Anti-Aging Kollagen oder nicht?

Früher war es der Star in fast jeder Anti-Falten-Creme. Jetzt steht Kollagen in Mascara, Lippenstift und Pflege erneut im Rampenlicht.

Vorteile Kollagen

Filmreife Wirkung

Nanu! Bedeutet das etwa, dass Kollagen wirkungslos ist? Nicht unbedingt. Es funktioniert nur anders, als man denkt. Dr. Peter Neumann: „Die Haut sieht nach dem Auftragen tatsächlich sofort frischer und glatter aus, da Kollagen einen Feuchtigkeit spendenden Film auf der Haut bildet.“ Bloß den angepriesenen Langzeiteffekt aufs Bindegewebe gibt es nicht. Genau diese Wirkweise ist übrigens auch der Grund dafür, dass Kollagen immer öfter in Mascara und Lippenprodukten steckt: Ein feiner Kollagenfilm lässt Wimpern optisch fülliger wirken und polstert Lippenfältchen mit extra viel Feuchtigkeit auf. Sogar zum Verschließen chronischer Wunden lässt sich der abdeckende Effekt von Kollagen nutzen. Im Gegensatz zu Unterspritzungen mit Kollagen gibt es bei der äußerlichen Anwendung auch höchst selten Allergien. „Das gilt besonders für Kollagen aus Quallen“, bestätigt Thorsten Walter, Biologe beim Kieler Unternehmen OceanBasis, das Meereskollagen und Algenextrakt für Kosmetik und Medizinprodukte herstellt.

Mehr Tiefgang, bitte!

Vielen Beauty-Herstellern reicht ein Wirkstoff, der an der Oberfläche bleibt, aber nicht aus. Sie wollen das ganz große Kino. Um die Aufnahme des Kollagens in tiefere Hautschichten zu ermöglichen, tüfteln Kosmetikwissenschaftler deshalb Tricks aus. Alcina zerkleinert die Makromoleküle des Kollagens z. B. mit Hilfe untergemischter Enzyme, während Dr. Babor sie an Hyaluronsäure andocken lässt, die es in die Haut schleusen soll.

Hilfe zur Selbsthilfe

Andere Produkte enthalten übrigens gar kein Kollagen, sondern Wirkstoffe, die die hauteigene Kollagenbildung anregen sollen. Oft handelt es sich bei diesen Aktivatoren um einzelne Kollagenbausteine wie Peptide, Aminosäuren oder Hydroxyprolin, die den kollagenbildenden Zellen durch ihre Bruchstückhaftigkeit eine Verletzung vorgaukeln. „Solche Wirkstoffe, die die Kollagenproduktion wieder in Schwung bringen, sind in meinen Augen sogar sinnvoller als Cremes mit echtem Kollagen“, sagt Dr. Birgit Kunze, Hautärztin aus Hamburg. Hinzu kommt, dass Zutaten wie Peptide oft synthetisch oder aus Soja hergestellt werden, so dass kein Tier dafür leiden muss. Und was ist mit Phytokollagen aus Braunalgen? Dr. Kunze: „Darin stecken bestimmte Aminosäuren, die die Kollagenbildung ankurbeln. Mit echtem Kollagen hat das aber nichts zu tun.“

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Autor: Kerstin Brockmann

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