20. Juli 2021
Corona-Impfung: Was sind die Nebenwirkungen?

Corona-Impfung: Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?

Viele Menschen fragen sich, wie verträglich die neuen Corona-Impfstoffe sind. Welche Impfreaktionen sind zu erwarten und gibt es gefährliche Langzeit-Nebenwirkungen? Wir klären auf.

Die Corona-Impfungen laufen bereits seit einigen Monaten. Lehnten am Anfang noch viele Personen die neuen Impfstoffe ab, ist die Impfbereitschaft in den vergangenen Monaten gestiegen, wie die Ärzte Zeitung berichtete. Allerdings bleibt weiterhin eine Skepsis gegenüber Wirksamkeit sowie möglichen Nebenwirkungen der Corona-Impfung bestehen.

Wie wirksam sind die Corona-Impfstoffe?

Der Corona-Impfstoff des Pharmaunternehmens BioNTech verspricht eine hohe Wirksamkeit von 95 Prozent. Ein sogenanntes mRNA-Molekül wird injiziert, wo es in den menschlichen Zellen ein Eiweiß des Virus herstellt und das Immunsystem anregt, Abwehrstoffe zu bilden. Auch der mRNA-Impfstoff von Moderna verspricht eine ähnliche Wirksamkeit, wie eine amerikanische Studie belegte. Laut der Studienergebnisse besitzt dieser Impfstoff eine Wirksamkeit von 95 Prozent. Der dritte zugelassene Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens AstraZeneca ist ein Vektorimpfstoff, der genetisches Material eines Oberflächenproteins enthält, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Anders als die Impfstoffe von BioNTech und Moderna hat der AstraZeneca-Impfstoff jedoch eine Wirksamkeit von 60 bis 70 Prozent.

Die Impfstoffe sollen nicht nur vor einer Ansteckung schützen, sondern auch – im Falle einer Ansteckung – die Symptome lindern, sodass ein schwerer Verlauf verhindert werden kann.

Wie verträglich sind die Corona-Impfstoffe?

Viele Menschen stellen sich die Frage, ob der neue Impfstoff auch Nebenwirkungen mit sich bringen wird und wenn ja, welche. Laut BioNTech ist der Impfstoff BNT162b2 gut verträglich. Es treten unmittelbar nach der Impfung lediglich leichte bis moderate Nebenwirkungen auf, die schnell wieder abklingen, so das Pharmaunternehmen. Bislang wurde laut BioNTech bereits festgestellt, dass bei älteren Probanden weniger und schwächere Nebenwirkungen auftraten.

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Nach Corona-Impfung: Diese Nebenwirkungen sind zu erwarten

Bei geimpften Probanden treten am häufigsten Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen, Schüttelfrost sowie Rötungen an der Einstichstelle auf. Diese grippeähnlichen Impfreaktionen sind ganz normal und kein Grund zur Sorges, sondern zeigen, dass sich Ihre Immunabwehr mit dem Impfstoff auseinandersetzt und Antikörper bildet.

In Prozentzahlen ausgedrückt, sieht dies folgendermaßen aus:

BioNTech/Pfizer-Impfstoff:
Schmerzen an der Einstichstelle > 80 %
Abgeschlagenheit > 60 %
Kopfschmerzen > 59 %
Frösteln > 30 %
Gelenkschmerzen > 20 %
Muskelschmerzen > 30 %
Schwellungen an der Injektionsstelle und Fieber >10 %
Erbrechen > 1 %
Lymphknotenschwellungen am Hals > 1 %

Moderna-Impfstoff
Schmerzen an der Einstichstelle: > 90 %
Abgeschlagenheit 70 %
Kopf- und Muskelschmerzen: > 60 %
Gelenkschmerzen und Schüttelfrost: > 40 %
Übelkeit oder Erbrechen: > 20 %
Fieber: > 10 %
Schwellung und Rötung an der Einstichstelle: > 10 %
Lymphknotenschwellungen in der Achselhöhle > 10 %
Allgemeiner Ausschlag und Nesselsucht: 1- 10 %
Juckreiz an der Einstichstelle: 0,1-1 %

Die Mehrzahl der Reaktionen ist bei älteren Personen etwas seltener als bei jüngeren Personen zu beobachten. Die meisten Symptome treten nach der zweiten Injektion auf. Um die grippeähnlichen Symptome zu lindern, können Sie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol nehmen. In einem offiziellen Aufklärungsblatt zur Corona-Impfung des Robert-Koch-Instituts heißt es:

Bei Schmerzen oder Fieber nach der Impfung können schmerzlindernde/fiebersenkende Medikamente (z. B. Paracetamol) eingenommen werden. Ihre Hausärztin/Ihr Hausarzt kann Sie hierzu beraten.

Experten wie Thomas Herdegen, stellvertretender Direktor des Institutes für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Universität Kiel, rät jedoch, Schmerzmittel frühestens nach sechs Stunden einzunehmen. Eine zu frühe Einnahme stehe im Verdacht, die Bildung der Antikörper zu beeinträchtigen. Mehr zu diesem Thema finden Sie hier.

Hirnvenenthrombosen nach AstraZeneca-Impfung

Nach Impfungen mit dem Vektorimpfstoff AstraZeneca gab es einige Fälle von Hirnvenenthrombosen. Daraufhin stoppte die Bundesregierung vorsorglich die Verteilung des Vektorimpfstoffes, um die Fälle weiter zu analysieren und mögliche Kausalitäten zwischen Impfung und den auftretenden Hirnvenenthrombosen aufzudecken.

Nach einem mehrtägigen Impfstopp wurden die Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff fortgesetzt. Wie der NDR berichtete, informiert nun ein Aufklärungsbogen über die seltenen Komplikationen von Blutgerinnseln im Gehirn und ihre Symptome. Die Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) sieht Medienberichten zufolge aber grundsätzlich keine erhöhten Gesundheitsgefahren und empfiehlt die Fortsetzung der Impfungen. „Der Impfstoff ist sicher und effektiv gegen Covid-19, und die Vorteile sind wesentlich größer als die Risiken“, sagte EMA-Chefin Emer Cooke. Von Ende März bis Mai änderte jedoch die Ständige Impfkommission (STIKO) ihre Impfempfehlung für den Vektorimpfstoff. Demnach sollten nur noch Menschen im Alter von 60 bis 69 Jahren mit AstraZenenca geimpft werden. Anfang Mai wurde bundesweit der Impfstoff für alle impfwilligen Personen ab 18 Jahren wieder freigegeben.

Anzeichen einer Hirnvenenthrombose nach der Impfung

Ein der häufigsten Nebenwirkungen nach dem Impfen sind Kopfschmerzen. Treten diese allerdings zwei bis drei Wochen nach der Impfung auf und halten über einen Zeitraum von mehreren Tagen an und sind die Kopfschmerzen besonders stark, sodass sie sich nicht mit üblichen Schmerzmitteln lindern lassen, kann es sich hierbei um eine Hirnvenenthrombose handeln. Neurologische Symptome wie halbseitige Lähmungen und/oder Gefühlsstörungen, Sprachstörungen oder epileptische Anfälle sind ebenfalls Anzeichen einer Hirnvenenthrombose. Bemerken Sie außerdem Blutergüsse oder kleine, punktförmige Einblutungen in der Haut, vor allem an Armen und Beinen, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Hirnvenenthrombosen auch bei älteren Frauen

Die deutsche Gesellschaft für Neurologie hat die aufgetretenen Fälle von Hirnvenenthrombosen in Deutschland neu ausgewertet. Das Ergebnis: Prinzipiell kann die sehr seltene Nebenwirkung auch bei älteren Frauen und Männern auftreten. So erklärt der Neuroepidemiologe Professor Dr. Tobias Kurth, Direktor des Instituts für Public Health an der Berliner Charité: "Die Inzidenzrate der Hirnvenenthrombosen bei Frauen unter 60 nach Gabe des Astra-Zeneca-Impfstoffs betrug 24,2/100.000 Personenjahre, die von Frauen über 60 nach Gabe des gleichen Impfstoffs 20,5/100.000 Personenjahre. Unsere Daten zeigen also: Auch ältere Frauen haben ein erhöhtes Risiko, Sinus- und Hirnvenenthrombosen nach Gabe des Astra-Zeneca-Vakzins zu erleiden." Kurth empfiehlt eine neue Risiko-Nutzen-Analyse für das Vakzin durchzuführen.

Nach Biontech-Impfung: Fälle von Herzmuskelentzündungen

Daten aus Israel zeigen, dass es in seltenen Fällen nach der zweiten Biontech-Impfung zu einer Herzmuskelentzündung (Mykarditis) kommen kann. Betroffen waren vor allem Männer unter 30 Jahren. Die Entzündungen am Herzen waren in der Regel mild und waren nach einigen Tagen auskuriert. Eine Mykarditis erkennen Sie an Herzbeschwerden wie Brustschmerzen und schnelle Pulsanstiege sowie an Fieber und Erschöpfung.

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Stärkere Impfreaktionen nach Kreuzimpfung

Junge Impfwillige, die als erste Dosis AstraZeneca erhalten haben, sollen auf Anraten des Robert-Koch-Instituts als zweite Dosis einen mRNA-Impfstoff – also die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna – bekommen. Ersten Erkenntnissen zufolge soll die sogenannte Kreuzimpfung sehr wirksam gegen das Coronavirus sein. Eine Studie aus Oxford untersuchte die Verträglichkeit der Mischimpfungen. Demnach treten nach der Impfung häufiger und stärkere Impfreaktionen auf. Zwischen 60 und 80 Prozent der geimpften Studienteilnehmer klagten über grippeähnliche Beschwerden.

Corona-Impfung: Allergische Überreaktion sind selten

Allergische Überreaktionen sind sehr selten und treten innerhalb der ersten halben Stunde nach der Impfung auf. Menschen, die Reaktionen auf die erste Impfung zeigen oder Allergien gegen Inhaltsstoffe der Impfungen haben, sollten nicht geimpft werden.

Über schwerwiegende, selten auftretende Nebenwirkungen konnten bislang noch keine Aussagen getroffen werden. Diese sind erst nach einer längeren Beobachtungszeit und nach vielen Impfungen festzustellen. Auch nach der Zulassung werden daher weitere klinische Studien fortgeführt, um diese zu erfassen. Grundsätzlich gilt jedoch laut dem Bundesministerium für Gesundheit: „Jeder Impfstoff muss sicher, wirksam und gut erprobt sein, bevor er eine Marktzulassung in der EU bzw. in Deutschland erhält.“ Das Bundesministerium für Gesundheit plant, dass mögliche Nebenwirkungen von Betroffenen zukünftig in einer App gemeldet werden sollen. So sollen Impfstoff-Hersteller und Behörden laufend Daten über Verträglichkeit sowie Dauer der Wirksamkeit sammeln können.

Nach der Impfung gegen das Coronavirus: Wie verhalten?

Nach der Impfung kann der Arm leicht schmerzen, deshalb sollten Sie ihn ein wenig schonen und gegebenenfalls kühlen. Da das Immunsystem nach der Impfung gut gefordert ist, sollten Sie es nicht zusätzlich belasten. Leichte körperliche Betätigung wie eine kurze Joggingrunde oder Radfahren sind in Ordnung – bleiben Sie jedoch deutlich unter Ihrer Leistungsgrenze. Sie sollten auch in den ersten Tagen nach der Impfung starken Alkoholkonsum vermeiden, da dessen Abbau eine zusätzliche Belastung für den Körper dargestellt. Sparen Sie sich Ihre Energie daher ganz für die Bildung der Antikörper auf.

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Corona-Impfung: Gibt es Langzeit-Nebenwirkungen?

Bei der Impfung gegen Covid-19 seien laut Experten keine gefährlichen Langzeit-Nebenwirkungen zu befürchten. „Langzeit-Nebenwirkungen, die erst nach Jahren auftreten, sind bei Impfstoffen generell nicht bekannt", erklärt Susanne Stöcker, Pressesprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts, im Gespräch mit ZDFheute. Stöcker bestätigte, dass der mRNA-Impfstoff schnell nach der Impfung abgebaut wird. Daten deuten darauf hin, dass die mRNA nach etwa 50 Stunden im Körper nicht mehr nachweisbar seien, die Expertin.

Dies bestätigte auch das Bundesministerium für Gesundheit, das sich online zu Auswirkungen des Impfstoffes auf die DNA äußerte: „Ein direkter Einbau von mRNA aus dem Impfstoff in die DNA ist nicht möglich, da sich die chemischen Strukturen voneinander unterscheiden. In 60 Jahren mRNA-Forschung haben Wissenschaftler:innen noch nie beobachtet, dass mRNA aus dem Zellplasma in den Zellkern eindringt und somit das Erbgut verändern könnte.“

Quellen: Bundesministerium für Gesundheit, rki.de, tagesschau.de, stern.de, heute.de

Video: Corona-Impfung – so wahrscheinlich ist es, dass Nebenwirkungen Jahre später auftreten

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