Bio-Special Bio-Richtlinien

Ob Fleisch, Gemüse oder Kartoffelchips – es gibt heute kaum noch ein Produkt, das nicht in Bio-Qualität angeboten wird. Immer mehr Verbraucher greifen zu ökologisch erzeugten Lebensmitteln. Aber sind sie wirklich besser?

Huhn

Aber Bio will mehr als nur gesund zu sein. Wo nach Bio-Richtlinien gearbeitet wird, gibt es keine Massentierhaltung, die Umwelt wird geschont. „Mit dem Kauf von nur einem Liter Bio-Milch lassen sich ein Jahr lang 2,5 Quadratmeter Weidefläche ökologisch bewirtschaften“, nennt „Bioland“- Pressesprecher Ralf Alsfeld Zahlen, die die Nachhaltigkeit verdeutlichen.

Genau vor diesem Hintergrund müsse man auch den Preis für Bio-Produkte betrachten. „Die Frage ist nicht, warum Bio teurer ist“, sagt Ralf Alsfeld, „sondern warum konventionelle Erzeugnisse so billig sein können.“ Die niedrigen Preise enthalten nämlich nicht die ökologischen Folgekosten für Trinkwasser- und Bodenverschmutzung. Im Bio-Bereich fallen diese Probleme gar nicht erst an. Aber: Die umweltschonende und tiergerechte Landwirtschaft ist kosten- und arbeitsintensiver.Trotzdem geben Haushalte, die viel Bio kaufen, nicht unbedingt mehr Geld aus. Das ergab eine Untersuchung der Uni Stuttgart-Hohenheim. Grund: Sie kaufen bewusster ein. Es stehen weniger Fleisch, Süßigkeiten, Alkohol, Fertiggerichte und Genussmittel auf dem Einkaufszettel.

Ob es vor diesem Hintergrund sinnvoll ist, dass mehr und mehr Bio-Tiefkühl- und Convenience-Produkte wie Pizza, Pudding oder Kartoffelchips auf den Markt kommen, bleibt abzuwarten. Auch hierfür werden ökologische Rohstoffe benötigt – und die sind knapp. Mittlerweile stammen schon 30 Prozent der Bio-Lebensmittel, die in Deutschland verkauft werden, aus dem Ausland: Bio-Milch kommt zunehmend aus Österreich und Dänemark, Kartoffeln und Getreide werden in Polen angebaut. Gemüse und Obst wachsen in Italien und Spanien. China und Argentinien gehören einem Bericht der UN-Ernährungsorganisation FAO zufolge heute zu den Ländern mit der größten ökologisch bewirtschafteten Fläche. Gefolgt von Uruguay, Brasilien und Mexiko.

Woran liegt es aber, dass vor unserer eigenen Haustür nur 873 000 Hektar von 18 046 Bio-Betrieben biologisch bewirtschaftet werden? Gerade mal 5,3 Prozent der gesamten Agrarfläche! „Grund für das zögerliche Verhalten vieler Bauern ist die zweijährige Umstellungszeit“, erklärt Ralf Alsfeld. In diesen beiden Jahren wird schon nach den kostenintensiven Regeln des Bio-Anbaus gearbeitet, die Erträge dürfen aber nicht als höherpreisige Bio-Ware verkauft werden. „Die Landwirte brauchen mehr finanzielle Unterstützung, zumal viele ihrer Zusatzleistungen allen zugute kommen“, fordert Ralf Alsfeld. Seit Januar 2007 fließen zwar wieder Gelder, aber acht Bundesländer haben die Fördermittel um mehr als 30 Prozent gesenkt. Tatsache bleibt: „Bio“ führt längst kein Nischendasein mehr. Mit Erfolg präsentiert die Supermarktkette „tegut“ (Bayern, Hessen, Niedersachsen, Thüringen) fast 2000 Bio-Produkte direkt neben konventioneller Ware. Ein grüner Punkt am Regal zeigt dem Kunden, wo er Fleisch, Fisch oder Kaffee in Bio-Qualität findet – und das im direkten Preisvergleich.

Letztendlich geht’s aber um mehr als Geld. „Bio“ bedeutet einen schonenden Umgang mit der Umwelt und damit mehr Gesundheit für Mensch, Tier und Natur. Dr. Johannes Kahl: „Jeder Verbraucher sollte sich fragen, was Essen für ihn bedeutet. Er sollte ein Lebensmittel als Wert für sein Wohlbefinden und für die Umwelt sehen.“

Schlagworte: