29. November 2020
Emetophobie: Die ständige Angst vor dem Erbrechen

Die ständige Angst vor dem Erbrechen

Für die meisten Menschen ist Erbrechen unangenehm. Dabei ist der Brechreiz eine Schutzreaktion unseres Körpers und dient dazu, schädliche Lebensmittel loszuwerden. Jedoch haben einige Menschen ständige Angst davor, sich übergeben zu müssen und entwickeln sogar eine Phobie.

Vermehrt leiden Frauen unter Emetophobie.
© klebercordeiro/iStock
Vermehrt leiden Frauen unter Emetophobie.

Die ständige Angst zu brechen: Was ist eine Emetophobie?

Erbrechen ist keine schöne Sache – und ein bisschen ekelt sich jeder, wenn der Mageninhalt zum Vorschein kommt. Doch bei einigen Menschen ist diese Abscheu so groß, dass sie eine Phobie entwickeln. Im Fachjargon spricht man von einer sogenannten Emetophobie – die panische Angst vor dem Erbrechen. Die Phobie dreht sich um das eigene Erbrechen, das Miterleben, wenn anderen Menschen schlecht ist oder mit dieser Körperfunktion in Berührung zu kommen. Das Übergeben wird als existentiell bedrohlich wahrgenommen. Betroffenen Personen ist es äußerst unangenehm, in der Öffentlichkeit zu brechen. Häufig sind eher Frauen als Männer betroffen. Im Vergleich zu anderen Angststörungen ist die Emetophobie omnipräsenter und Betroffene werden häufiger im Alltag mit ihrer Phobie konfrontiert.

Die Angst sich zu übergeben: Die körperlichen Anzeichen

Die Angst sich zu übergeben, wird vor allem über die Sinnesorgane gesteuert bzw. ausgelöst: Betroffene werden zum Beispiel getriggert, wenn sie sehen, wie sich jemand übergibt oder wenn sie Würgegeräusche hören. In vermeintlich bedrohlichen Situationen schüttet das Gehirn den Neurotransmitter Histamin aus, was binnen von Sekunden zu einem verkrampften Magen und Übelkeit führt. Der Körper signalisiert Gefahr und schüttet Adrenalin aus – ein uralter genetischer Reflex, der sehr energieraubend ist.

Folgende Anzeichen treten bei einer Angstattacke auf:
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Herzrasen
  • Atembeschwerden
  • Beklemmungsgefühle
  • Schluckbeschwerden
  • Schweißausbrüche
Doch wie bei so vielen Phobien spielt meist die „Angst vor der Angst“ eine entscheidende Rolle und löst einen Teufelskreis aus. Die Sorge, sich erbrechen zu müssen, löst Übelkeit aus, die wiederum die Phobie bestärkt. Personen, die besonders stark betroffen sind, erleben meist massive Einschränkungen in ihrem privaten sowie beruflichen Alltag.

Emetophobie: Einschränkungen im Alltag

  • Öffentliche Verkehrsmittel werden gemieden, aus Angst vor Reiseübelkeit oder vor der Ansteckung mit einer Magen-Darm-Erkrankung.
  • Phobiker empfinden Situationen als unangenehm, in denen sie beispielsweise in Discos oder bei Feierlichkeiten auf Betrunkene stoßen können. Auch gelten Räume oder Orte, die Phobiker nicht leicht verlassen können, als bedrohlich, wie zum Beispiel im engen Flugzeug oder im dunklen Kinosaal.
  • Zwanghaftes Händewaschen, um das Ansteckungsrisiko einer Magen-Darm-Erkrankung zu verhindern.
  • Betroffene suchen in Räumen nach Fluchtwegen, um im Notfall schnell flüchten zu können.
  • Medikamente werden prophylaktisch gegen Übelkeit eingenommen, beispielsweise vor einer anstehenden Reise.
  • Aus Angst vor einer Lebensmittelvergiftung werden Restaurantbesuche gemieden.
  • Nahrungsmittel werden gründlich auf ihre Haltbarkeit überprüft, aus Furcht etwas Verdorbenes zu essen.
  • Emetophobikerinnen sorgen sich vor einer Schwangerschaft und der häufig eintretenden Morgenübelkeit.

Angst zu erbrechen: Ursachen und Behandlung

Warum Menschen Angst vor dem Erbrechen haben, ist wissenschaftlich nicht vollständig geklärt. In der Kindheit können traumatische Erlebnisse im Umgang mit Erbrechen der Auslöser sein. Betroffenen ist meist klar, dass ihre Ängste irrational sind und schämen sich deswegen, sich jemanden anzuvertrauen. Meist fällt es ihnen zusätzlich schwer, zu benennen, was ihnen genau Angst macht. Oftmals geht mit der Panik zu erbrechen auch die Sorge eines Kontrollverlusts einher. Die Emetophobie tritt häufig mit anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen, andere Angststörungen oder Sozialphobien auf. Betroffene sollten auf jeden Fall auch organische Ursachen wie eine Reizdarmerkrankung abklären lassen.

Eine Psychotherapie kann helfen, die Angststörung zu bekämpfen. Um dies zu schaffen, ist es wichtig, den Ursprung der Emetophobie herauszufinden. Zusätzlich erfahren Betroffene in einer kognitiven Verhaltenstherapie, wie sie mit ihrer Phobie umgehen können. Sie lernen zum Beispiel, wie sie mit bestimmten Glaubenssätzen oder Atemübungen die Ruhe in bedrohlich erscheinenden Situationen bewahren können. Auch kann Hypnose dazu beitragen, die Angststörung zu bekämpfen. Ebenfalls wirksam ist das Konfrontationstraining, bei dem Phobiker sich gezielt mit dem Thema Erbrechen auseinander setzen müssen. Dazu zählt beispielsweise das Betrachten von Bildern oder Videos. Betroffene sollen somit lernen und verstehen, dass diese Situationen keine Bedrohung darstellen.
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