10. Oktober 2012
Gesunde Sehnen

Gesunde Sehnen

Sie beteiligen sich an fast allen Bewegungen, doch meist bemerken wir die Sehnen erst, wenn wir sie überlasten und sie sich mit Entzündungen wehren. Autsch! Wir verraten Ihnen, was Sie für gesunde Sehnen tun können.

Frau, dehnen
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Frau, dehnen

Sie könnte locker das Gewicht eines Kleinwagens wuppen – unglaubliche 800 Kilogramm! Die Achillessehne ist die kräftigste Sehne unseres Körpers, sitzt an der Ferse und ist trotz aller Stärke ein Schwachpunkt. So wie alle anderen Sehnen, jene Verbindungen zwischen Muskel und Knochen, die auf Überlastung empfindlich reagieren. Zieht oder sticht es bei bestimmten Bewegungen, denken die meisten von uns, dass etwas mit dem Gelenk nicht stimmt. Dabei stecken sehr oft die Sehnen dahinter. Besonders an ihren Ansätzen und im umliegenden Gewebe kann es zu Reizungen kommen, oder es lagern sich Verkalkungen ab und führen zu Entzündungen. Und die sind schmerzhaft und hartnäckig.

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So arbeiten Sehnen

Sehnen sind das Bindeglied zwischen Muskeln und Knochen und ermöglichen Bewegungen. Wenn wir uns bewegen, ziehen sich zuerst die Muskeln zusammen, was wiederum an die Sehnen weitergeleitet wird, die nun die Bewegung an die Knochen übertragen. Damit bei Bewegungen keine starke Reibung zwischen Sehne und Knochen entsteht, werden die Sehnen durch Sehnenscheiden geschützt. Ihre Flüssigkeit wirkt wie ein Schmieröl.

Im Alltag kann man einiges dafür tun, dass die Sehnen gesund bleiben:

  • Regelmäßiger Sport
  • Fehlhaltungen vermeiden
  • Vermehrt Nährstoffe wie Vitamin C, B6, B12 und Magnesium zu sich nehmen
  • Die umliegende Muskulatur kräftigen, um so die Gelenke zu stabilisieren und die Bänder zu entlasten
  • Gleichgewicht und Koordination trainieren
Besonders Sport und Bewegung sind gut für die Sehnen. Hier eignen sich vor allem Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking oder auch Yoga.

Sehnen und Bänder – das ist der Unterschied

Auch wenn sie ganz unterschiedliche Funktionen im Körper haben, werden Sehnen und Bänder gerne miteinander verwechselt. Während aber Sehnen die Muskeln mit Knochen verbinden, verbinden die Bänder nur die Knochen untereinander. So schützen und stabilieren sie die Gelenke.

Schnelle Hilfe für die Sehne

Im Akutfall helfen kalte Kompressen, rezeptfreie Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen) und Schonung. Dauern die Probleme länger als zwei Wochen, unbedingt zum Arzt gehen. „Dann kommen mehrere Therapien infrage, darunter Elektrotherapien wie die transkutane elektrische Nervenstimulation, kurz TENS. Dabei regen geringe Strommengen den Schmerzbereich an“, erläutert Dr. Jens W. Kunze, Oberarzt an der Schmerzklinik in Bad Mergentheim. „Das führt zu einer Ausschüttung von Nervenboten stoffen, die Schmerz und Entzündung reduzieren. Eine weitere Methode ist die Neuraltherapie, bei der ein Lokalanästhetikum oder Kortison injiziert wird. Wärme- oder Kälteanwendungen und Physiotherapie ergänzen die Therapie. „In der Schmerzklinik wenden wir grundsätzlich mehrere Methoden gleichzeitig an. Das hat sich bewährt“, so Dr. Kunze. Lesen Sie, welche Knackpunkte an den Sehnen am häufigsten auftreten, wie Sie sie erkennen und vorbeugen können. Und vor allem: mit welchen neuen Therapien der Arzt Ihnen hilft.

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Schmerzende Schulter
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Schmerzende Schulter

Verkalkung in der Schulter

So fühlt es sich an: Erst schmerzt es nur bei bestimmten Bewegungen und Belastung, etwa beim Haareföhnen. In der akuten Phase tut die Schulter dauerhaft höllisch weh – am schlimmsten nachts im Liegen.

Wie es entsteht: Besonders bei Frauen zwischen 40 und 50 bilden sich unter dem Schulterdach erbsen- bis mandelgroße Kalkdepots in den Sehnenansätzen. Dadurch wird es zunehmend enger unter dem Schulterdach, die Sehnen reagieren mit Reizung und Entzündung.

Neue Therapie: Seit den Achtzigerjahren wird die Stoßwellentherapie (Lithotripsie) bei Nierensteinen angewendet, seit einigen Jahren auch erfolgreich bei Kalkablagerungen im Schultergelenk. Energiereiche Ultraschallwellen zertrümmern die Ablagerungen (bis zu 1 cm Größe), sodass der Körper sie auflösen kann. Die Kosten (ca. 6 –8 Sitzungen à 80 bis 130 Euro) für die Behandlung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen jedoch nicht.

Das können Sie selbst tun: In der akuten Entzündungsphase hilft ein Quarkwickel. Dafür kühlen Magerquark fingerdick auf ein Tuch streichen. Auf die schmerzende Stelle legen, ein größeres Tuch drum herumwickeln, etwa 10 Minuten drauflassen.

So beugen Sie vor: Ideal ist der Sonnengruß aus dem Yoga, der die Schultersehnen durch seine fließenden Bewegungen stärkt. Auch diese Dehnübung hilft gut: Seitlich vor eine Wand stellen, die Schulter dagegen drücken, den Arm an der Wand nach hinten ausstrecken. Den Körper in die Gegenrichtung drehen, 20 Sekunden halten, locker lassen. 1- bis 3-mal.

Tennisellenbogen

So fühlt es sich an: Es schmerzt am Knochenvorsprung an der Außenseite des Ellenbogens – besonders bei Belastung wie dem Beugen des Handgelenks. Und man kann immer schlechter zugreifen.

Wie es entsteht: Durch wiederholte eintönige Bewegungen, z.B. beim Sport oder beim Renovieren, werden die Sehnen überreizt und entzünden sich.

Neue Therapie: Der Falten-Killer Botulinumtoxin, kurz Botox, wird in niedriger Dosierung einmalig injiziert. Das Nervengift legt betroffene Sehnen und Muskeln für zwei bis drei Monate still – die Entzündung heilt aus. Studien von Dr. Richard Placzek, Orthopäde an der Berliner Charité, bescheinigen der neuen Therapie eine hohe Erfolgsrate.
Die Kosten von ca. 400 Euro müssen aus eigener Tasche bezahlt werden.

Das können Sie selbst tun: Bei akuten Schmerzen hilft ein Verband mit Arnika-Tinktur. Dafür 100 ml Arnika-Tinktur (Apotheke) mit einer halben Tasse fettarmer Milch vermischen. Eine Geschirrhandtuch damit befeuchten, leicht ausdrücken und auf dem Schmerzbereich zwei bis drei Stunden einwirken lassen.

So beugen Sie vor: Einseitige Bewegungen vermeiden. Wer auf Tennis oder Golf nicht verzichten möchte: Epicondylitis-Bandage vom Orthopäden verschreiben lassen (ab ca. 25 Euro, einige Kassen übernehmen die Kosten).

So fühlt es sich an: Das Handgelenk tut weh, und der Schmerz zieht hoch bis zum Arm. Hinzu kommen Kribbeln, Taubheitsgefühl, Kraftverlust in Hand und Arm.

Wie es entsteht: Derartige Sehnenscheiden-Reizungen und -Entzündungen entstehen oft durch einseitige Belastung am Arbeitsplatz. Besonders betroffen: Berufstätige, die am Computer arbeiten. Jeder vierte PC-Nutzer leidet darunter.

Neue Therapie: Die Iontophorese ist eine spezielle Schmerztherapie. Mithilfe von Schwachstrom transportiert der Arzt ein entzündungshemmendes Schmerzmittel in tiefe Gewebeschichten. Preis: 10 Euro pro Sitzung, viele Kassen zahlen.

Das können Sie selbst tun: Überprüfen Sie Ihre Arbeitshaltung am Computer. Beim Schreiben die Handgelenke nicht nach oben oder unten abknicken, gepolsterte Auflagen verwenden. Probieren Sie ergonomisch geformte Computermäuse aus. Bei Tablet-PCs auf den kleinen Touchscreen-Tastaturen mit dem Stift arbeiten.

So beugen Sie vor: Handgelenke warm halten, Maus locker halten, Doppelklick-Geschwindigkeit reduzieren, häufiger Wechsel zwischen Maus und Tastatur.

Sportlerknie

So fühlt es sich an: Starke Schmerzen beim Laufen und Gehen oberhalb des Knies, an der Außenseite und bis hoch zum Hüftgelenk.

Wie es entsteht: Durch Überlastung, z.B. beim Joggen, kommt es zu akuten Entzündungen an den Sehnenansätzen.

Neue Therapie: Bei der Neurostimulation „InterX“ regen körperähnliche Wechselstrom- Impulse durch die Haut den Heilungsprozess an. Zeitgleich produziert das Gehirn vermehrt Endorphine, die Schmerzen lassen nach. Inzwischen bieten viele Orthopäden das Verfahren an.
Kosten: ca. 30 Euro pro 30 Minuten, die gesetzlichen Kassen zahlen bislang noch nicht.

Das können Sie selbst tun: Hinsetzen, Fersen auf den Boden drücken, gleichzeitig die Zehen hochziehen. Anschließend auf die Zehenspitzen gehen und die Fersen hochziehen. Im Wechsel, je 10-mal. Das hält die Knie-Statik in gesunder Balance.

So beugen Sie vor: Einlagen in Schuhen und individuell angepasste Absätze (auf Rezept) führen zu einer stabilen Balance.

Fersensporn

So fühlt es sich an: Typisch ist das Gefühl, als sei man in etwas Spitzes getreten. Auch möglich: Schmerzen an der hinteren Ferse bis hoch zur Achillessehne.

Wie es entsteht: Jeder zehnte Deutsche hat einen Fersensporn, also einen dornenförmigen, knöchernen Fortsatz, der sich am Fersenbein bildet – als Notfallmaßnahme des Körpers gegen Übergewicht, zu enge, flache Schuhe mit dünner Sohle ohne Fußbett.

Neue Therapie: Medi-Tapes, elastische Klebebänder, entlasten Muskeln und Sehnen, bessern Entzündungen. Mehr Infos: www.medi-tape.de

Das können Sie selbst tun: Eine gekühlte Wasserflasche so oft es geht mit den Füßen hin und her rollen. Das dämpft Schmerzen und Entzündung, nimmt Schwellungen. Und klappt sogar im Büro.

So beugen Sie vor: Schuhe sollten nicht an der Ferse drücken, eine gepolsterte Sohle und einen kleinen Absatz von zwei bis drei Zentimetern haben.

Gesunde Sehnen: Das rät Ernährungs-Expertin Dr. Tanja Werner aus Ismaning

Damit Ihre Sehnen gesund und stark bleiben, brauchen sie jeden Tag Power-Nahrung. Das mögen sie am liebsten:

Magnesium – eine Unterversorgung mit diesem Mineral wirkt ungünstig auf Gelenk- und Sehnenstrukturen. Extra viel Magnesium steckt in Nüssen, Vollkornprodukten und Beerenobst.

Antioxidantien schützen Sehnen- und Muskelgewebe, vor allem Vitamin C unterstützt die Regeneration des Bindegewebes. Reichlich in Sanddorn.

Basische Lebensmittel bevorzugen, weil Säure Schmerzrezeptoren anregt. 5-mal am Tag eine Hand voll Obst und Gemüse essen.
Auch Nahrungsergänzungsmittel wie z.B. „Basica“ mit basischen Mineralstoffen und Spurenelementen auf Citratbasis unterstützen den Säure-Basen-Haushalt.

Kupfer und Mangan festigen das Bindegewebe der Sehnenscheiden. Dafür oft Meeresfrüchte, Vollkorn, Haferflocken, Heidelbeeren, Spinat essen.

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