20. Juli 2021
Insektenstiche unterscheiden – das hat gestochen!

Insektenstiche unterscheiden

Ob Mücke, Biene oder Wespe – die meisten Insekten können stechen. Wie Sie die verschiedenen Insektenstiche anhand von Merkmalen wie Juckreiz, Rötung und Schwellung unterscheiden können und wie Sie die Stiche richtig behandeln, erfahren Sie hier.

Mehr als eine Million bekannte Insekten­arten bevölkern unseren Planeten. Die meisten von ihnen sind harmlos und mitunter sehr hübsch an­zusehen: Marienkäfer, Libellen oder Schmetterlinge – ihnen fliegen unsere Sympathien nur so zu. Doch einige In­sekten machen es uns richtig schwer sie in unsere Herzen zu schließen. Auf der Unbeliebtheits-Skala ganz oben stehen vor allem Stechmücken. Bei steigenden Temperaturen suchen sie uns besonders eifrig heim. Es ist zum wahnsinnig wer­den! Aber auch Wespen, Mücken und andere Störenfriede können uns die Lust auf die schöne Jahreszeit vermiesen. Folgen der ungewollten Begegnungen: juckende, schmerzende und gerötete Haut.

Insektenstiche: Darum ist Vorsicht geboten!

Dr. Kerstin Lommel arbeitet als Chef­ärztin in der Klinik für Dermatologie und Allergologie im HELIOS Klinikum Berlin­-Buch. Sie kennt sich mit den Plagegeis­tern aus. „Wir sollten uns zunächst klar­machen, mit wem wir es eigentlich zu tun haben. Es gibt Insekten mit einem Giftstachel, der zur Verteidigung ein­gesetzt wird und wiederum solche, die ihre Stechapparate zum Blutsaugen verwenden“, erklärt die Medizinerin. Zu den letzteren Vertretern zählen weibliche Stechmücken. Sie brauchen unser Blut als Nahrungsquelle für ihre Eierproduk­tion.

„Beim Stechen sondert das Insekt gerinnungshemmende und blutverdün­nende Substanzen ab. Dadurch entsteht eine Quaddel, die stark jucken kann“, sagt die Ärztin. Die Reaktion der meisten von uns? Kratzen, was das Zeug hält! Und das, obwohl wir schon als Kinder gelernt haben: Finger weg von Mückenstichen. „Durch das Kratzen wird der Juckreiz nur verstärkt. Außerdem besteht die Gefahr, dass Bakterien durch die entstandene Wunde in die Haut eindringen. Dann sind schwerwiegende Infektionen mög­lich“, warnt die Expertin.

So unterscheiden Sie Insektenstiche

Mücke: Sie hinterlässt eine kleine Quad­del mit glasig heller Einstichstelle. Wir spüren dann eine erbsengroße Verdickung mit Knoten unter der Haut. Schmerzen treten zwar nicht auf, aber die Haut wird zusätzlich rot und warm. In tropischen Ländern können Mücken gefährliche Krankheiten wie Malaria übertragen.

Kriebelmücke: Im Gegensatz zur Stechmücke pikst sie nicht mit einem Saugrüssel, sondern „zersägt“ die Haut mit ihren Mundwerkzeugen. Tückisch: Das Insekt fliegt sein Opfer geräuschlos an und verursacht stark schmerzende Bisse. Durch kleine Einblutungen entsteht ein blau­-schwarzer Fleck, der täglich größer wird.

Bremse: An schwül­heißen Tagen treffen wir die Blutsauger besonders häufig auf Viehweiden und in Wassernähe an. Typisch für den schmerzhaften Bremsenstich: Schwellungen und eine rote Quaddel – deutlich größer als bei einem Mücken­stich. Oft bildet sich eine kleine Vertiefung in der Mitte der angeschwollenen Stelle.

Wespe: Sie wird von Gerüchen (süß und herzhaft) angelockt, beim Essen im Freien unbedingt aufpassen! Der Stich fühlt sich ähnlich an wie der einer Biene (und sieht auch so aus): Die Haut schwillt an und rötet sich. Hinzu kommen teils heftige Schmerzen. Anders als Bienen sind Wespen übrigens dazu in der Lage, ihren Stachel unversehrt aus der Haut herauszuziehen.

Biene: Die kleinen, flaumig­-bräunlichen Bienen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Der Stachel bleibt stecken, die Biene stirbt nach ihrem Angriff. Ziehen Sie den Stachel so schnell wie möglich vor­sichtig mit einer Pinzette heraus. Die Stich­stellen sind rot, sie schwellen an, schmer­zen und jucken in der Regel stark.

Floh: Er hat es hauptsächlich auf Hunde und Katzen abgesehen. Aber auch Men­schen werden gelegentlich von weiblichen als auch männlichen Exemplaren gebissen. Dann kommt es zu punktförmigen Hautrötungen, die eng aneinanderliegen und extrem jucken. Bitte nicht kratzen – Infek­tionen sind leicht möglich.

Zecke: Aus einem ganz bestimmten Grund ist der Zeckenstich in der Regel sehr gut zu erkennen: Die Zecke steckt nämlich in den meisten Fällen noch in der Haut. Sie verweilt dort und saugt Blut. Bleibt sie unentdeckt, tut sie das sogar bis zu 15 Tage lang. Auch wenn der Stich entfernt wurde, sollte er dennoch unter Beobachtung bleiben. Sobald sich um die flächige, münzgroße Rötung ein Ring bildet, der immer größer wird, kann dies ein Zeichen für Borreliose sein.

Bettwanze: Bettwanzen werden meist im Gepäck aus einem Urlaubsland mit nach Hause gebracht und können zu einer großen Belastung werden, da man sie so schnell nicht wieder loswird. Die Bettwanzenstiche ähneln denen von Mücke und Floh, können aber auch an eine allergische Reaktion erinnern. Die Stiche befinden sich in der Regel nahe beieinander. Ein weiteres Indiz: Da Bettwanzen nachtaktiv sind, bemerken Sie die Stiche morgens. Außerdem bluten die Stiche oft, weshalb sich Blut auf den Bettlaken befinden kann. Kälte oder Hitze hilft – verzichten Sie zudem auf das Kratzen.

© iStock/DieterMeyrl
Bremsenstiche sind besonders schmerzhaft, weil die Blutsauger die Haut des Menschen ansägen, sodass ein sogenannter Blutsee entsteht.

Insektenstich-Reaktionen unterscheiden

Insektenstiche kann man generell in drei Stufen unterscheiden. Lokale Reaktionen betreffen ein Hautareal, das kleiner als zehn Zentimeter ist und gehen meist mit Rötungen, Schwellungen und Juckreiz einher. In der Regel lassen die Symptome jedoch nach 24 Stunden wieder nach. Bei einer größeren örtlichen Reaktion hingegen ist ein viel größeres Hautareal betroffen. Es kann zudem zu Schwindel, Schwellungen der umliegenden Gelenke und Übelkeit kommen. Atemnot ist oft ein Anzeichen für eine allergische Reaktion. Diese sollte immer ernst genommen werden, da sie im schlimmsten Fall einen lebensgefährlichen anaphylaktischer Schock auslösen kann. Rufen Sie also unverzüglich einen Notarzt, wenn ein Insektenstich eine derartige Reaktion hervorruft. 

Insektenstiche behandeln

Im Normalfall geht nach einem Stich die Schwellung im Laufe von eini­gen Stunden zurück. Der Juckreiz hält allerdings noch einige Tage an. Dann helfen beruhigende, lindernde Gels. Erst bei entzündeten, stark angeschwollenen Stichen empfiehlt es sich, kortisonhaltige Cremes (aus Apotheken) zu verwenden. „Direkt nach dem Stich, egal, von wel­chem Insekt, lindert ein kalter Umschlag Schwellung und Schmerzen“, sagt die Hautärztin. Der „heiße“ Tipp einer ande­ren Methode: Die Stelle so schnell wie möglich nach dem Stich mit konzentrierter Wärme behandeln. Dadurch werden die Giftstoffe zersetzt und das Ausschüt­ten juckreizauslösender Stoffe verhin­dert. In der Apotheke und Online bekommen Sie batteriebetriebene Geräte, die in etwa die Größe einer Elektrozahnbürste haben und in jede Handtasche passen.

Insektenstiche: Wann ist eine ärztliche Behandlung notwendig?

Wenn Beschwerden im Zusammenhang mit dem jeweiligen Insektenstich länger als ein paar Tage anhalten, sollten Sie ebenfalls einen Arzt aufsuchen. Dasselbe gilt, wenn der jeweilige Stich besonders anschwillt und die Haut spannt, Eiter an der Einstichstelle auftritt, Sie sich krank fühlen oder Ihre Lymphknoten anschwellen – diese Symptome deuten auf eine Entzündung hin.

Vorsicht bei Stichen im Mund- und Rachenraum

Bei Insektenstichen im Mund- und Rachenraum sollten Sie sich immer schnellstmöglich in ärztliche Behandlung begeben. Wenn die Schleimhaut anschwillt, kann dies zu Atemnot führen. Durch die Schwellung können sich die Atemwege verengen und der Betroffene kann ersticken. Sie erkennen Insektenstiche in diesem Bereich an:

  • plötzlich auftretendem Schmerz nach dem Essen oder Trinken
  • schnellem Anschwellen der Lippen oder Zunge
  • pfeifenden oder schnorchelnden Geräuschen beim Atmen
  • Atemnot

Auch interessant: Biene oder Wespe – das ist der Unterschied >>

Insektenstichen vorbeugen

Fliegengitter vor Fenstern und Türen halten uns Insekten in Innenräumen so gut es geht vom Leib. Im Freien erledigen dies Lotionen zum Auftragen auf die Haut. Die beste Wirkung erzielen hier nur chemisch­ synthetische Stoffe – diese sind zum Schutz vor Infektionskrankheiten bei Reisen in die Tropen ein Muss! Wer natürliche Stoffe bevorzugt, kann auf Inhaltsstoffe wie Rosma­rin­, Zedern­ und Pfefferminzöl zurückgreifen. Sie verbrei­ten einen angenehmen Duft und halten neben Mücken und Fliegen auch Zecken auf Abstand. Ein Moskitonetz über dem Bett kann für eine ruhige Mücken-freie Nacht sorgen.

Um Wespen zu vertreiben, können wir uns das etwas strenge Aroma von Nelkenöl zunutze machen. Die Insekten können den Duft nicht ausstehen. Sie können das Öl in einer Duftlampe ver­dampfen lassen oder alternativ auch Zitronen oder Orangen mit Gewürznelken spicken. In der Nähe von Bienen, Wespen und Hornissen sollten Sie es zudem vermeiden hastige Bewegungen zu machen, nach ihnen zu schlagen oder zu pusten. Auch kann es helfen, Essen im Freien beim Grillen oder Picknick abzudecken, um die Tier nicht anzulocken. Ebenfalls sollte man aufpassen, dass man beim Barfußlaufen nicht in Biene und Co. hineintritt und gestochen wird.

Besonders im Sommer ist es wichtig auf seine Körperhygiene zu achten. Das kann auch dabei helfen, Bremsenstiche vorzubeugen, da die Tiere sich von Schweiß angezogen fühlen. Auch Gebiete, in denen die Blutsauger vermehrt vorkommen, sollten gemieden werden – dazu zählen beispielsweise Seen und andere Gewässer, Weiden oder Bauernhöfe.

Auch interessant: Wespen – diese 3 Fehler locken sie an >>

Video: Insektenstiche erkennen – darauf müssen Sie achten

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel enthält unter anderem Produkt-Empfehlungen. Bei der Auswahl der Produkte sind wir frei von der Einflussnahme Dritter. Für eine Vermittlung über unsere Affiliate-Links erhalten wir bei getätigtem Kauf oder Vermittlung eine Provision vom betreffenden Dienstleister/Online-Shop, mit deren Hilfe wir weiterhin unabhängigen Journalismus anbieten können.

Lade weitere Inhalte ...