebnis der Studie lautet aber: In der Anthroposophischen Medizin fällt die Verschreibungsrate von Antibiotika deutlich niedriger aus als in der Schulmedizin. Das nützt allen, denn laut Krankenkassenstatistiken sind bis zu 80 Prozent der Antibiotikaverschreibungen unnötig. Sie werden zu schnell, zu leichtfertig und falsch eingesetzt – vor allem bei akuten leichten bakteriellen Atemwegserkrankungen. Aber auch bei Virusinfekten, bei denen sie „konstruktionsbedingt“ überhaupt nicht helfen können. Durch den Einsatz anthroposophischer Mittel wirken Ärzte also dem rasant wachsenden Problem der Antibiotikaresistenzen entgegen. Denn schon heute stehen für Krankheiten wie Lungenentzündung kaum noch Mittel zur Verfügung, die die Erreger wirksam bekämpfen.

Der „physische Leib“ meint den sichtbaren Körper. Er lässt sich wissenschaftlich bis auf die Molekularebene vermessen, wiegen oder analysieren. Zu dieser Ebene gehören alle Auf-, Um- oder Abbauprozesse des Organismus, z. B. der Stoffwechsel und die Hormonproduktion. Gesteuert wird er von der Energie des Ätherleibes.

Der „Ätherleib“ bewirkt Wachstum, Erhalt und Erneuerung des Organismus. Ist seine Kraft zu stark, kann es zu unkontrollierten Zellwucherungen kommen. Ist sie zu schwach, kann der physische Leib Abfallprodukte nicht mehr ausreichend entsorgen, was zu Krankheiten wie Nierensteinen, Gicht oder Kalkablagerungen in den Arterien führt.

Der „Astralleib“ ist die Quelle der menschlichen Instinkte und unserer seelischen Antriebskräfte. Ein Übermaß an seelischer Aktivität kann Entzündungen oder fiebrige Erkrankungen verursachen.

Der „Ich-Leib“
bildet das Zentrum des Menschen. Er vermittelt Ziele und Sinn und bestimmt die individuelle Persönlichkeit. Wird er zu stark von den anderen Wesensgliedern beeinflusst, kann das z. B. zu lähmungsartigen Erkrankungen führen.

 

Weil der Mensch ein so komplexes Wesen ist, behandelt ihn die Anthroposophische Medizin auf vier verschiedenen Ebenen.

Auf der „somatischen Ebene“ kann mit schulmedizinischen Maßnahmen nahezu augenblicklich eine Besserung erzielt werden. Beispiel: Ein Patient leidet unter äußerst schmerzhaften Nierenkoliken. Hier schafft eine krampflösende Spritze oft Linderung – wie in der Schulmedizin. Danach wirkt der Patient gesund, weil er symptomfrei ist.

Die „prozessuale Ebene“ konzentriert sich darauf, die Ursachen einer Erkrankung zu erkennen und zu bekämpfen. Ein zu hoher Blutdruck etwa wird durch Medikamente gesenkt, fehlende Hormone werden ersetzt.

Auf der „seelischen Ebene“ klärt der Arzt, in welchem Maße seelische Probleme die Krankheitsentstehung beeinflussen. Bei rund der Hälfte der Herzpatienten z. B. sind nicht Rauchen oder Übergewicht die Verursacher, sondern Zukunftsängste, depressive Verstimmungen oder Einsamkeit.

Die „individuelle Ebene“ geht davon aus, dass die spezielle Persönlichkeit des Patienten der eigentliche Motor ist, der den Gesundungsprozess voranbringt.

Schlagworte: