Wie Burnout verläuft und was Betroffene daraus lernen können

Wie Burnout verläuft und was Betroffene daraus lernen können

Immer häufiger gelangt die mentale Gesundheit in den Fokus. In der Öffentlichkeit wird zunehmend über die Häufigkeit psychischer Erkrankungen gesprochen und der Wunsch nach kurzfristig verfügbaren Therapieplätzen wird lauter. Der sogenannte Burnout ist erst seit einigen Jahren offiziell als Erkrankung anerkannt und betrifft dabei immer mehr Menschen. Interessante Studien legen nahe, dass Burnout wie viele andere Krankheiten in Phasen verläuft. Für Betroffene bietet sich hier eine Chance, der Krankheit die Stirn zu bieten.

Mann schlägt Hände über Kopf zusammen
© Pixabay/lukasbieri
Wenn Menschen sich überfordert und ausgebrannt fühlen, kann das ein erstes Indiz für einen Burnout sein.

Verschiedene Phasen-Modelle des Burnouts

Seitdem der Burnout von der Weltgesundheitsorganisation WHO in ihren Katalog zur Klassifizierung von Krankheiten aufgenommen wurde, gibt es immer mehr Studien zu dieser schwer fassbaren Krankheit. Dabei zeigt sich, dass Burnout nicht nur eine Erkrankung ist, unter der Arbeitnehmer leiden. Auch Menschen, die zu Hause großem Stress und Druck ausgesetzt sind, können an einem Burnout erkranken. Dabei verläuft die Erkrankung häufig in Phasen. Verschiedene Ärzte haben hierzu Phasen-Modelle entwickelt, die den Verlauf des Burnouts skizzieren und Betroffenen so Anhaltspunkte dazu darlegen, wie ihre Krankheit möglicherweise verlaufen kann. Die Modelle basieren meist auf praktischen Erfahrungen mit Erkrankten. Gehäufte Symptome werden zusammengefasst und in Phasen unterteilt. Das Phasen-Modell nach Freudenberger ist das am häufigsten verwendete Modell, daneben gibt es jedoch weitere Modelle, die leichte Abweichungen zeigen.

Grundsätzlich ist hier dementsprechend zu sagen, dass in der Praxis eine Erkrankung nicht automatisch stringent nach einem vorgegebenen Muster verläuft. Häufig ist es so, dass die Grenzen der einzelnen Phasen verschwimmen und Symptome ineinander übergehen. Auch ist eine klare Abgrenzung des Burnouts gegen eine Depression nicht immer möglich. Hier ist es wichtig, einen erfahrenen Psychotherapeuten zu Rate zu ziehen, um das vorliegende Krankheitsbild zu diagnostizieren.

Sind Phasen-Modelle nützlich für Betroffene?

Der Wunsch danach, eine Erkrankung wie einen Burnout in verschiedene Phasen einzuteilen, ist verständlich. Ärzte und Betroffene möchten verstehen, wie die Krankheit abläuft und an welchem Punkt sich ein Patient oder eine Patientin befindet. Das Phasen-Modell kann Aufschluss darüber bieten, mit welchen Symptomen ein Burnout üblicherweise einhergeht. Dies kann zu einer schnellen Diagnose beitragen. Dabei ist wichtig, dass Betroffene den eigenen Burnout anders erleben können als eine Beschreibung von außen nahelegt. Für Ärzte bedeutet das, dem Erleben der Patientinnen und Patienten Glauben zu schenken und nicht ausschließlich nach den Modellen und ihren Beschreibungen zu gehen.

Menschen, die von einem Burnout betroffen sind oder befürchten, betroffen zu sein, finden in den Phasen-Modellen erste Anhaltspunkte für die Krankheit. Mithilfe der detaillierten Beschreibungen ist es möglich, herauszufinden, ob ein Burnout vorliegen könnte. Symptome lassen sich so besser kategorisieren. Für viele Betroffene ist es hilfreich, die eigenen Symptome und Empfindungen zu notieren und sie mit dem jeweiligen Modell abzugleichen. Dieses Vorgehen kann wichtige Erkenntnisse für Arztbesuche oder Therapietermine liefern.

Mann liegt auf Wiese
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Gezielte und bewusste Entspannung hilft dabei, einem Burnout vorzubeugen.

Dem Burnout vorbeugen – den Gegner kennen

Die intensive Auseinandersetzung mit einem Phasen-Modell führt dazu, dass Betroffene ein Burnout früher erkennen können. Da Burnout und Depressionen zu den häufigsten mentalen Erkrankungen unserer Gesellschaft gehören, ist es wichtig, die typischen Symptome zu kennen. So lässt sich der Burnout bereits im frühen Stadium erkennen. In dieser Zeit ist die Erkrankung noch in einem leichten Stadium und lässt sich einfacher behandeln. Es ist sogar möglich, dem Burnout vorzubeugen und zu handeln, sobald allererste Symptome auftreten.

Grundsätzlich macht sich ein Burnout in drei größeren Symptomen bemerkbar: Erschöpfung, verminderte Leistungsfähigkeit und Distanzierung von Arbeit oder anderen Verpflichtungen. Treten erste Anzeichen dieser drei Komponenten auf, gilt es, schnell zu handeln. Dazu setzen Betroffene klare Grenzen, widmen sich gezielt der körperlichen und geistigen Entspannung und reduzieren Stress. Entspannungsübungen, eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit und die Abgabe von Pflichten und Aufgaben können ebenfalls dazu beitragen, das Risiko für einen Burnout zu minimieren.

bunte Stühle
© Pixabay/wollyvonwolleroy
Verschiedene Therapieansätze und Selbsthilfegruppen helfen Betroffenen dabei, ihre Krankheit zu besiegen.

Die Phasen des Burnouts und die mögliche Therapie

Es gibt mittlerweile zahlreiche Angebote für Burnout-Betroffene, die dabei helfen sollen, einen Weg aus der Erkrankung zu finden. Neben Entspannungsübungen und Stressreduktion haben sich folgende Angebote bei Patientinnen und Patienten bewährt:

  • Selbsthilfegruppen
  • Psychotherapie
  • Ergotherapie
  • Maltherapie und ähnliche Therapieformen
  • Stressbewältigungs-Seminare

Vor allem Gespräche mit anderen Betroffenen können dabei helfen, Strategien zu entwickeln, um mit dem eigenen Burnout umzugehen und sich langfristig besser zu fühlen. Auch an diesem Punkt kann ein Phasen-Modell dabei helfen, den richtigen Weg zu finden. Die Einordnung der individuellen Symptome in das Modell zeigt, in welcher Phase sich eine betroffene Person befindet. Dies kann dabei helfen, den individuell richtigen Therapieansatz zu finden.

Je weiter fortgeschritten ein Burnout ist, desto dringlicher ist der Weg zum Hausarzt. Dieser kann den Patienten oder die Patientin zu einem Psychotherapeuten überweisen oder beispielsweise Ergotherapie verschreiben. Betroffene durchlaufen oft mehrere Stationen verschiedener Therapieformen, bevor sie den Ansatz finden, der zu ihnen passt. Wer sein eigenes Krankheitsbild genau kennt, kann das Verfahren massiv beschleunigen.

Fazit: Phasen-Modelle haben Vorteile für Betroffene, sind aber mit Vorsicht anzuwenden

Vor allem Betroffene eines Burnouts können von den neuen Phasen-Modellen profitieren. Die Modelle schlüsseln mögliche Symptome eines Burnouts auf und zeigen, worauf Betroffene achten müssen. Das betrifft sowohl körperliche als auch psychische Symptome. Anhand des Modells können Patientinnen und Patienten genau herausfinden, welche Symptome bei ihnen auftreten und wie weit der Burnout bereits fortgeschritten ist. Auch bei der Suche nach einer passenden Therapieform kann das Modell deshalb hilfreich sein.

Ärzte und Psychotherapeuten sollten die Phasen-Modelle mit Vorsicht genießen. Hier kann es allzu schnell dazu kommen, dass Betroffene in eine Kategorie oder Phase sortiert werden, die nicht zu 100 Prozent zu ihnen passt. Die Symptome jeder Krankheit sind immer sowohl individuell als auch ganzheitlich zu betrachten. Nicht immer passen alle Symptome in das vorgelegte Schema. Das gilt im Übrigen für alle Krankheitsbilder. Die Grenzen verwischen und manchmal treten nur einzelne Symptome auf und die Person ist trotzdem erkrankt. Das Erleben der Betroffenen ist der wichtigste Indikator für einen Burnout.

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