Wechseljahre: Welchen Einfluss hat die Pille?

Welchen Einfluss hat die Pille auf die Wechseljahre?

Die Pille ist dafür bekannt, dass Sie in den weiblichen Hormonhaushalt eingreift. Aber was bedeutet das für Frauen in den Wechseljahren? Hat die Pille Einfluss auf die typischen Wechseljahrsbeschwerden? Wir haben uns Rat geholt und bei Gynäkologin Dr. Sheila de Liz nachgefragt.

In den Wechseljahren stellt sich der Körper hormonell um. Die Eierstöcke produzieren nach und nach weniger Geschlechtshormone, der Eisprung bleibt häufiger aus, die monatliche Regelblutung wird unregelmäßiger, sodass allmählich die Fruchtbarkeit der Frau abnimmt. Um eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden, nehmen viele Frauen die Pille. Das Hormonpräparat ist das sicherste und meist genutzte Verhütungsmittel überhaupt. Allerdings entscheiden sich immer mehr Frauen gegen diese Verhütungsmethode, die verschiedene Nebenwirkungen wie ein erhöhtes Thrombose-Risiko, depressive Verstimmungen oder Wassereinlagerungen hervorrufen kann und bewusst in den weiblichen Hormonhaushalt eingreift. 

Der Einfluss der Pille auf die Wechseljahre

Was bedeutet dieser Eingriff aber für Frauen, die weiterhin die Pille nehmen möchten, sich aber in den Wechseljahren befinden? Gerade in dieser Zeit gibt es zusätzliche, enorme hormonelle Umstellungen. Frauen, die bereits vor Beginn der Wechseljahre die Pille nehmen, können die typischen Wechseljahrsbeschwerden wie Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen oder eine ausbleibende Periode gar nicht mitbekommen. Der Grund: Die Pille kann diese Beschwerden unterdrücken. Um genau zu überprüfen, ob Sie sich bereits in den Wechseljahren befinden, hilft daher nur ein Absetzen der Pille.

Ist es daher ratsam, die Antibabypille weiter zu nehmen? Und wie lange sollten Frauen die Pille nehmen? Wir haben bei Dr. Sheila de Liz, Gynäkologin, Buchautorin und Always Discreet-Expertin, nachgefragt:

Wechseljahre und Pille? Dr. Sheila de Liz klärt auf

„Im Prinzip können Frauen die Pille bis zum 52. Lebensjahr nehmen, wenn sie sie bis dann immer noch vertragen und früh damit angefangen haben. Das heißt aber nicht, dass sich der Körper erstmals mit Mitte 40 auf eine Pille einstellen kann – nur wenn sie schon lange genommen wird und es klappt, ganz nach dem Motto: 'Never change a winning team'. Einen Schaden richtet die Pille nicht an, auch nicht bei der Langzeiteinnahme. Man muss nur wissen, dass das Risiko einer Thrombose mit jedem Jahr steigt – nicht massiv, aber immer ein wenig.“

Sheila de Liz
© Gaby Gerster/laif
Dr. Sheila de Liz, Gynäkologin und Expertin in Sachen Wechseljahren.

Wechseljahrsbeschwerden: Die Pille hilft nur bedingt

Aus diesem Grund empfiehlt Dr. de Liz unter Vorbehalt die Pille in den Wechseljahren: „Die Pille während der Wechseljahre zu nehmen ist oft eine suboptimale Lösung, da die Pille den Bedürfnissen des Körpers in den Wechseljahren nicht vollkommen gerecht wird. Auch wenn Hitzewallungen zum Beispiel durch die Pille verringert werden können, werden Schlafstörungen beispielsweise nicht positiv beeinflusst. Ich bin eher für den gezielten Einsatz von natürlichen Hormonen, die denen des Körpers baugleich sind und aus Pflanzen hergestellt werden“, so die Ärztin. Und wie solche pflanzlichen Hormone funktionieren, erklärt uns Dr. de Liz ganz genau:

Pflanzliche Hormone lindern die Wechseljahrsbeschwerden

„Die bioidentischen Hormone werden aus Pflanzen gemacht, sind aber eine baugleiche Kopie der menschlichen Hormone. Da sie ein Defizit im Körper auffüllen, geht es einem besser, genau wie wenn man Vitamin D oder Schilddrüsen Hormone ersetzt. Diese sind eine vollkommen andere Therapie als die Hormonpillen von früher, die hochdosiert waren mit Pferdehormonen. Man ersetzt schlicht das, was fehlt. Deswegen sind Nebenwirkungen vernachlässigbar bis kaum vorhanden. Auch die gefürchtete Krebsgefahr hat man nicht mit körperidentischem Hormonersatz. Eigentlich hat man genau dieselbe Situation, die man hätte, würden die Eierstöcke noch aktiv arbeiten, und der Körper kann nicht unterscheiden, ob das, was in der Blutbahn ankommt, aus dem Eierstock kommt oder aus der Apotheke. So genau ist die Kopie!

Wichtig ist, dass man sich in die Hände eines Arztes begibt, der sich gut auskennt und auf dem neusten Stand ist. Genauso wichtig ist aber auch, sich selbst gut auszukennen, um mit dem Arzt auf Augenhöhe sprechen zu können, da es bei dem bioidentischen Hormonersatz einige ‘Goldene Regeln‘ zu beachten gibt, die ich alles in meinem Buch "Woman on Fire" einzeln bespreche (und hier zu lang und zu viel wäre). Ebenso die Vorteile einer Therapie mit Hormonen, ob eine solche Therapie überhaupt für einen selbst infrage kommt und die körperlichen Zusammenhänge beim Hormonmangel, die man kennen muss, sind wichtig zu wissen.“

Video: Ernährung in den Wechseljahren – mit Ballaststoffen gegen Depressionen?

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