17. Januar 2022
Stoffwechsel-Mythen: Gibt es den Hungerstoffwechsel?

Stoffwechsel-Mythen: Gibt es den Hungerstoffwechsel?

Unser Stoffwechsel kann einschlafen, angekurbelt werden und manche Menschen können aufgrund ihres guten Stoffwechsels alles essen, ohne dick zu werden. Was ist dran an diesen Thesen, die man täglich liest oder hört? Wir haben 6 Stoffwechsel-Mythen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

Was ist der Stoffwechsel?

Um abzunehmen, muss man nur seinen Stoffwechsel ordentlich anregen. Solche Aussagen hört man immer wieder von Diätgurus oder vermeintlichen Abnehmspezialisten. Doch was genau soll man anregen, wie geht das und was ist überhaupt der Stoffwechsel? Den einen Stoffwechsel gibt es nicht – vielmehr gibt es mehrere Stoffwechselarten, die ständig aktiv sind. Hierzu gehören unter anderem der Fettstoffwechsel, Eiweißstoffwechsel und Zuckerstoffwechsel. Sie steuern jedoch nicht nur den Abbau von Fett oder Kohlenhydraten, sondern auch deren Aufnahme und Verwertung zur Energiegewinnung. Ebenso sind Stoffwechselprozesse an der Bildung von Enzymen, dem Aufbau von Muskulatur, Knochen und Gewebe beteiligt. Es gibt also nicht den einen Stoffwechsel und nicht jeder Stoffwechselprozess führt dazu, dass wir Gewicht verlieren oder Kalorien verbrennen. Um die Verwirrung rund um das Thema aufzuklären, haben wir im Folgenden fünf Mythen zum Stoffwechsel für Sie untersucht.

Stoffwechsel: 6 Mythen auf dem Prüfstand

Mythos 1: Der eingeschlafene Stoffwechsel

Die Zahl auf der Waage stagniert und trotz gesunder Ernährung sowie Sport bleibt das Fett hartnäckig am Körper? Ein oft genannter Grund: Der Stoffwechsel ist durch ständige Diäten und Hungerkuren eingeschlafen. Darin steckt tatsächlich ein Stück Wahrheit. Denn bei extremen Kaloriendefiziten von 600, 700 oder mehr Kalorien am Tag, schaltet unser Körper in den Hungerstoffwechsel. Dabei werden wertvolle, reichhaltige Fettmoleküle eingespeichert, um uns als Energie durch die Hungerzeit zu retten. Vermeintlich überflüssige Muskeln, die tagtäglich Energie verschwenden, werden hingegen abgebaut.

Mythos 2: Den Stoffwechsel kann man anregen

Ja, es stimmt tatsächlich! Der Stoffwechsel lässt sich durchaus in Richtung Fettverbrennung und Kohlenhydratverbrennung ankurbeln – beispielsweise indem man sich bewegt. Treppensteigen, zu Fuß gehen, Fahrradfahren, Einkaufen oder die Wohnung putzen sind alles alltägliche Dinge, mit denen sich der Zucker- und Fettstoffwechsel beeinflussen und erhöhen lassen. Denn beide Makronährstoffe dienen unserer Muskulatur als Energie. Treiben wir Sport, steigen wir Treppen hinauf oder fahren wir mit dem Fahrrad zur Arbeit, werden jene überschüssigen Zucker- und Fettmoleküle aus der Ernährung oder unseren Speichern verarbeitet, um Energie bereitzustellen. Mit körperlicher Aktivität können Sie also durchaus Ihren Stoffwechsel anregen.

Mythos 3: Viele kleine Mahlzeiten halten den Stoffwechsel aktiv

Manche Abnehmprogramme werben damit, dass besonders viele kleine Mahlzeiten den Stoffwechsel pushen und ständig aktiv halten. Das stimmt zwar im Prinzip, aber es hilft leider nicht beim Abnehmen, sondern bewirkt das Gegenteil. Denn zum Stoffwechsel gehört auch die Aufnahme und Speicherung von Fetten, nicht nur deren Verbrennung. Ein ständig aktiver Stoffwechsel kann Sie daher dick machen, wenn er die ganze Zeit Zucker- und Fettmoleküle aufnehmen und verarbeiten muss. Im Gegensatz dazu können sich Fastenphasen ohne jegliche Nahrungsaufnahme, z.B. nach dem täglichen 16:8-Prinzip oder dem wöchentlichen 5:2-Prinzip, positiv auf Ihr Gewicht auswirken, da Sie so den Teufelskreis aus steigendem Blutzuckerspiegel, folgender Insulinantwort und daraus resultierender Fetteinlagerung durchbrechen können.

Video: Intermittierendes Fasten – Pro und Contra Intervallfasten

Mythos 4: Mit einem guten Stoffwechsel kann man alles essen, ohne zuzunehmen

Jeder kennt jemanden, der alles essen kann, ohne dabei zuzunehmen. So glauben wir es jedenfalls. Die Gründe, warum eine Person anscheinend alles essen kann, sind jedoch vielfältig und zum Teil banal. So sehen wir beispielsweise nur, dass jemand in der Kantine eine riesige Portion Pommes ist, aber sind nicht dabei, wenn er oder sie das Frühstück oder Abendessen komplett weglässt. Ebenso bewegen sich dünne Personen häufig deutlich mehr als übergewichtige Menschen – sowohl bewusst als auch unbewusst. Denn neben sportlicher Aktivität führen auch sogenannte Mikro-Bewegungen – ständiges Zappeln, mit den Füßen wippen oder häufiges Aufstehen vom Schreibtisch – die wir größtenteils gar nicht wahrnehmen, zu einer beachtlichen Kalorienverbrennung. Die Genetik macht nämlich nur in den aller seltensten Fällen einen merklichen Unterschied – die größte Auswirkung auf das Gewicht haben unsere bewussten und unbewussten Verhaltensweisen.

Mythos 5: Bestimmte Lebensmittel heizen den Stoffwechsel an

Da viele Stoffwechselvorgänge im Körper automatisch und stetig ablaufen und sich nur durch größere Anstrengungen (z.B. Sport) beeinflussen lassen, wird kein Lebensmittel wie Chilis, Kaffee oder grüner Tee ihn in relevantem Maße anheizen können. Um überhaupt einen wirksamen Effekt zu erzielen, müssten schon Unmengen gegessen bzw. getrunken werden, was wiederum gesundheitsgefährdend sein kann. Der Wert, um den sich die Stoffwechselrate durch bestimmte Lebensmittel oder Hausmittel erhöht, ist sehr minimal und hat kaum Einfluss auf Ihr Gewicht. Dennoch liefern diese Lebensmittel Vitamine, Nährstoffe und Spurenelemente und sind in einer ausgewogenen Ernährung gern gesehen. Nur allein dadurch nimmt jedoch niemand ab.

Mythos 6: Ein schlechter Stoffwechsel verursacht Übergewicht

Die Entstehung von Übergewicht und Adipositas ist in der Regel sehr komplex und auf eine Kombination erlernter Verhaltensweisen, Prägungen in der Kindheit, Umwelteinflüsse und genetischer Voraussetzungen zurückzuführen. Letztere sind jedoch glücklicherweise nur zu einem Bruchteil für Übergewicht verantwortlich. Nur in den allerwenigsten Fällen ist ein aufgrund der Genetik verlangsamter Stoffwechsel schuld an der Gewichtszunahme. Die deutlich größeren Faktoren sind die ständige Verfügbarkeit von hochkalorischen Lebensmitteln, der gestiegene Konsum stark verarbeiteter Fertigprodukte und eine bequeme Welt, in der wir uns kaum noch bewegen müssen. Ein schlechter Stoffwechsel ist da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

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