16. August 2021
Migräne vorbeugen: Tipps vom Experten

Migräne vorbeugen: Tipps vom Experten

Jede siebte Frau in Deutschland leidet gelegentlich an Migräne. Dabei sind die Ursachen noch unklar und die Symptome individuell äußerst unterschiedlich. Mit einfachen Maßnahmen und Tipps lässt sich jedoch die Wahrscheinlichkeit und Stärke von Migräneattacken senken, wie uns ein Experte verriet.

Migräne: Dauer und Symptome

Migräneattacken können sich auf unterschiedliche Weise äußern: Manche Patienten berichten von stechenden oder pochenden Kopfschmerzen, andere von starker Übelkeit oder einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen sowie bestimmten Gerüchen. Ab wann man von Migräne spricht und wann eine ärztliche Behandlung sinnvoll ist, hat uns der Neurologe und Leiter des Kopfschmerzzentrums der Charité Berlin, Prof. Dr. med. Uwe Reuter, verraten: „Die Leitlinien der Fachgesellschaften raten zu einer vorbeugenden Therapie, wenn Patienten drei oder mehr Migräneattacken pro Monat haben. Diese können jeweils von 4 bis 72 Stunden andauern. Die eigene Einschränkung im Alltag ist hier ebenfalls ein wichtiger Indikator. Wer sich stark zurücknehmen muss, seinen Alltag nicht mehr bestreiten kann oder schlecht auf Schmerzmittel für den Akutfall anspricht, sollte sich mit einem Spezialisten beraten.“ Zögern Sie daher nicht, Ihren Hausarzt oder einen Facharzt zu kontaktieren, wenn die Migräne regelmäßig auftritt und Ihr Leben einschränkt.

Zwar ist das Krankheitsbild von Person zu Person sehr verschieden ausgeprägt. Allerdings haben sich die folgenden Maßnahmen in der Vorbeugung von Migräne bewährt.

Migräne vorbeugen: Fünf effektive Tipps

  1. Sport
    Bewegung scheint geradezu ein Allheilmittel zu sein und sich positiv auf fast alle Krankheitsbilder auszuwirken. Und auch bei Migräne kann Sport eine entscheidende Rolle spielen: „Auf der Seite der nichtmedikamentösen Verfahren ist Sport ein wichtiger Ansatz. Joggen, Fahrradfahren, Ausdauersportarten im Allgemeinen wirken sich auf Migräne-Patienten oft positiv aus“, sagt Prof. Dr. med Reuter. Das Beste daran: Lockerer Ausdauersport hat keinerlei Nebenwirkungen und Sie benötigen höchstens Laufschuhe, ein taugliches Fahrrad oder eine Badehose.
  2. Medikamente
    Neben Schmerztabletten, die manchen Migräne-Patienten mehr, anderen weniger helfen, gibt es auch Medikamente, die eine vorbeugende Wirkung haben können: „Auf der Seite der medikamentösen Verfahren gibt es Medikamente in Tablettenform wie Antiepileptika oder Antidepressiva, die zwar nicht spezifisch für die Migräne entwickelt wurden, aber auch vorbeugend positiven Einfluss auf die Migräne nehmen können. Gleiches gilt für Botox als Injektionstherapie, jedoch nur bei chronischer Migräne“, erklärt der Experte. Da es sich um verschreibungspflichtige Medikamente handelt, die Nebenwirkungen haben können, ist der Besuch beim Arzt unumgänglich.
  3. Blutzuckerspiegel konstant halten
    Die Ernährung kann in der Vorbeugung von Migräne eine entscheidende Rolle spielen, da ein zu niedriger oder stark schwankender Blutzuckerspiegel Migräneattacken fördern kann. Versuchen Sie daher, regelmäßig und zu festen Zeiten zu essen, am besten in Form von drei sättigenden Hauptmahlzeiten. Besonders ein Frühstück mit langkettigen Kohlenhydraten (z.B. Vollkornbrot oder Haferflocken) gibt Ihnen und Ihren Nervenzellen die nötige Energie. Im Mittag- und Abendessen sollten Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Erbsen regelmäßig vorkommen, da sie aufgrund des „Second-Meal-Effekts“ Ihren Blutzuckerspiegel stundenlang regulieren.
  4. Geschmacksverstärker meiden
    Der vor allem in Fertigprodukten und Sojasoße vorkommende Geschmacksverstärker Glutamat dient als Neurotransmitter und kann in höheren Dosen Migräneattacken auslösen oder fördern. Greifen Sie daher am besten zu frischen Lebensmitteln, die Sie selbst zubereiten und meiden Sie Fertigprodukte so gut es geht.
    Tipp: Glutamat erkennen Sie in der Inhaltsliste von Lebensmitteln anhand der Bezeichnungen „Mononatriumglutamat“ oder den E-Nummern „E 620–625“.
  5. Antikörpertherapie
    Neben Hausmitteln, der richtigen Ernährung sowie Sport „gibt es noch die sogenannte Antikörpertherapie in Form der Migränespritze als einziges vorbeugendes Medikament, welches spezifisch gegen Migräneattacken entwickelt wurde“, sagt Prof. Reuter. „Die Substanzen müssen in der Regel 1x pro Monat verabreicht werden. Erstattet wird die Migränespritze übrigens von den Krankenkassen, wenn der Patient alle anderen etablierten Medikamentenklassen erfolglos ausprobiert hat. Das sind bei der chronischen Migräne fünf und bei der episodischen Migräne vier Vortherapien, die keine Wirkung erzielen konnten.“ Zögern Sie daher nicht, Ihren Arzt zu konsultieren, damit Sie schnellstmöglich eine effektive Therapie zur Vorbeugung Ihrer Migräne beginnen können.
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