Schwangerschaft Wie sinnvoll ist die Nackenfaltenmessung?

In der Schwangerschaft stellen sich viele Paare die Frage, ob ihr Ungeborenes gesund ist. Um das zu prüfen, gibt es zahlreiche Tests: einer davon ist die Nackenfaltenmessung. Wie sie funktioniert und wie aussagekräftig sie ist, lesen Sie hier!

Ultraschallbild

Was ist die Nackenfaltenmessung?

Die Nackenfaltenmessung, auch Nackentransparenzmessung genannt, ist eine Methode der Pränataldiagnostik und kann Hinweise darauf geben, ob das Kind im Mutterleib eine genetische Erkrankung entwickelt und eventuell behindert zur Welt kommt. Die Methode wird für Frauen empfohlen, wenn eine Risikoschwangerschaft, z.B. ab 35 Jahren, besteht oder in der Familie ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen und Gendefekte vorliegt. Die Untersuchung wird zwischen der zehnten und 14. Schwangerschaftswoche gemacht. Danach ist sie nicht mehr aussagekräftig, da sich die Nackenfalte zurückbildet. Die Untersuchung selbst birgt für Mutter und Kind kein Risiko.

Was ist die Nackenfalte?

Die Nackenfalte ist eine Flüssigkeitsansammlung zwischen der Haut und dem Weichteilgewebe über der Wirbelsäule des ungeborenen Kindes. Bis zu 14. Schwangerschaftswoche staut sich dort die Lymphflüssigkeit, da das Lymphsystem und die Nieren noch nicht ganz ausgebildet sind. Nach der 14. Schwangerschaftswoche bildet sich die Nackenfalte zurück, sodass eine spätere Untersuchung sinnlos ist. 

Wie wird die Untersuchung durchgeführt?

Die Untersuchung wird mit Ultraschall durchgeführt und kann über die Bauchdecke oder über die Vagina erfolgen. Dabei belaufen sich die Kosten auf 20 bis 50 Euro. Bei Frauen über 35 Jahren wird die Untersuchung meist von der Krankenkasse übernommen. Bei der Untersuchung wird die Nackenfalte vermessen. Ist sie zwischen 1 und 2,5 mm dick, besteht in der Regel kein erhöhtes Risiko für genetische Erkrankungen. Ab einer Stärke von 3 mm spricht man von einer verdickten, bei 6 mm von einer stark verdickten Nackenfalte. Diese kann Hinweise auf eine Vielzahl an Erkrankungen liefern, z.B.:

  • Trisomie 13 (Pätau-Syndrom), 18 (Edwards-Sydrom) 
  • Trisomie 18 (Edwards-Syndrom)
  • Trisomie 21 (Down-Syndrom)
  • Herzfehler
  • Fehlbildungen der Lunge, Nieren oder Bauchwand
  • Zwerchfellhernie (Zwerchfellbruch) und Nabelhernie (Nabelbruch)

Wie aussagekräftig ist die Messung?

Die Messung allein bringt keine eindeutige Aussage, da die Nackenfalte immer in Relation zur Scheitel-Steiß-Länge gemessen werden sollte. So sollte die Nackenfalte maximal 2,1 mm betragen, wenn die Scheitel-Steiß-Länge 45 mm ist. Bei einer Scheitel-Steiß-Länge von 84 mm kann der maximale Nackenfaltenwert sogar bei 2,7 mm liegen. Ebenso kann sich die Nackenfalte zwischen der zehnten und 14. Schwangerschaftswoche verändern, indem sie ab- oder anschwillt.
Ist die Nackenfalte verdickt, wird gemeinsam mit weiteren Ultraschallmerkmalen, Blutuntersuchungen und das eigene Risiko der Mutter das Risiko für eine genetische Erkrankung errechnet. So ist die Nackenfaltenmessung allein nicht aussagekräftig, da sie mehr als Hinweis und nicht als Diganose gilt. Für mehr Gewissheit, wie es um die Gesundheit des Kindes steht, können Folgeuntersuchungen wie die Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) und die Entnahme von Mutterkuchengewebe (Chorionzottenbiopsie) durchgeführt werden. 

Messung - ja oder nein?

Die Nackenfaltenmessung kann einen Hinweis auf eine genetische Erkrankung liefern. Sie stellt jedoch keine sichere Diagnose, weshalb sie Paare häufig verunsichert und zu (letztendlich) unbegründeten Ängsten führt. Tatsächlich kommen 95-97 % der Kinder mit einer verdickten Nackenfalte gesund zur Welt. Anders herum kann es jedoch genau so sein: auch ohne Auffälligkeiten der Nackenfalte kann ein Kind erkrankt oder behindert zur Welt kommen. Letztendlich liegt die Entscheidung bei der Mutter bzw. bei den Eltern.

Autor: Christina Liersch