30. Juli 2021
Samenstau: Was passiert, wenn man keinen Samenerguss hat?

Samenstau: Das passiert, wenn man lange keinen Samenerguss hat

Samenstau, Kavaliersschmerzen und geschwollene Hoden – können ausbleibende Ejakulationen wirklich solche Symptome verursachen? Wir verraten Ihnen, was wirklich passiert, wenn man lange keinen Samenerguss hat.

Um den Samenstau ranken sich einige Mythen und Märchen. Manche Männer schildern nach längerer Enthaltsamkeit einen spürbaren „Druck auf dem Kessel“ oder sprechen von „dicken Eiern“ sowie „Kavaliersschmerzen“. Aber gibt es den Samenstau, der mit Schmerzen und einem Druckgefühl verbunden ist, wirklich? Dazu lohnt sich ein Blick auf die physiologischen Vorgänge, die bei ausbleibendem Samenerguss im Körper vor sich gehen.

Samenstau: Das passiert, wenn man lange keinen Samenerguss hat

Die männlichen Hoden produzieren fortlaufend Spermien und die Prostata produziert ständig Samenflüssigkeit. Diese Prozesse laufen fortwährend ab – egal, ob Samenergüsse erfolgen oder nicht. Anhand dieser Tatsache wäre die Ableitung logisch, dass sich bei Männern, die über einen längeren Zeitraum keinen Samenerguss haben, ein gewisser Druck in den Gefäßen der Hoden, der Prostata und der Samenleiter bildet. Ein Samenstau wäre die Folge. Allerdings hat der männliche Körper für enthaltsame Zeiten eine einfache biologische Lösung parat.

Spermien, die zwar produziert, aber nicht durch einen Samenerguss aus dem Körper befördert werden, können über den Prozess der Resorption abgebaut werden. Dabei lösen sich die Spermien auf und ihre Einzelteile werden dann über die Blutbahnen und Lymphwege abtransportiert. Eine andere Möglichkeit, überflüssiges Sperma loszuwerden, ist die sogenannte Pollution. Dieser Vorgang wird umgangssprachlich auch als „feuchter Traum“ bezeichnet, wobei keinerlei sexuelle Stimulation oder sexuell anregende Träume dafür notwendig sind. Die Ejakulation geht automatisch vonstatten, ohne dass der betroffene Mann etwas davon merkt. Die Pollution kann je nach Mann bereits nach wenigen Tagen oder erst nach Monaten stattfinden.

Der Körper kann also sehr gut mit aufgestauten Spermien umgehen und sie mit zwei effektiven Möglichkeiten wieder loswerden. Wie kann es dann sein, dass trotzdem einige Männer von geschwollenen Hoden sowie krampfartigen Schmerzen im Genitalbereich berichten, wenn Sie zwar sexuell erregt waren, aber es nicht zur Ejakulation kam.

Interessant für Sportler: Der Testosteronspiegel steigt bei Enthaltsamkeit tatsächlich etwa sieben Tage lang an – danach fällt er jedoch wieder auf das Ausgangsniveau ab.

Verursacht ein Samenstau Kavaliersschmerzen?

Das Phänomen, das unter anderem als „Kavaliersschmerzen“, „Bräutigamsschmerz“ oder im Englischen als „blue balls“ bekannt ist, hat eine simple Erklärung. Allerdings hängt diese Erklärung nicht direkt mit einem Samenstau oder überflüssigen Spermien zusammen. Es handelt sich stattdessen um eine Verkrampfung der Muskulatur der Samenwege. Diese spannt sich immer dann an, wenn ein Mann sexuell erregt wird und Blut in den Penis fließt. Durch die Muskelspannung und den vermehrten Blutfluss in den Schwellkörper wird Druck auf die Nerven der Samenwege ausgeübt.

Kommt es zu länger anhaltender sexueller Erregung ohne Samenerguss, steigt das Druckempfinden in den Samenleitern und Nebenhoden. Die daraus entstehenden Kavaliersschmerzen sind zwar äußerst unangenehm und können mit einer Rötung und Schwellung der Hoden einhergehen. Allerdings ist dieses Phänomen gesundheitlich nicht bedenklich und klingt meist nach ein bis maximal zwei Tagen wieder ab. Ein richtiger Samenstau kommt daher bei gesunden Männern nicht vor. Allerdings kann beispielsweise eine Vasektomie zu Komplikationen wie etwa einem tatsächlichen Samenstau führen.

Tipp: Gegen akute Kavaliersschmerzen hilft moderate, vorsichtige Kühlung der Hoden mit einem kühlen, nassen Tuch. Außerdem kann eine Ejakulation die Beschwerden schnell lindern. Bestehen bei Ihnen länger anhaltende Schmerzen oder Symptome im Genitalbereich, sollten Sie sich jedoch mit Ihrem Hausarzt oder Urologen in Verbindung setzen.

Weniger Prostatakrebs bei häufigen Samenergüssen

Wenn Sie bei voller Gesundheit sind und unter keinerlei Beschwerden im Hodenbereich leiden, haben Sie auch bei längerer Enthaltsamkeit gesundheitlich nichts zu befürchten. Allerdings haben regelmäßige Samenergüsse auch positive gesundheitliche Effekte, die man sich durch Selbstbefriedigung oder Geschlechtsverkehr zunutze machen kann. So fanden etwa Forscher in einer von 1992 bis 2010 laufenden Studie mit über 30.000 männlichen Probanden heraus, dass diejenigen Männer, die häufiger ejakulierten, ein geringeres Risiko für die Entstehung von Prostatakrebs hatten. Das geringste Risiko wiesen Männer auf, die 21 oder mehr Samenergüsse pro Monat erlebten. Es ist daher aus gesundheitlicher Sicht sogar empfehlenswert, regelmäßig Hand anzulegen bzw. geschützten Geschlechtsverkehr zu haben. Regelmäßige Orgasmen verhindern somit nicht nur Kavaliersschmerzen, sondern senken auch Ihr Krebsrisiko.

Video: Krankenkasse empfiehlt Selbstbefriedigung als Einschlafhilfe

Quellen: maennergesundheit.info, urologenportal.de

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