Boreout-Syndrom: Definition, Symptome, Behandlung

Boreout-Syndrom: Definition, Symptome, Behandlung

Entspannter Arbeitstag – oder hoffnungslos unterfordert? Jeder von uns ist auf der Arbeit mal gelangweilt. Es gibt einfach Tage, da ist im Büro tote Hose. Doch das kann auch gefährlich werden: Wenn die dauerhafte Unterforderung im Job krank macht, spricht man von einem sogenannten Boreout. Was das ist, wie Sie ein Boreout erkennen und was Betroffenen in so einer Situation helfen kann, erfahren Sie im folgenden Artikel. 

 

Was ist ein Boreout? 

Mit dem Begriff Boreout, auch Bore-out oder Boreout-Syndrom, werden das Gefühl sowie die gesundheitlichen Folgeschäden ausgeprägter Langeweile und chronischer Unterordnung beschrieben – meistens am Arbeitsplatz. Betroffene sind mit ihrer Situation, ihren Tätigkeiten oder ihren Vorgesetzten unzufrieden. Die Bezeichnung leitet sich aus dem Englischen „to bore“ („jemanden langweilen”) beziehungsweise „to be bored“ („sich langweilen”) ab. Dieses „Ausgelangweilt-Sein“ durch Unterforderung im Job kann bei Betroffenen einen hohen Leidensdruck und Stress verursachen. 

Grundsätzlich unterscheidet die Fachwelt dabei zwischen der quantitativen und der qualitativen Unterforderung im Job. Die quantitative Unterforderung beschreibt den Zustand, bei der Arbeit zu wenig zu tun zu haben. Im Falle einer qualitativen Unterforderung leidet der betroffene Arbeitnehmer unter dem Gefühl, seine Kompetenzen, Fähigkeiten oder sein Wissen nicht richtig in das Unternehmen einbringen zu können.

Diese langfristige Unterforderung ist oft gepaart mit fehlender Wertschätzung und Desinteresse seitens der Vorgesetzten. Kurzum: Zu wenig, zu anspruchslos, zu eintönig. Die Langeweile im Job lähmt, macht müde und mürbe. Auf Dauer kann die Unterforderung im Job schließlich krank machen. Und – ähnlich zum Burnout-Syndrom – zu längeren Arbeitsausfällen führen.

Hinweis: Eine einheitliche, wissenschaftliche Definition zum Thema Boreout steht noch aus. 

Buchtipp zum Thema: Boreout statt Burnout: Eine psychische Erkrankung ausgelöst durch Langeweile, Unterforderung und Desinteresse am Arbeitsplatz von der Autorin Lisa Günthner, hier für etwa 44 Euro erhältlich >>

Boreout vs. Burnout: Wo liegt der Unterschied?

Der Begriff „Boreout“ entstand analog zum weitaus bekannterem „Burnout“. Die englische Bezeichnung Burnout („to burn out“, sprich: ausbrennen) ist das Gegenteil eines Boreouts. Hier stehen Überforderung, chronischer Stress und Erschöpfung im Vordergrund.

Lesen Sie dazu auch: Anzeichen für Burnout-Syndrom: Betroffen oder nur erschöpft?>>

Im Video: Boreout statt Burnout: Wenn Unterforderung im Job krank macht.

Ist Boreout eine Krankheit?

Nein, ein Boreout gilt nicht als offiziell anerkannte Krankheit. Die international geltenden „Krankheitskataloge“ ICD-10 und DSM-IV listen das Boreout-Syndrom (noch) nicht in ihren Verzeichnissen. Sprich: Ein Boreout hat keinen eigenen Krankheitswert. Vielmehr prägten Medien und Gesellschaft in den letzten Jahren den Begriff. Doch auch die wissenschaftliche Betrachtung der geistigen Unterforderung als Krankheitsbild nimmt zu. 

Das Burnout-Syndrom hingegen wurde – nach langen Diskussionen unter Fachleuten – im Jahr 2019 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell als Krankheit anerkannt. Seit Januar 2022 ist das Burnout-Syndrom nun im neuen Katalog der Internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD) gelistet.

Lesen Sie dazu auch: WHO: Burnout gilt nun offiziell als Krankheit>>

Wer ist von Boreout betroffen?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Auch, in welchem Alter Menschen an einem Boreout leiden, ist unterschiedlich. Jedoch: Oftmals tritt die geistige Unterforderung bei berufstätigen Erwachsenen auf, sprich bei Männern und Frauen, die etwa 20 bis 60 Jahre alt sind: Es entsteht Langeweile auf der Arbeit. Betroffene Arbeitnehmer sind mit ihren Aufgaben, ihrer Situation und ihrem Arbeitsplatz unzufrieden. Diese Art der Langeweile kann zu handfestem Stress führen. Doch auch im Alter beziehungsweise mit dem Eintritt in die Rente kann Langeweile krank machen: Fehlende Struktur, die neue Situation, das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden oder der Verlust des Partners können einen Boreout im Alter begünstigen – und im schlimmsten Fall zu Depressionen führen.  

Wie viele Menschen haben einen Boreout?

Die Studienlage ist hier nicht ganz eindeutig: Der überwiegende Teil geht von circa 10 bis 20 Prozent der Arbeitnehmer aus, die von einem Boreout betroffen sind – oder auf dem Weg dahin. Der Stressreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin beispielsweise spricht von 13 Prozent der deutschen Arbeitnehmer, die sich mit ihrer Arbeit oder ihrer Tätigkeit fachlich unterfordert fühlen. Bei rund 33,32 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland sind das umgerechnet über 4 Millionen Arbeitnehmer.

Geistige Unterforderung: Symptome erkennen und deuten

Wie erkenne ich einen Boreout? Es gibt Anzeichen, bei denen die Alarmglocken schrillen sollten. Jedoch: Viele der Symptome für ein Boreout treten auch im Falle eines Burnouts oder einer Depression auf. Ein Facharzt kann im Einzelfall genauer differenzieren.

Diese 9 Anzeichen und Symptome können auf einen Boreout hindeuten:

  • Erschöpfung
  • Niedergeschlagenheit
  • Schlafstörungen
  • Antriebslosigkeit
  • Magen-Darm-Probleme
  • sozialer Rückzug
  • Tinnitus
  • Kopfschmerzen
  • Verspannungen

Übrigens: Da in den meisten Fällen mehrere Symptome zeitgleich auftreten, sprechen Experten auch vom „Boreout-Syndrom“. 

Behandlung: Was kann man gegen Boreout im Job tun?

Stress durch Unterforderung: Sie vermuten, von einem Boreout betroffen zu sein? Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Das gilt auch bei chronischer Langeweile auf der Arbeit. Was hilft sonst noch? 

Diese 5 Tipps können Betroffenen gegen Langeweile am Arbeitsplatz helfen

  1. Protokollieren Sie Ihre Arbeit: Diese Form der Kontrolle kann Ihnen helfen, eine Übersicht über Ihre täglichen Aufgaben zu erlangen – und diese gegebenenfalls zu optimieren.
  2. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Chef und kommunizieren Sie Ihre Unzufriedenheit offen. 
  3. Zeigen Sie Eigeninitiative: Welche Aufgabenfelder im Unternehmen könnten besser zu Ihnen und Ihren Kompetenzen passen? Ein interner Wechsel kann manchmal wahre Wunder wirken. 
  4. Verbessern Sie Ihre Work-Life-Balance: Sie können zum Beispiel Stunden reduzieren. Zusätzlich helfen Hobbys dabei, einen gesunden Ausgleich zum Job schaffen, etwa Joggen, Radfahren oder Wandern.
  5. Wenn nichts hilft: Ziehen Sie Konsequenzen und schauen Sie sich nach einem anderen Job um. Stecken Sie vorab Ihre Erwartungen, Ziele, Wünsche und Ansprüche genau ab.


Mehr Lesestoff zum Thema gibt es hier: Unterfordert: Diagnose Boreout - wenn Langeweile krank macht von Philippe Rothlin, hier für ca. 18 Euro erhältlich >>

Boreout: Wann zum Arzt?

Sie merken, dass es Ihnen psychisch nicht gut geht – und das über einen längeren Zeitraum? Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin. 

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