Adipositas: 3 Ursachen, die Sie noch nicht kannten

Adipositas: 3 Ursachen, die Sie noch nicht kannten

Fast ein Viertel aller Erwachsenen in Deutschland sind fettleibig. Diese Form des starken Übergewichts hat direkte Auswirkungen auf die Lebenserwartung und Folgeerkrankungen. Dass so viele Menschen adipös sind, hat aber nur selten mit übermäßigem Essen zu tun. Es gibt eine Reihe weniger bekannte Ursachen für Fettleibigkeit.

Ab wann gilt man als adipös?

Adipositas ist die Bezeichnung für krankhaftes Übergewicht. Die Fettleibigkeit hat direkte Auswirkungen auf die generelle körperliche Gesundheit, löst oft Folgeerkrankungen aus und hat in vielen Fällen einen negativen Einfluss auf die mentale und psychische Gesundheit. Mit Adipositas geht oft auch eine verkürzte Lebenserwartung einher. Typische Folgen von Fettleibigkeit sind

  • Diabetes Typ 2
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Fettleber
  • Depression
  • Nierensteine
  • Atemnot

Dr. Sylvia Weiner, Chefärztin der Klinik für Bariatrische und Metabolische Chirurgie am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt am Main erklärt Adipositas als:

(…) eine übermäßige Fettvermehrung, die wir mittlerweile als Symptom einer chronisch-entzündlichen Stoffwechselerkrankung verstehen und bewerten können. Ab einem BMI (Body Mass Index) größer 30 kg/m2 spricht man von Adipositas.

Laut Datenerhebungen des Robert Koch-Instituts (RKI) gelten in Deutschland mehr als zwei Drittel der erwachsenen Männer als übergewichtig. Bei den Frauen sind es etwas mehr als die Hälfte. Stark übergewichtig, also adipös, sind bei den Erwachsenen etwa 24 Prozent.

Unterschied zwischen Übergewicht und Fettleibigkeit

Natürlich ist Fettleibigkeit eine Form des Übergewichts, zwischen Adipositas und Übergewicht gibt es aber eine klare definitorische Grenze. Diese Grenze orientiert sich am Body-Mass-Index (BMI). Die Weltgesundheitsorganisation hat für „Übergewicht“ bei Erwachsenen einen BMI zwischen 25 und 30 definiert. Ein BMI über 30 gilt bereits als Adipositas. Diese Referenzrahmen dienen der groben Orientierung, denn Körpergröße, Geschlecht und Muskelmasse spielen eine wichtige Rolle bei der tatsächlichen Einschätzung der BMI-Werte. Sehr große oder sehr muskulöse Menschen bringen mitunter mehr Gewicht auf die Waage, ohne tatsächlich übergewichtig oder gar adipös zu sein. Ginge es nur nach BMI, würden auch Bodybuilder als fettleibig gelten, ohne aber ein Gramm Fett am Körper zu haben.

Ursachen für Adipositas

Es wird gemeinhin angenommen, dass adipöse Menschen besonders viel und besonders ungesund essen. Bei Adipositas handelt es sich aber vorrangig um eine Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit, die in den meisten Fällen nicht einfach auf die Ursache des übermäßigen Essens reduziert werden kann. Es gibt eine Reihe Auslöser und Faktoren für die Fettleibigkeit, die Sie vielleicht noch nicht kannten. Dr. Sylvia Weiner sagt:

Die Ursachen eines “krankhaften” Übergewichtes sind mannigfaltig und wurden erst in den letzten 10 Jahren zunehmend erforscht: Neben genetischen Aspekten, spielen eine energiereiche Ernährung und zu wenig Bewegung in unserer zivilisierten Welt eine Rolle bei der Entstehung der Erkrankung.

1. Stoffwechsel

Wie viel ein Mensch essen muss, um tatsächlich dick zu werden, hängt vom individuellen Stoffwechsel ab. Einige Stoffwechseltypen funktionieren so gut, dass sie Nahrung optimal verwehrten können. Nährstoffe werden dann schnell und problemlos aus der Nahrung gewonnen und dem Körper verfügbar gemacht. Evolutionär ist das eine ideale Anpassung, um mit periodenhafter Nahrungsknappheit umgehen zu können. In der heutigen Welt ist das Nahrungsangebot für viele Menschen aber schier unendlich. Gute Nährstoffverwerter mit Stoffwechseltypen, die schnell und viele Nährstoffe speichern können, geraten hier schnell in die kalorische Bredouille: Selbst wenn sie normal essen, nehmen sie zu. So kann selbst mit normalen Essverhalten Übergewicht entstehen. Oft ist der Weg zur Adipositas dann absehbar, wird nicht aktiv gegengesteuert.

2. Genetische Veranlagung

Unsere Gene haben einen wahrscheinlich großen Einfluss auf die Entstehung von Adipositas. Von den 100 Genen, die Forschende im Zusammenhang mit Adipositas untersuchen, scheint das FTO-Gen besonderes Interesse in der Wissenschaftsgemeinschaft auszulösen. Es wird davon ausgegangen, dass Mutationen in diesem Gen dafür sorgen, dass Menschen erst später satt werden. Sie essen dann mehr, als sie eigentlich müssten, da ihre Körper ihnen erst mit verspäteter Wirkung das Sattsein signalisieren.

3. Hormonelle Störungen oder Erkrankungen

Hormone spielen eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Stoffwechselprozessen in unseren Körpern. Ist die Hormonproduktion gestört, können Folgen wie Adipositas entstehen. Eine bekannte hormonelle Störung, die direkt mit Adipositas zusammenhängt, ist Morbus Cushing. Das Cushing-Syndrom ist eine Erkrankung der Nebennieren. Diese produzieren zu viel des Stresshormons Kortisol. Kortisol ist verantwortlich für die Regulierung des Fettstoffwechsels, hemmt die Insulinwirkung und hat Effekte auf den Proteinumsatz. Zu viel Kortisol im Blut sorgt dann etwa für zu hohe Blutzuckerspiegel. Symptome der übermäßigen Kortisolausschüttung sind Fettleibigkeit, verstärkter Haarwuchs oder auch Akne.

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