13. September 2011
Gesichtsbehandlungen im Test

Gesichtsbehandlungen im Test

Ein Besuch im Kosmetikstudio ist nicht gerade günstig. Da will niemand die „Katze im Sack“ buchen. Darum stellen wir Ihnen fünf verschiedene Anti-Age-Gesichtsbehandlungen vor, die sich sichtbar lohnen und ihren Preis wert sind – alle von der Redaktion getestet. Zum Beispiel mit hoch dosierter Dermo-Kosmetik, mit Hightech-Pflanzenextrakten oder mit echter Naturkosmetik. Auch eine Expressbehandlung zum schnellen Auffrischen war dabei. Entdecken Sie Ihren Favoriten und lesen Sie, was Sie wissen sollten, bevor Sie einen Termin vereinbaren

Gesichtsbehandlung
© iStockphoto
Gesichtsbehandlung

Schneller Frischmacher: Blitz-Beauty in der Mittagspause mit exotischen Früchten

Ich liebe Beauty-Quickies, und die sommerliche Gourmet-Behandlung mit Mango und Ananas von Sothys klingt verlockend. In nur 40 Minuten soll mein Teint dank der vitamin- und nährstoffreichen Früchte zart und geschmeidig werden. Susanne Enders empfängt mich in ihrem kleinen Studio. Nach kurzer Reinigung löst ein Enzympeeling verhornte Hautschüppchen. „Das wirkt bei Couperose sanfter als mechanische Partikel“, erklärt sie.
Entspannt döse ich auf der bequemen Liege, genieße nun die 15-minütige Relaxmassage mit duftender Mangobuttercreme. Auch meinem Bauch macht das Kneten, Zupfen, Streichen im Gesicht hörbar Spaß – er äußert sich mit lauten Glucksgeräuschen. Muss mir das jetzt peinlich sein? „Das passiert vielen Kunden“, lacht Susanne Enders, „es ist nur hörbarer Ausdruck Ihrer Entspannung.“ Auf die „gebutterte“ Haut kommt dann ein talgregulierendes, Feuchtigkeit spendendes Ananasgel als „Untermaske“. „Die Wirkung der Früchte wird intensiviert, indem ich darüber eine abziehbare Maske auf Algenbasis auftrage. Mögen Sie während der Einwirkzeit eine Handmassage?“ Aber ja! Es überrascht mich, wie angenehm die sogenannte Pellikularmaske die Haut kühlt. Das Ananasgel für meinen Teint sorgt dann für den abschließenden Frischekick. Toll, diesen Beauty-Snack sollte ich mir öfter gönnen. 40 Minuten ca. 44 Euro

Gaby Hink, freie Beauty-Autorin

Hochleistungswirkstoffe für eine vitalere Ausstrahlung

Schlau und entspannt – so entlässt mich Petra Heß aus ihrer Luxus-HSR-Behandlung. Unwissend und abgekämpft nach einem stressigen Tag hatte ich ca. eineinhalb Stunden zuvor das Babor-Beauty-Center betreten. Fältchen, Rötungen, müder Teint: Meine Haut zeigte deutlich, dass sie nicht mehr die jüngste ist. Höchste Zeit, ihr etwas Gutes zukommen zu lassen. Frau Heß beginnt mit einer Reinigung mit HY-Öl und dem wundervoll duftenden „Phytoactive Reactivating“-Extrakt aus Essenzen von Süßmandeln, Datteln und Ginkgo Biloba, um dann mit sanften Pinselstrichen eine durchblutungsfördernde Maske aufzutragen.
Es folgen Enzym- und Mildpeelings, die meine abgestorbenen Hautschüppchen entfernen. So viel Aufwand für ein sauberes Gesicht? „Die Reinigung ist das A und O, nur so kann Ihre Haut die Hochleistungswirkstoffe perfekt aufnehmen“, weiß Frau Heß. Sie erklärt mir auch, warum ich so viele Milien entwickele (meine trockene Haut hat nicht die Kraft, Talg an die Oberfläche zu befördern). Gut informiert schließe ich die Augen und genieße die Liftingmassage, bevor ich für 20 Minuten unter einer Modelagemaske verschwinde. Auf meiner Haut liegt ein wirkstoffgetränktes Baumwollvlies, darüber die Gipskompressen der Modelage. „Das intensiviert die Wirkung der Pflegeprodukte“, sagt Petra Heß. Stimmt. Meine Haut sieht nach der Behandlung wieder rosig aus und strahlt. Super! 90 Minuten ca. 86 Euro

Katja Burghardt, Chefredakteurin

Nur eine gesunde Haut ist eine schöne Haut!

„Sie haben eine Seborrhoea sicca – der Haut fehlt Feuchtigkeit, Fett hat sie genug“, diagnostiziert Nicole Künzel, während sie durch eine Riesenlupe mein Gesicht betrachtet. „Und Ihr Teint ist sehr empfindlich. Sie leiden sicher an Allergien.“ Volltreffer! Hinzu kommt, dass ich als Beauty-Chefin viele Produkte durcheinander ausprobiere. Gehört schließlich zum Job! „Die reichhaltigen Anti-Age-Cremes lassen Sie lieber erst einmal weg“, rät die dermazeutische Fachkosmetikerin und Chefin bei „Beauty Cultur“. „Zunächst müssen wir die Basis von innen aufbauen, damit Ihre Haut wieder in Balance kommt.“
Die Epidermale Aufbau-Behandlung beginnt. Reinigung, Peeling – dann greift Nicole Künzel zum braunen Fläschchen mit Pipette. Erinnert mich irgendwie an homöopathische Magentropfen. Von wegen: Es enthält ein hoch konzentriertes Serum der dermatologischen Hightech-Pflege „Skinceuticals“ aus den USA. Zehn Prozent reines Vitamin C, Phloretin aus Apfelextrakt und pflanzliche Ferulasäure – geballte Anti-Oxidanzien-Power, die meine Hautzellen zukünftig vor bösen freien Radikalen schützt, Pigmentflecken und Fältchen mildert. Das zweite Fläschchen mit Hyaluronsäure plus Vitamin B5 macht trockene Partien wieder schön geschmeidig. Je fünf Tropfen genügen für mein Gesicht und Dekolleté. Und die massiert Frau Künzel mit einer Akupressurmassage gekonnt ein. Nichts duftet, nichts fettet, wir schweigen, und ich genieße. Noch eine Maske und Tagespflege – jetzt sehe ich wirklich frisch aus. Wer will da noch Make-up. 90 Minuten ca. 89 Euro

Christina Schmidt, Ressortleiterin Beauty

Stille Schönheitsrituale mit rhythmischen Massagen und milden Pflanzenextrakten

Kosmetikstudios sind eigentlich nicht meins. Dieses Herumgedrücke und Geziepe im Gesicht, unterlegt mit der kompletten Lebensgeschichte der Behandlerin – der pure Stress! Im „Imageraum“ von Kosmetikerin Ute Blödorn, mitten im quirligen Hamburg-Eimsbüttel, ist alles anders. Nach einem Hautanalyse-Check fast 70 Minuten einfach nur Ruhe. Kein Sterbenswörtchen, im Hintergrund nur leise meditative Klaviermusik. Dazu der fast sinnliche Duft ätherischer Naturöle. Sie erinnern mich an eine satte Blumenwiese, irgendwie auch an frisch gewaschene Wäsche in der Sommersonne. Die Aromen steigen aus hoch konzentrierten Pflanzenextrakten in meine Nase. Die Kosmetikerin hat sie – maßgeschneidert für meine „durstige und müde Haut“ – aus den neun verschiedenen Anwendungsvarianten der Clarins Methode Pro zusammengestellt.

Was wünscht sich die Kosmetikerin von ihren Kunden? 

 

  • Mehr persönliche Anerkennung und Respekt für ihre Arbeit, nicht alles sollte als selbstverständlich gelten.
  • Ihre kosmetischen Anregungen, Hinweise oder Empfehlungen sollten angenommen statt „abgebügelt“ werden. 
  • Eine Rückmeldung der Kundin, wenn etwas nicht gefällt. Dann kann sie ihre Arbeit entsprechend anpassen. 
  • Platzende Termine rechtzeitig absagen – am besten 24 Stunden vorher –, nur so kann sie eine andere Kundin als Ersatz finden.

 

In Gesicht, Hals, Dekolleté, ja sogar Nacken und Arme massiert Ute Blödorn das revitalisierende Pflegeprogramm „Strahlende Leuchtkraft“ ein: Bioenzym-Peeling plus sieben Masken- und Wirkstoffkonzentrate. Mit einem hingehauchten Streichen, Drücken und Kreisen. Rhythmisch wie mein Herzschlag – im Takt der „Kunst der Berührung“, wie sie das Clarins-Ritual nennt. Ich mag das, meine Seele, meine Haut. Die leuchtet wirklich, fühlt sich so prall an. Jung irgendwie und weit „geöffnet“. 75 Minuten ca. 120 Euro

Susanne Schütte, Ressortleiterin Gesundheit

Viel duftende Natur und überraschende Berührungen

Ein fester Händedruck, ein gerader Blick, und die gebuchte straffende Behandlung beginnt – allerdings am anderen Ende meines Körpers: mit einem Fußbad. Michaela Lindenau, Dr.-Hauschka-Naturkosmetikerin, massiert meine Füße und Unterschenkel, dann meine Arme. Was für eine Ouvertüre! Danach werde ich auf eine Liege gebettet. Wenn ich in den nächsten Stunden überhaupt mal gucke, dann in den Baum vor dem Fenster. Ansonsten genieße ich mit geschlossenen Augen. Los geht’s mit warmen Kompressen, die nicht nur die Haut entspannen und beruhigen.
Meine To-do-Liste, gedanklich sonst immer parat, entschwebt in weite Ferne. Es folgt das Ausreinigen der Haut, aber kein Peeling – das widerspräche der Hauschka-Philosophie. Kernstück ist die Lymphstimulation. Sorgfältig streicht Frau Lindenau immer wieder über mein Gesicht, um die Augen herum und über meinen Hals, um das Gewebe zu entstauen. Ich wusste aus dem Prospekt, dass sie dafür auch Pinsel verwendet – aber ich muss kurz die Augen öffnen, um zu sehen, wann Pinsel oder Finger zum Einsatz kommen. Erstaunlich, wie angenehm fest sich so ein Pinselstrich anfühlt. Die Behandlung endet mit kühlen Kompressen, die göttlich nach Zitrone duften. Ich verlasse das „Kosmetikzimmer“ mit dem beschwingten Gefühl, dass dieser Tag mir gehört – obwohl ich direkt in die Redaktion an den Schreibtisch muss. 135 Minuten ca. 125 Euro

Juliane Schaffrath, Textchefin

Lade weitere Inhalte ...