Thalassophobie: Was Sie über die Angst vor tiefen Gewässern wissen müssen

Thalassophobie: Was Sie über die Angst vor tiefen Gewässern wissen müssen

Der Anblick der dunklen Tiefen des Meeres, und vor allem auch der Gedanke an die sich in der Dunkelheit verbergenden Gefahren, löst bei Thalassophobikern und Thalassophobikerinnen starke Ängste aus. Was es mit der Angst vor tiefem Wasser auf sich hat, erfahren Sie hier.

Angststörungen und Phobien: Die Grundlagen

Jeder Mensch kennt Angst. Das Grundgefühl ist für uns überlebenswichtig und spielt aus evolutionärer Sicht eine entscheidende Rolle, um uns vor Situationen zu bewahren, die für unser leibliches Wohl gefährlich werden könnten. Dass wir uns von Zeit zu Zeit situationsbedingt ängstigen, ist also völlig normal. Für einige Menschen ist Angst aber ein ständiger Begleiter, sie werden von ihren Ängsten kontrolliert und erleben sie als unverhältnismäßig stark. Man spricht dann von Angststörungen.

Angststörungen können ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Neben generellen und unspezifischen Angststörungen kennen wir auch Phobien. Solche konkreten Angststörungen sind auf spezifische Dinge ausgerichtet. Situationen, Objekte, Tiere, Menschen oder Umgebungen können Phobien auslösen. Bei der Platzangst (Agoraphobie) etwa erleben Betroffene panische Angstattacken auf offenen Plätzen und in dichten Menschenmengen. Die Klaustrophobie, die Angst vor engen, geschlossenen Räumen, ist das Gegenstück dazu. Bekannt – und durchaus nachvollziehbar – ist die Angst vor Spinnen, die Arachnophobie. Das grundsätzliche Unbehagen vor potenziell giftigen Spinnen, engen Räumen oder dichten Menschenmengen ist ganz natürlich und erfüllt eine gewisse Schutzfunktion für uns Menschen. Bei Phobien allerdings sind diese natürlichen Ängste stark übertrieben. Die Angstreaktion steht in keinem Verhältnis mehr zum Auslöser.

Auch interessant: An diesen Anzeichen können Sie Angststörungen erkennen > >

Die Angst vor tiefem Wasser: Thalassophobie kurz vorgestellt

Eine der selteneren Phobien ist die Angst vor tiefen Gewässern. Die Thalassophobie bedeutet wortwörtlich „Meerangst“. Das Meer steht hier allerdings stellvertretend für große, tiefe Gewässer. Betroffene fürchten sich vor vielen Aspekten, die auf große Gewässer zutreffen können: Die Tiefe und Dunkelheit von Seen, Meeren und Ozeanen löst bei Phobikern und Phobikerinnen Angst aus. Auch der Gedanke daran, hilflos auf offener See ausgesetzt zu sein oder nicht zu wissen, welche vermuteten Schrecken sich nur wenige Meter unter der dunklen Wasseroberfläche verbergen mögen, lässt Betroffene dieser speziellen Angststörung in Panik verfallen.

Da es sich bei der Angst vor den Tiefen des Meeres um einen wirklich sehr speziellen Furchtauslöser handelt, der im Alltag der meisten Menschen kaum eine Rolle spielen dürfte, können Meeresphobiker und -phobikerinnen mögliche Trigger verhältnismäßig einfach umgehen. Viele Betroffene von Thalassophobie entwickeln Vermeidungsstrategien und können Aufenthalte am Strand oder Schiffsfahrten und Seereisen einfach aus ihrem Leben streichen.

So entsteht die Angst vorm Meer

Die Angst vor tiefem Wasser ist gar nicht so abwegig und lässt sich evolutionär und menschheitsgeschichtlich gut erklären. Menschen sind seit jeher darauf geschult, natürliche Gefahrenquellen rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Dass sich in der Dunkelheit potenzielle Fressfeinde und Räuber verstecken könnten, ist eine der wichtigsten Lektionen, die unsere Vorfahren lernten. Wenn sich nun beim Blick in die Dunkelheit unsere Nackenhaare aufstellen und der Harzschlag beschleunigt, bereitet unser Körper eine mögliche Flucht vor und lässt uns durch Hormonausschüttung wacher, fokussierter und generell aufmerksamer sein. Und wo ist es dunkler als beim Blick in die Tiefen von Gewässern? Je größer das Gewässer, desto mehr potenzielle Gefahren verbergen sich unter der Wasseroberfläche. Dass uns auf offener See also unbehaglich wird, scheint normal zu sein.

Angststörungen wie die Thalassophobie stellen aber der Definition nach übertriebene und unverhältnismäßige Reaktionen unseres Körpers auf die dunklen Tiefen der Ozeane dar. Das Entstehen solcher Phobien kann auch sehr individuelle Ursachen haben. Ängste nämlich werden häufig „erlernt“. Schlechte oder traumatische Erfahrungen können Menschen unterbewusst ein Leben lang prägen und sich in Phobien manifestieren. Auch können in manchen Fällen schlicht und einfach die Gene für das eigene Angstempfinden und die generelle Ängstlichkeit verantwortlich gemacht werden. Wer zu starker Angst neigt, meidet mitunter bestimmte furchteinflößende Situationen. Durch solche Vermeidungsstrategien können Ängste aber sogar noch verstärkt werden und sich zu Phobien entwickeln.

Das gibt es wirklich? So äußert sich die Emetophobie, die ständige Angst zu erbrechen > >

Angst vor tiefem Wasser: Diese Anzeichen sind typisch für Thalassophobie

Phobien unterscheiden sich in den körperlichen Reaktionen, die sie bei Betroffenen auslösen, nicht. Einzig der spezifische Auslöser der Angststörung unterscheidet sich je nach Phobie. Angststörungen machen sich in der Regel und abhängig von der Schwere der Phobie durch folgende Anzeichen bemerkbar:

  • erhöhter Herzschlag
  • Mundtrockenheit
  • Schweißausbrüche
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Übelkeit
  • Schwindel
Lade weitere Inhalte ...