Der Cortisolspiegel und Depression: So wirkt das Stresshormon auf die Psyche

Der Cortisolspiegel und Depression: So wirkt das Stresshormon auf die Psyche

Ein ständig erhöhter Cortisolspiegel kann mitunter Auswirkungen auf unsere Psyche haben. Was das körpereigene Stresshormon Cortisol mit Depression zu tun hat, erfahren Sie hier.

Ältere Frau mit depressiver Stimmung
© iStock/Riska
Was ist der Zusammenhang zwischen Stress und Depression?

Das Stresshormon Cortisol: Aufgaben im Körper

Sind wir heutzutage nicht alle viel zu gestresst? Stress scheint in unserer hektischen Welt zum normalen Dauerzustand geworden zu sein. Termine, To-Dos, Arbeit, Familie, ständige Erreichbarkeit, dauernde emotionale Aufpeitschung durch soziale Medien und – nicht neu aber neuerdings auch unsere wohlstandsgeprägte Lebensrealität direkt betreffend – Pandemie, Krieg und Unsicherheit.

In unserer modernen Welt ist der Begriff Stress eigentlich ausschließlich negativ belegt. Stress steht stellvertretend für Überforderung, Kontrollverlust und Burn-Out. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass Stress eine überlebenswichtige Reaktion unseres Körpers ist. Wirken äußere Reize, egal ob körperlich oder geistig, auf uns, muss unser Körper Möglichkeiten haben, diese Anspannungen aufzulösen und handlungsfähig zu bleiben. In unserer evolutionären Vergangenheit hatten Stressreaktionen die Aufgabe, unserem Organismus in gefährlichen oder extremen Situationen Energie bereitzustellen, uns konzentrierter zu machen und unsere Reflexe zu verbessern. Unsere Vorfahren konnten dann schneller flüchten, bei der Jagd schneller reagieren oder spürten weniger Schmerzen im Kampf mit Mensch und Tier.

Dass wir Menschen bei akutem Stress so reagieren, wie die Natur es vorgesehen hat, verdanken wir unseren Hormonen. Hormone sind Botenstoffe, die unser Organismus in bestimmten Situationen produziert und die dann entsprechende Reaktionen in unserem Körper auslösen. Das Hormon Insulin etwa baut Zucker in unserem Blut ab, das Hormon Ghrelin regt unseren Appetit an, Serotonin senkt unseren Blutdruck und sorgt für Entspannung und Gelassenheit.

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Und das Stresshormon Cortisol bereitet unseren Körper bestmöglich auf die Bewältigung von Stress vor. Verspüren wir körperlichen oder geistigen Stress, produzieren die Nebennierenrinden vermehrt das Stresshormon Cortisol. Cortisol nämlich aktiviert abbauende Stoffwechselvorgänge, durch die unserem Organismus kurzzeitig zusätzliche Ressourcen verfügbar gemacht werden. Neben diesen wichtigen Aufgaben zur Stressbewältigung hat das Stresshormon Cortisol aber auch viele andere Funktionen, unter anderem:

  • erhöht Blutzuckerwerte und wirkt gegen Insulin
  • regt Fettstoffwechsel an
  • baut Proteine und Muskeln ab
  • hemmt Entzündungen
  • hemmt das Immunsystem

Das Stresshormon wirkt also auf vielfältige Weise in unserem Körper. Es wird übrigens nicht nur dann ausgeschüttet, wenn Stressoren auf uns wirken. Cortisol befindet sich zu jedem Zeitpunkt in unserem System und unterliegt typischen Schwankungen während des Tages. Morgens zwischen 6 Uhr und 8 Uhr ist der Cortisolwert durchschnittlich am höchsten. Im Verlaufe des Tages sinkt der Wert ab. Mitternacht ist er am niedrigsten.

Mit all diesem Hintergrundwissen über das Stresshormon Cortisol stellt sich nun aber die Frage: Was für Auswirkungen hat ständiger Stress auf unseren Körper? In der Wissenschaft und Medizin sind viele Zusammenhänge zwischen Cortisol, Depression und psychischen Auswirkungen bekannt. Wir erklären, was es damit auf sich hat.

Chronischer Stress: Der Zusammenhang von Cortisol und Depression

In der Forschung verdichtet sich mittlerweile der Verdacht, dass der Cortisolspiegel Auswirkungen auf die Entstehung von Depressionen haben kann. Schon lange war Forschenden bekannt, dass chronisch erhöhte Cortisolwerte bei Betroffenen eine Reihe von Folgen auslösten wie Übergewicht, Bluthochdruck, Schlafstörungen, Diabetes und Stimmungsschwankungen. Dass dauerhafter Stress nicht gut für die mentale Gesundheit ist, ist nachvollziehbar. In Studien konnten Forschende nun aber feststellen, dass die vermehrte Ausschüttung von Cortisol Depressionen begünstigen kann. Forschende fanden nämlich heraus, dass die Cortisolwerte bei Menschen, die unter Depressionen litten, durchschnittlich stark erhöht waren.

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Für den Körper bedeuten erhöhte Cortisolwerte im Blut Dauerstress und Alarmzustand. Der Zusammenhang zur Depression ergibt sich dann daraus, dass unter anderem der Schlaf gestört ist und die Schlafqualität erheblich leidet. Auch mögliche Wechselwirkungen mit stimmungsaufhellenden und glücklich machenden Hormonen sind bei einem hohem Cortisolwert nicht auszuschließen.

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