Charaktereigenschaft An diesen Anzeichen erkennen Sie Hochsensibilität

Menschen, die ungewöhnlich stark auf Reize reagieren, werden in der Psychologie als hochsensibel bezeichnet. Wie Sie Hochsensibilität erkennen und richtig mit ihr umgehen, lesen Sie hier. 

Frau_Hochsensibilität

Sind Ihnen ein paar Menschen mehr um Sie herum schon zu viel oder machen Sie Straßenlärm, blinkende Lichter oder mehrere dieser Dinge gleichzeitig wahnsinnig? Oder treffen Sie auf andere Menschen und verstehen Sie sofort ihre Gefühlslage? Falls ja, könnte es sein, dass Sie hochsensibel sind. Doch was ist das genau?

 

Hochsensibilität – woran erkennt man sie?

Den Begriff Hochsensibilität prägte die US-amerikanische Psychologin Elaine Aron in den 1990er Jahren. Laut ihm sind ca. 20 Prozent der Bevölkerung hochsensibel, nehmen also Reize aus der Umwelt stärker wahr als andere. Laut der Psychologin handelt es sich bei Hochsensibilität nicht um eine Krankheit, sondern eine besondere Art der Reizverarbeitung im Nervensystem. Es sei vielmehr eine Charaktereigenschaft, die man Betroffene nicht ablegen können.
Betroffene reagieren z. B. empfindlich auf Geräusche und Gerüche, sowie auf Licht. Sie leiden schnell unter einer Reizüberflutung, wenn z. B. ständig Lärm herrscht, Menschen zusätzlich miteinander sprechen und dann auch noch Telefone klingeln. Andere wiederum sind durch Menschenansammlungen bei Konzerten oder beim Shopping gestresst. 
Zugleich sind Hochsensible besonders feinsinnig und feinfühlig mit einem hohen Maß an Empathie, da sie die Stimmung anderer Menschen schneller erfassen können.
Im Alltagsleben und in der Gesellschaft stoßen Hochsensible häufig auf Unverständnis oder teilweise sogar auf Ablehnung, da sie anderes als Außenstehende wahrnehmen oder unterschiedliche Bedürfnisse in bestimmten Situationen haben. Laut Aron könnte es an der kulturellen Einstellung der westlichen Länder liegen, dass Sensitivität noch immer als etwas Negatives betrachtet wird. 
 

Mögliche Anzeichen für Hochsensibilität

  • stärkere Schmerzwahrnehmung
  • Geräusche, Gerüche oder helles Licht werden als störend oder unerträglich empfunden
  • Neigung zu schneller Erschöpfung und Überforderung
  • Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit, Gründlichkeit z. B. beim Erledigen von Aufgaben
  • Konfliktscheu, Bevorzugung von Harmonie
  • Multitasking fällt schwer
  • Neigung zum Alleinsein
  • Neigung zu Nachdenklichkeit und Introversion
  • Schreckhaftigkeit
  • Prüfungsangst und Nervosität, z. B. wenn andere beim Arbeiten zusehen
Je mehr dieser Anzeichen auf Sie zutreffen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie hochsensibel sind. Die Symptome können jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

 

Diagnose von Hochsensibilität

Da es sich bei Hochsensibilität nicht um eine Krankheit handelt, ist die genaue Bezeichnung und die Existenz des Phänomens unter Wissenschaftlern umstritten. Verschiedene Untersuchungen mit Magnetresonanztomografie (MRT) legen aber nahe, dass bestimmte Hirnregionen bei Hochsensiblen stärker aktiviert werden, als bei anderen Menschen. Unumstritten ist, dass Menschen prinzipiell sehr unterschiedlich auf Reize reagieren können.
Um eine Hochsensibilität zu diagnostizieren wird momentan ein Fragebogen eingesetzt, der mit Selbstbeschreibungen des Betroffenen ausgefüllt wird. Das Dokument basiert auf dem Vorbild des Forschers Elaine Aron. Unvorteilhaft an dieser Variante ist die Verwechselungsgefahr mit anderen psychischen Leiden, wie zum Beispiel Angststörungen. Da die Forschung zu diesem Thema noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es jedoch noch keine geeignete Alternative.
 

Der Hochsensibilitäts-Test

Elaine Aron hat, um Hochsensibilität zu bestimmen, einen Test entwickelt, bei dem Personen den jeweiligen Grad der Zustimmung bei 27 Aussagen wie "starke Reize wie laute Geräusche oder chaotische Szenen stören mich sehr" angeben. Der Test lässt sich in drei Komponenten gliedern:
  1. Die erste Komponente ist die leichte Erregbarkeit, die durch schnelles Überfordertsein von inneren und äußeren Anforderungen charakterisiert wird.
  2. Die zweite Komponente, die ästhetische Sensitivität, beschreibt die Empfänglichkeit gegenüber Reizen.
  3. Die dritte Komponente, die niedrige Wahrnehmungsschwelle, drückt sich in einer als unangenehm empfundenen sensorischen Erregung auf äußere Reize aus.
Der Test ist wissenschaftlich-statistisch fundiert, der allgemein zur Verfügung steht. Hier können Sie sich testen >>

 

Umgang mit Hochsensibilität

Für außenstehende können Menschen mit Hochsensibilität als kompliziert und ungesellig wahrgenommen werden. Jedoch ist diese Eigenschaft nicht nur ein Fluch, sondern kann bei richtigem Umgang, auch ein Segen sein. 
 
Akzeptanz
Das wichtigste zuerst: Akzeptieren Sie die Hochsensibilität und die Tatsache, dass Sie anders empfinden und reagieren als andere. Je nach Sensibilität sollten Sie sich Zeit für sich nehmen und ausruhen, ohne sich dabei völlig von anderen abzukapseln. Ein gesundes Mittelmaß ist die beste Lösung. 
 
Selbstliebe
Lernen, sich selbst zu lieben, klappt nicht von heute auf morgen, sondern erfordert Zeit und Kontinuität. Statt sich der Norm der Gesellschaft anpassen zu wollen und damit die eigenen Empfindungen herunterzuspielen, sollten Sie Ihre Charaktereigenschaften akzeptieren und lieben lernen. Auch wenn es erst einmal schwerfällt, sind die Empfindungen keine Schwäche, für die Sie sich schämen müssen, sondern einfach ein Teil Ihrer Persönlichkeit.
 
Sich der Hochsensibilität stellen
Wer immer mehr stressige Situationen meidet, wird noch empfindlicher, heißt es. Statt sich in den eigenen vier Wänden zu verkriechen, sollten Sie sich Ihren Triggern stellen, ohne sich zu überfordern. Gehen Sie z. B. auf eine Party oder unternehmen Sie etwas, wo Sie Ihren Triggern ausgesetzt sind. Gönnen Sie sich im Anschluss dann aber Ruhe und eine Auszeit. Dadurch lernen Körper und Psyche, besser mit solchen Situationen umzugehen.
 
Datum: 28.08.2020
Autorin: Christina Liersch