10. Dezember 2020
Lebensmittel-Lügen: Die Tricks der Hersteller

Lebensmittel-Lügen: Die dreisten Tricks der Hersteller

Lebensmittelverpackungen sind gespickt mit großen Versprechen und verwirrenden Fachbegriffen. So manches Etikett liest sich wie eine Fremdsprache und die Hersteller tricksen in den Zutatenlisten vieler Produkte. Wir decken die Lebensmittel-Lügen auf und verraten Ihnen 7 dreiste Tricks der Hersteller.

Abgepacktes Fleisch mit Zutatenliste
© Firn / iStock
So manche Zutatenliste liest sich wie eine Fremdsprache – wir übersetzen für Sie

Lebensmittel-Lügen: Die dreisten Tricks der Hersteller

Als Laie ist man schnell überfordert, wenn man sich die ellenlange Zutaten- oder Inhaltsliste so mancher Produkte im Supermarkt anschaut. Unsere Übersicht wird Ihnen dabei helfen, ein bisschen Ordnung ins Chaos zu bringen – und in Zukunft die Labels der Lebensmittelpackungen besser zu verstehen. Hier sind 7 dreiste Tricks der Lebensmittelhersteller:

1. Versteckter Zucker

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt maximal 25 Gramm zusätzlichen Zucker pro Tag. Ständiges Naschen darüber hinaus führt zu Übergewicht, Insulinresistenz, Diabetes Typ 2 und entzündlichen Erkrankungen.
Zucker steckt leider oft in Lebensmitteln, in denen wir ihn gar nicht erwarten würden, z.B. in Balsamico, Dosengemüse wie Rotkohl, Fertigsalaten wie Fleisch-, Kraut- oder Kartoffelsalat, und vermeintlich gesunden Fertigprodukten wie Hummus. Leider kann Zucker hinter den verschiedensten Bezeichnungen versteckt werden: Glukose, Fruktose, Oligofruktose, Sirup, Saccharose, Laktose, Maltose, Maltodextrin, Honig, Agavendicksaft, Birkenzucker. Ein genauerer Blick auf die Verpackung lohnt sich daher insbesondere bei Produkten, in denen Sie gar keinen Zucker erwarten würden.

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2. Gefärbtes Brot

Dunkles Brot verbindet unser Gehirn automatisch mit Vollkornbrot bzw. gesünderen Brotsorten. Viele Brote, die man im Supermarkt oder in Bäckerketten bekommt, sind jedoch lediglich gefärbt und enthalten nährstoffarmes Weißmehl. Die Farbstoffe sind zwar kennzeichnungspflichtig, verbergen sich jedoch hinter unscheinbaren Namen wie Malzextrakt, Karamell- oder Zuckerrübensirup. Sie sollen einen hohen Anteil an nährstoff- und ballaststoffreichem Vollkornmehl vortäuschen. Ein kurzer Blick auf die Zutatenliste hilft, da nur echte Vollkornprodukte auch mit "Vollkorn" betitelt werden dürfen. Steht beispielsweise Weizenmehl anstatt Weizenvollkornmehl auf der Verpackung, handelt es sich um bloßes Weißmehl.

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3. Zuckeralkohole

In eine ähnliche Kerbe wie die wohlklingenden Alternativnamen für Zucker schlagen die Zuckeralkohole. Sie gelten rechtlich gesehen als Kohlenhydrate und müssen nicht zur Zuckermenge des Produktes hinzugerechnet werden. Zuckeralkohole werden den Gesamtkohlenhydraten zugerechnet und tragen Namen wie Isomalt, Erythrit und Sorbit. Sie haben gegenüber Glukose und Fruktose tatsächlich Vorteile: Die Kaloriendichte ist etwas geringer und sie verursachen kein Karies. Dennoch enthalten sie oft über 2 Kalorien pro Gramm und können in größeren Mengen abführend wirken.

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4. Light-Produkte: "weniger süß"

Sobald Sie Begriffe wie "light", "weniger süß", "weniger Zucker" oder "fettreduziert" auf Produktverpackungen sehen, sollten alle Alarmglocken angehen. Es gibt nämlich keine rechtliche Vorschrift, wie viel Zucker oder Fett die Hersteller aus einem Produkt entfernen müssen, um es mit solchen wohlklingenden Begriffen betiteln zu dürfen. Manche Lebensmittel, die als "weniger süß" deklariert sind, enthalten lediglich 0,8 Gramm Zucker weniger pro 100 Gramm Produkt. Auch Müslis werben häufig mit dem Aufdruck "30 % weniger Zucker", enthalten jedoch fast die gleiche Anzahl an Kalorien wie das Standardprodukt, da der Zucker häufig einfach durch Fett ausgetauscht wird.

5. Versteckte Transfette

Während es sowohl gesunde als auch ungesunde gesättigte bzw. ungesättigte Fettsäuren gibt, ist die Lage bei den Transfetten eindeutig: Sie sind per sé ungesund und sollten generell gemieden werden. Natürlich wissen auch die Lebensmittelhersteller, dass Konsumenten sich vor dem Wort "Transfette" in Acht nehmen. Daher werden diese als "gehärtete" oder "teilgehärtete" Fette getarnt. Glücklicherweise ist das Verwenden von Transfetten in der Industrie seit etwa 20 Jahren rückläufig. Dennoch sind vor allem in Back- und Süßwaren, Kartoffel- und Gemüsechips sowie Fertiggerichten wie Tiefkühlpizza weiterhin relevante Mengen an "gehärtetem" oder "teilgehärtetem" Fett enthalten.

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6. Analogkäse und Käseimitate

Nach europäischem und deutschem Recht ist der Begriff Käse geschützt: Er darf nur für Erzeugnisse verwendet werden, die ausschließlich aus Milch hergestellt wurden. Wird die Milch ganz oder teilweise ersetzt, z.B. durch pflanzliche Öle, darf die Bezeichnung "Käse" rechtlich gesehen nicht mehr verwendet werden. Theoretisch müssten die Hersteller "Belag aus Pflanzenfett" auf die Packung schreiben. Da das jedoch Kunden abschreckt, werden Fantasiebegriffe wie "Genussscheiben", "Scheibletten" oder ein oft übersehenes Geständnis wie "mit Käse zubereitet", wenn nur Teile der Milch ersetzt wurden.

7. Herkunft von Eiern

Augen auf beim Eierkauf! Auch wenn auf der Verpackung als Herkunftsland Deutschland angegeben ist, können die Eier in der Packung aus den Niederlanden kommen. Dieser Trick ist legal, da die Verpackung häufig in Deutschland geschieht und somit ein Teilschritt der Produktion bei uns erfolgt. Daher gilt: Immer einen Blick auf die Eier im Karton werfen! Diese müssen per Gesetz einen Aufdruck mit dem Länderkürzel (z.B. DE für Deutschland oder NL für Niederlande) tragen. Nur an diesem Aufdruck können Sie sicher feststellen, wo die Hühner gehalten wurden und woher die Eier wirklich kommen.

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