3. Juli 2012
So schützen Sie Zahnschmelz

So schützen Sie Zahnschmelz

Spinat ist gesund. Bananen auch. Für den Körper – aber nicht für die Zähne. Denn Säuren attackieren den Zahnschmelz. Wie Sie ihn am besten schützen, welche Lebensmittel ihm nichts tun und welche schaden: Die Vital-Zahnampel verrät es.

Zahnschmelz
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Zahnschmelz

Kräftig zubeißen, zerkleinern, zermahlen – für unsere Zähne kein Problem: Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz in unserem Körper, härter als jeder Knochen. Doch gerade so gesunde Lebensmittel wie frische Früchte setzen ihm oft mit ihren Säuren zu. Sie weichen die äußere Zahnschicht regelrecht auf, indem sie den wichtigen Bestandteil Kalzium herauslösen. Ein Prozess, den Zahnärzte Erosion nennen.
An so geschädigten Zähnen hinterlässt schon das übliche Putzen tiefe Spuren, die sogenannte Abrasion. Warten Sie deshalb nach dem Verzehr saurer Lebensmittel mindestens eine halbe bis volle Stunde mit dem Bürsten. In dieser Zeit hat der Speichel die Säuren genug entschärft und eine Remineralisierung der Zähne bewirkt.
Bei ständigen Säure angriffen gelingt ihm das aber nicht. Außerdem greifen stark schmirgelnde Zahncremes – z. B. viele Weißmacherprodukte – und sehr harte Borsten den Schmelz zusätzlich an. Wer vorbeugen will, pflegt seine Zähne sehr gründlich, logisch. Hier lesen Sie acht neue Erkenntnisse aus der Forschung, die Sie interessieren werden.
Noch ein Tipp: jeden Bissen 30-mal kauen. Dann kann der Speichel Kariesbakterien neutralisieren, den pH-Wert im Mund normalisieren und die Zähne mit Kalzium und Phosphat versorgen. Zudem massiert der Speisebrei das Zahnfleisch und streift Plaque von den Zähnen.

  1. Nicht zu viel Druck machen Kräftiges Schrubben kann regelrechte Furchen in den Schmelz graben. Ideal sind zwei Minuten Putzzeit mit einem Anpressdruck von 150 Gramm. Tipp: Druck auf einer Küchenwaage testen. Längeres und kräftigeres Putzen beseitigt nicht mehr Beläge.
  2. Unter Beschuss Forscher fanden jetzt heraus, dass Zähne Karies besser widerstehen, wenn man sie kurzen Laserimpulsen aussetzt: Der Laser löst Kohlenstoffverbindungen aus dem Schmelz, die den Zahn anfälliger für Säuren machen. Faustregel: Was ein stumpfes Gefühl auf den Zähnen hinterlässt, enthält viel Säure. Aber: Bei guter Pflege dürfen Sie alles essen.
  3. Schmelz lässt sich draufputzen Studien belegen: Zahnpasta, die eine dem natürlichen Zahnschmelz verwandte Substanz enthält (Zink-Carbonat-Hydroxylapatit, z. B. in „Biorepair“), kann durch Demineralisierung entstandene Schäden ausgleichen. Dann lässt auch die Schmerzempfindlichkeit der Zähne nach.
  4. Zahnpflege fördert Babypläne Immer schön putzen, um schwanger zu werden? Beinahe: Wer regelmäßig zu Bürste und Zahnseide greift, beugt Zahnfleischerkrankungen vor. Und die beeinträchtigen die Fruchtbarkeit.
  5. Ab durch die Mitte Fast ein Drittel der Zahnoberfläche lässt sich mit Standardbürsten nicht erreichen – da sind zwei Kollegen gefragt: Interdentalbürsten reinigen die Zwischenräume dort, wo sich Zähne nicht direkt berühren; Zahnseide befreit die Kontaktpunkte zweier Zähne von Plaque. Nehmen Sie sich für diese Rundumpflege dreimal in der Woche Zeit. Wichtig: Die Seide kommt immer vor dem Zähneputzen zum Einsatz und darf nie ins Zahnfleisch schneiden.
  6. Der richtige Dreh Ob Handzahnbürste oder elektrisches Modell – mit beiden lassen sich gute Putz ergebnisse erzielen. Allerdings verzeihen die Elektrischen eher eine falsche Putztechnik, weil sie vieles automatisch machen. Am besten schnitten in Studien diejenigen ab, die schnelle Drehbewegungen mit Richtungsänderung (oszillierend-rotierend) ausführen (neu: die „Oral-B TriZone“ von Braun).
  7. Öfter mal ’ne Neue Wechseln Sie Ihre Zahnbürste alle zwei Monate aus. Nach drei- bis viermonatigem Putzen lässt die Reinigungswirkung um 30 Prozent nach, und die Verkeimung nimmt stark zu.
  8. Die Saubermacher Fluoride hemmen die Plaquebildung, versiegeln die Zähne und remineralisieren sie sogar. Das macht sie zu einem der wichtigsten Inhaltsstoffe einer Zahncreme (z. B. in „Theramed 2 in1 Power Clean“). Eine gründliche und besonders schonende Sauberkeit erreichen Zahncremes mit speziellen Reinigungsperlen (z. B. „Pearls & Dents“).

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Essen nach dem Ampelprinzip

Einfach wie eine Ampel: Unsere Übersicht verrät, was Ihren Zähnen guttut und was sie angreifen kann.

Hier sehen Zähne rot

  • Zitrone, Grapefruit, Kiwi, Beeren Der Geschmack lässt es erahnen: Die leckeren Früchte haben einen hohen Säuregehalt, der den Zahnschmelz direkt angreift.
  • Rosinen Wer hätte das gedacht: In den kleinen Energiebomben steckt nicht nur jede Menge Zucker, sondern auch extrem viel Säure.
  • Spinat, Mangold, Rhabarber Die reichlich enthaltene Oxalsäure geht eine Verbindung mit dem Kalzium in den Zähnen ein. So wird ihnen der wichtige Mineralstoff entzogen, es kommt zu Schmelzschäden. Zum „Entschärfen“ Rhabarber mit Quark und Spinat mit saurer Sahne kombinieren – das Kalzium aus den Milchprodukten bindet die Säure.
  • Limonade Neben bedenklich viel Zucker steckt in Softdrinks auch eine Menge aggressiver Fruchtsäuren.
  • Fruchtsäfte, Smoothies Sie schädigen den Schmelz stärker als ganze Früchte, weil sie die Zähne umspülen. Deshalb nicht über den Tag verteilt, sondern lieber auf einmal trinken.
  • Rot- und Weißwein Durch das Trinken in vielen kleinen Schlucken greifen seine Säuren den Zahnschmelz wieder und wieder an.
  • Bonbons und Fruchtgummis Für einen besseren Geschmack wird ihnen oft eine Extraportion Säure zugesetzt – lecker, aber leider ziemlich schädlich. Wenn schon, dann auf einmal naschen.
  • Essighaltige Salatsoßen Die setzen den Zähnen unerwartet stark zu. Für Salatfans: öfter mal auf Dressings mit Joghurt oder Sahne ausweichen.

Gelb - Nicht übertreiben

  • Ananas, Orange, Apfel Die Kombination aus Säuren und Zucker darin ist nicht unbedenklich. Der beim Kauen reichlich gebildete Speichel hat aber zumindest einen verdünnenden Effekt.
  • Bananen Sie enthalten mehr Säuren als vermutet. Außerdem bleiben Bananenpartikel lange an den Zähnen kleben. Deshalb lieber in Maßen verzehren – zumal auch ihr Zuckergehalt nicht ohne ist. Am besten mit Wasser nachspülen und innerhalb der nächsten Stunden die Zähne putzen.
  • Erdbeeren Verglichen mit ihren beerigen Verwandten sind sie fast harmlos. Fast. Unterschätzen Sie nicht ihren Säuregehalt.
  • Kirschen und Weintrauben Nur die wenigsten Verbraucher zählen sie zu den sauren Lebensmitteln, doch tatsächlich ist ihr Säuregehalt gar nicht so gering. Wer gedankenlos 40 oder 50 Stück verspeist, wird nicht selten mit schmerzenden Zähnen belohnt. Das unangenehme Ziehen vergeht zwar wieder, es ist aber schon ein deutliches Warnzeichen für kleine Schmelzschäden. Besonders kritisch: Kirschen und Weintrauben verführen zum Dauer-Snacken. Und das bedeutet eine anhaltende Säurebelastung.
  • Rosenkohl Im Gegensatz zu vielen anderen Gemüsesorten stecken in ihm relativ viele Säuren. Deshalb: bitte mit Vorsicht genießen!

Alles im grünen Bereich

  • Wasser Auch mit Kohlensäure ein absolut zahnfreundliches Getränk. Es verdünnt Säuren und reinigt von Essensresten. Trinken Sie ein Glas nach einer säurehaltigen Mahlzeit, weil die Zähne ja noch nicht gleich geputzt werden dürfen.
  • Kohl, Mais, Zwiebeln, Möhren Die meisten Gemüse sind schmelzfreundlich, da sie wenig Säuren, aber viele Fasern enthalten. Faserreiche Kost regt den Speichelfluss an und fördert so die Remineralisierung der Zähne.
  • Käse und Milch Ihr hoher Kalzium- und Phosphatgehalt gleicht kleine Schäden am Zahnschmelz aus. Gleichzeitig wird ein saurer pH-Wert im Mund durch Käse neutralisiert. Obendrein haftet er an den Zähnen und überzieht sie mit einer Schutzschicht, die sie über einen längeren Zeit raum vor Säureangriffen bewahrt.
  • Fleisch und Fisch Beide liefern zahngesunde Mineralstoffe. Außerdem müssen sie kräftig gekaut werden, was den Speichelfluss anregt und die Remineralisierung des Zahnschmelzes unterstützt.
  • Mandeln und Nüsse Das viele Kalzium darin stärkt den Schmelz. Ein zahnfreundlicher Snack – sofern nicht Rosinen dazukommen.
  • Brokkoli, Grünkohl, Fenchel Wie die meisten anderen grünen Gemüse stecken diese drei ebenfalls voll mit zahnfreundlichem Kalzium.
  • Pflaumen Wenig Säuren, aber viel Zucker! Wer sie gern isst, sollte den Mund hinterher kurz mit Wasser ausspülen.
  • Vollkornbrot Sorgfältiges Kauen erforderlich, sehr faserreich – das lässt mehr Speichel fließen und verdünnt Säuren.
  • Fluoridhaltiges Speisesalz Es mineralisiert die Zähne und schützt den Schmelz damit vor dem Angriff von Säuren und Bakterien.
  • Schwarzer und grüner Tee Beide enthalten ebenfalls schmelzstärkendes Fluorid. Aber bitte nicht mit Zitrone oder stark gezuckert trinken. Ein Schuss Milch ist dagegen erlaubt.
  • Zuckerfreie Kaugummis Sie erhöhen den Speichelfluss und entschärfen damit Säuren. Wählen Sie am besten solche mit dem Zuckeraustauschstoff Xylit, der hemmt zusätzlich die Kariesbildung.
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