16. Juli 2021
Thonon-Diät: Kann man 10 Kilo in 2 Wochen abnehmen?

Thonon-Diät: Kann man damit 10 Kilo in 2 Wochen abnehmen?

Schon wieder eine neue Diät – was kann daran schon besonders sein? Einiges! Denn Erfahrungsberichte zur Thonon-Diät sprechen von ganzen 10 Kilo Gewichtsverlust in 14 Tagen. Kann man wirklich so schnell abnehmen? Wir verraten Ihnen, was es mit der Thonon-Diät auf sich hat!

Immer wieder tauchen neue Trenddiäten aus Hollywood oder Influencer-Kreisen wie die Thonon-Diät oder GOLO-Diät auf und versprechen große Gewichtsverluste innerhalb kürzester Zeit. Abnehmen ist eben ein beliebtes Dauerthema. Prominente und Influencer zeigen beeindruckende Vorher-Nachher-Bilder und berichten von unglaublichen Erfahrungen und Abnehmerfolgen. Doch was ist dran an den Versprechungen und kann man mit einer solchen Crashdiät nachhaltig und gesund abnehmen?

Was ist die Thonon-Diät?

Die Thonon-Diät verspricht, innerhalb kürzester Zeit viel abzunehmen. Sie soll auf einer proteinreichen, aber sehr kalorienarmen Kost ohne Kohlenhydrate basieren. Im französischen Kurort Thonon-les-Bains entwickelt, soll die Diät dort unter ärztlicher Kontrolle im Krankenhaus Anwendung finden. Der Speiseplan umfasst drei Mahlzeiten pro Tag mit einer Gesamtkalorienmenge von gerade einmal 600 bis 800 Kalorien. Das entspricht nur etwa einem Drittel des täglichen Kalorienbedarfs der meisten Menschen.

Gegessen wird vor allem nach dem ketogenen Prinzip: viele Fette und Proteine. Kohlenhydrate und Zucker werden auf ein Minimum reduziert. Die Diät dauert zwei Wochen. Im Anschluss wird eine Stabilisierungswoche mit 1200 bis 1500 Kalorien pro Tag empfohlen. Somit soll angeblich der Jo-Jo-Effekt ausbleiben. Die Diät verspricht eine schnelle Gewichtsreduktion von ganzen 10 Kilo in 14 Tagen. Aber ist das überhaupt möglich und gesund?

Diese Lebensmittel sind bei der Thonon-Diät erlaubt: Hüttenkäse, Magerquark, mageres Fleisch, Fisch, Tofu, Kichererbsen sowie andere Hülsenfrüchte, Avocados und Nüsse und gesunde pflanzliche Fette. Während die pflanzlichen Lebensmittel dieser Liste selbst in größeren Mengen gesundheitlich unbedenklich und sogar gesund sind, ist ein Übermaß an tierischen Produkten keineswegs zu empfehlen. Zwar sind mageres Fleisch, Fisch und Milchprodukte in Maßen hochwertige Proteinquellen. Allerdings sollten insbesondere Fleisch und Fisch nicht täglich, sondern höchstens ein- bis zweimal pro Woche verzehrt werden, da ein Übermaß an tierischen Fettsäuren mit Zivilisationskrankheiten im Zusammenhang steht.

Das Problem der Thonon-Diät

Viele Begeisterte, die tolle Erfahrungen mit der Thonon-Diät gemacht und innerhalb von kurzer Zeit viel abgenommen haben, werben für die Diät. Beeindruckende Vorher-Nachher-Bilder zeigen den unglaublichen Erfolg. Was nicht gezeigt wird, ist der anschließende Jo-Jo-Effekt, der vorprogrammiert ist, wenn keine dauerhafte Ernährungsumstellung erfolgt. Ebenso sollten die Vorher-Nachher-Bilder, sowohl bei Normalverbrauchern als auch bei Models oder Influencerinnen, mit Vorsicht genossen werden. Bestimmte Lichtverhältnisse, Posen und die Tagesform erwecken selbst bei kleinsten Veränderungen den Eindruck, dass eine beeindruckende Transformation stattgefunden hat.

Wie alle Crash-Diäten basiert auch die Thonon-Diät darauf, in kürzester Zeit viel zu erreichen bzw. abzunehmen. Dabei wird je nach Diät-Form auf bestimmte Lebensmittel oder gar auf ganze Makronährstoffe, z.B. Kohlenhydrate, verzichtet. Zudem ist die Kalorienzufuhr eingeschränkt, sodass der Körper nicht mehr ausreichend mit Energie versorgt wird, um einwandfrei zu funktionieren. Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen und noch viele mehr, sind klassische Symptome, dass dem Körper zu wenig Nahrung zugeführt wird.

Besonders problematisch ist jedoch, dass der Körper bei eingeschränkter Kalorienzufuhr bevorzugt Muskulatur statt Fett abbaut, wodurch der Gesamtkalorienverbrauch auf Dauer sinkt. Der Jo-Jo-Effekt tritt somit viel wahrscheinlicher ein. Außerdem sind anfängliche schnelle Gewichtsverluste häufig kein Fett, sondern Wassereinlagerungen, welche bei einem kurzfristigen Verzicht auf Kohlenhydraten verloren gehen. Kehrt man dann wieder zu einem ausgewogenen Ernährungsplan zurück, wird auch wieder Wasser eingelagert.

Fazit: Wie gut ist die Thonon-Diät?

Crash-Diäten wie die Thonon-Diät sind weder für den Körper noch für die Psyche gesund. Die Zahl auf der Waage sinkt zwar, weil Wasser und Muskeln abgebaut werden, aber die Fettpölsterchen bleiben trotzdem. Gesund und nachhaltig abnehmen geht nur mit einer langfristigen Ernährungs- und Lebensumstellung.

    Auch interessant: Dr. Riedl über die fünf Fallen der Ernährungsumstellung >>

    Nachteile und Auswirkungen von Diäten

    • Magen- und Darmprobleme
      Durch eine ballaststoffarme oder sehr einseitige Ernährung, wie bei der Thonon-Diät, kann es zu Magen- und Darmbeschwerden kommen. Ein Blähbauch, Durchfall oder Verstopfung sind keine Seltenheit. Und noch viel schlimmer: das ständige Hungergefühl sorgt für Gelüste, Heißhunger und den anschließenden Jo-Jo-Effekt, sobald man wieder "normal essen darf".
    • Verlust von Muskulatur
      Bekommt der Körper nicht die Energie, die er braucht, um alle Organe ausreichend mit Energie zu versorgen (Grundumsatz), greift er auf die Muskulatur zurück. Dies hat zur Folge, dass der Energieverbrauch des Körper sinkt. Isst die Person nach der Diät wieder die gleiche Kalorienanzahl, isst sie somit im Überschuss und nimmt zu. Ein Teufelskreis beginnt.
    • Vitamin- und Mineralstoffmangel
      Mit einer Diät-Ernährung ist ein Mangel an Vitaminen und Nährstoffen nicht weit. Diese braucht der Körper jedoch, um Hormone und Enzyme zu bilden, Nährstoffe aufzunehmen und im Allgemeinen den Körper mit einer gesunden Funktion auszustatten.
    • Hormonchaos
      Durch Crash-Diäten bekommt der Körper gesagt, dass es jetzt eine schwere Zeit ist und somit kein Zeitpunkt für ein Kind. Er fährt seine Hormonproduktion herunter, wodurch es zu einem gestörten Menstruationszyklus kommen kann und die Periode ausbleibt. Dadurch wird auch die Stabilität der Knochen negativ beeinflusst, wodurch sich im Alter das Risiko für Osteoporose enorm erhöht. Selbst kurzfristige Radikaldiäten haben Auswirkung.

    Dr. Riedl im Instagram Live: Über Diäten und wie man wirklich abnimmt

    Ernährungsdoc Dr. Matthias Riedl (@drmatthiasriedl) hat am 4.5. bei unserem Instagramaccount @vital_magazin Ihre brennenden Fragen zum Thema Abnehmfrust beantwortet. Ab Minute 2:19 spricht er über Diäten, gescheiterte Abnehmversuche und wie eine richtige Ernährungsumstellung geht. Wenn Sie Ihre Ernährung dauerhaft gesünder gestalten wollen, hilft Ihnen dabei auch Dr. Riedls Ernährungs-App „myFoodDoctor“.

      Abnehmen: So geht es richtig

      Mit diesen Tipps gelangen Sie Schritt für Schritt zu Ihrem Wunschgewicht:

      1. Bilanz ziehen
        Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre bisherigen Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten und schauen Sie, an welchen Punkten Sie etwas verbessern können. Mit unserem Ernährungstagebuch zum Ausdrucken können Sie ganz einfach eine Woche lang Ihre Ernährungsgewohnheiten protokollieren.
      2. Klein anfangen
        Nehmen Sie Veränderungen schrittweise vor, anstatt alles gleichzeitig anzugehen. Wer von einem Tag auf den nächsten seinen Lebensstil komplett umstellen will, scheitert oft nach wenigen Tagen. Sind die Veränderungen zu extrem, fällt man schnell in alte Gewohnheiten zurück. Ändern Sie deshalb zunächst nur eine Sache, z.B. mehr Gemüse ins Essen einzubringen oder ab jetzt nur noch die Treppe statt Lift und Rolltreppe zu nehmen. Steigern Sie sich langsam.
      3. Die richtige Ernährung
        Setzen Sie auf eine Mischkost, in der alle Makronährstoffe (Kohlenhydrate, Fett, und Eiweiß) abgedeckt werden. Eiweiß verhindert, dass Muskulatur abgebaut wird, Fette regeln das Hormonsystem und unterstützen die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen und Kohlenhydrate liefern Ihrem Gehirn und Ihren Muskeln Energie.
      4. Das richtige Kaloriendefizit
        Mit zahlreichen Kalorienrechnern im Internet können Sie Ihren Kalorienbedarf ausrechnen. Um ein besseres Gefühl für Lebensmittel und Portionsgrößen zu bekommen, können Sie vorübergehend Kalorien zählen. Apps wie MyFoodDoctor, FddB, Yazio machen das zu einem Kinderspiel. Das Ziel: ein moderates Kaloriendefizit von 300 bis 500 kcal. Stark übergewichtige Personen können dabei ein größeres Defizit einbauen als nur leicht übergewichtige oder schlanke Personen. Wie Sie Ihren Kalorienbedarf berechnen, lesen Sie hier >>
      5. Finden Sie Ihre Bewegung
        Niemand muss täglich eine Stunde lang schwer trainieren. Bauen Sie Bewegung in Ihren Alltag ein. Gehen Sie viel Spazieren, nehmen das Fahrrad und suchen Sie sich einen Sport, der Ihnen wirklich Spaß bringt.
      6. Setzen Sie sich langfristige Ziele
        Eine Abnahme ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Überlegen Sie, wie lange es gedauert hat zuzunehmen. Das ging nicht von heute auf Morgen. So ist es auch beim Abnehmen. Zwei bis drei Kilo Fett pro Monat sind schon eine ganze Menge. Das sind etwa acht bis 12 Päckchen Butter.

      Auch spannend: So geht Abnehmen mit dem natürlichen Essrhythmus >>

      Video: Die Hollywood Kurzzeit-Diäten

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