1. September 2021
MS: Ursachen der Multiplen Sklerose

MS: Die Ursachen der Multiplen Sklerose

Die Diagnose MS zieht Betroffenen und ihren Angehörigen meist den Boden unter den Füßen weg, da die Krankheit im schlimmsten Fall zu einem Leben im Rollstuhl oder dem Tod führen kann. Die Entstehung von MS ist Forschenden noch ein Rätsel. Wir zeigen Ihnen, welche aktuellen Erkenntnisse zu den Ursachen der Multiplen Sklerose vorliegen.

Was ist Multiple Sklerose?

Die Multiple Sklerose (MS) zählt zu den Autoimmunerkrankungen: Das Immunsystem Betroffener stuft bestimmte körpereigene Zellen als feindlich ein und bekämpft diese mit einer Entzündungsreaktion. Im Falle der MS geschieht dies in Gehirn und Rückenmark, dem zentralen Nervensystem des Körpers. Dabei greifen T-Helferzellen die Schutzschicht der Nervenfasern (Myelinscheiden) an, wodurch deren Reizübertragung gestört wird. In der Folge kommt es zu Missempfindungen, Gangstörungen, Lähmungen oder auch Sehstörungen.

Interessant: Der Name Multiple Sklerose leitet sich direkt aus dem Krankheitshergang ab. Dabei entstehen meist an mehreren (multiplen) Orten im Nervensystem Entzündungsherde, die zur Bildung von Narbengewebe (Sklerose) an den angegriffenen Nervenfasern führen.

MS: Die Ursachen der Multiplen Sklerose

Wie bei den meisten Autoimmunerkrankungen ist auch bei der Multiplen Sklerose die genaue Ursache nach wie vor ungeklärt. Forschende gehen jedoch stark davon aus, dass nicht nur die Genetik, sondern auch Umweltfaktoren und der Lebensstil eine entscheidende Rolle in der Entstehung spielen. Vermutlich bricht die Erkrankung nur dann aus, wenn mehrere Risikofaktoren gemeinsam vorliegen.

1. Genetische Veranlagung

Wie beispielsweise bei der rheumatischen Arthritis, die genetisch bedingt schon im Kindes- und Jugendalter auftreten kann, gehen Fachgesellschaften davon aus, dass auch bei MS die Gene eine Rolle spielen können. Zwar wird die Krankheit selbst nicht direkt vererbt, sondern lediglich die Neigung oder Anfälligkeit für den Ausbruch der Erkrankung, wenn noch zusätzlich Risikofaktoren dazukommen.

Übrigens: Frauen sind fast viermal so häufig von MS betroffen wie Männer. Warum das so ist, weiß man bisher nicht. Unter Verdacht steht derzeit ein bestimmtes Protein (S1PR2), welches im weiblichen Gehirn häufiger vorkommt.

2. Krankheitserreger

Bestimmte, durch Viren ausgelöste, Infektionen scheinen ebenfalls im Zusammenhang mit dem Auftreten von MS zu stehen. So gehen Wissenschaftler davon aus, dass vor allem virale Infekte im Kindesalter, z.B. Masern oder Pfeiffersches Drüsenfieber, aber auch die Ansteckung mit Herpes-Viren das Risiko für Multiple Sklerose erhöhen können. Hierbei lösen jedoch nicht die Krankheiten selbst MS aus, sondern die Reaktion des Immunsystems auf die jeweilige Infektion.

3. Zigarettenkonsum

Das Rauchen von nikotinhaltigen Zigaretten scheint ein äußerst kritischer Lebensstil-Faktor im Zusammenhang mit Multipler Sklerose zu sein. Einerseits kann Nikotinkonsum Studien zufolge den Krankheitsverlauf verschlimmern. Andererseits haben Raucher laut Forschung ein 1,5-mal höheres Risiko, an MS zu erkranken, als Nichtraucher. 

4. Vitamin-D-Mangel

Zwar ist noch nicht abschließend geklärt, ob ein Vitamin-D-Mangel tatsächlich als Ursache oder eher als Folge von MS-Erkrankungen auftritt. Dennoch hat ein dänisches Forscherteam 2017 eindrucksvoll gezeigt, dass ein unzureichender Vitamin-D-Status von Neugeborenen mit einem erhöhten Risiko, später an MS zu erkranken, verbunden ist. Hierzu verglichen sie die Blutwerte von 521 Neugeborenen, welche im Erwachsenenalter eine multiple Sklerose entwickelt hatten und 972 Vergleichsprobanden, die gesund blieben. Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine optimale Vitamin-D-Versorgung in der Schwangerschaft für das zukünftige Kind ist.

Des Weiteren stehen Übergewicht, ein hoher Salzkonsum sowie eine geschwächte Darmflora im Verdacht, die Entstehung von MS zu begünstigen. Um die Zusammenhänge endgültig feststellen zu können, sind jedoch noch weitere wissenschaftliche Belege notwendig.

Quellen: dmsg.de, multiplesklerose.ch, neurologen-und-psychiater-im-netz.org

Lade weitere Inhalte ...