7. April 2021
Ein Monat ohne Selbstbefriedigung: Das passiert im Körper

Ein Monat ohne Selbstbefriedigung: Das passiert im Körper

Seit wenigen Jahren gibt es einen Trend rund um Enthaltsamkeit. Ein Monat ohne Selbstbefriedigung wird unter Männern beispielsweise als No-Nut-November zelebriert. Wir verraten Ihnen, was bei 30 Tagen ohne Masturbation im Körper passiert

Enthaltsamkeit als Trend

Den Trend rund um Enthaltsamkeit und Abstinenz brachte der Amerikaner Alexander Rhodes vor wenigen Jahren ins Rollen: Er rief die Bewegung rund um "NoFap" (umgangssprachliches Englisch: to fap = masturbieren) ins Leben. Rhodes hatte sich selbst als pornosüchtig bezeichnet, da er sechsmal am Tag zu Pornomaterial masturbierte. Mit der NoFap-Bewegung wollte er sich und anderen helfen, zwanghaftes und suchtartiges Masturbationsverhalten unter Kontrolle zu bringen. Im Zuge von NoFap wird häufig auch eine wissenschaftliche Studie zum Zusammenhang zwischen Testosteronspiegel und Abstinenz zitiert.

Senkt Masturbation den Testosteronspiegel?

In der chinesischen Studie aus dem Jahr 2003 wurde der Testosteronspiegel von 28 Männern im Zusammenhang mit Masturbation und Enthaltsamkeit gemessen. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass der Testosteronspiegel in einer Phase der Enthaltsamkeit anstieg, und am siebten Tag nach der letzten Ejakulation am höchsten war – und zwar um 45,7 % höher als der Grundwert.

Aus diesem Grund erhoffen sich auch Teilnehmer von NoFap-Monaten positive Effekte durch den Verzicht auf Masturbation. Die Ergebnisse der Studie sind zwar wissenschaftlich korrekt. Allerdings wird häufig übersehen oder ignoriert, dass der Spiegel des Männlichkeitshormons nach dem siebten Tag wieder absinkt und auf sein Ausgangsniveau zurückkehrt.

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Welche Effekte erhofft man(n) sich durch Abstinenz?

Einerseits erhoffen sich manche Männer den in der Studie angepriesenen höheren Testosteronspiegel. Eine andere Motivation hinter NoFap kann es sein, ein zwanghaftes oder als störend empfundenes Masturbationsverhalten in den Griff bekommen zu wollen. Das Überangebot von frei verfügbarer Pornografie im Internet ist für viele Männer, aber auch Frauen, sehr verlockend. Die immer neuen Reize sorgen dafür, dass die Häufigkeit der Selbstbefriedigung Ausmaße annimmt, die teilweise als ungesund oder störend empfunden werden.

Einige Teilnehmer begründen ihre Abstinenz auch damit, dass sie keine sexuelle Beziehung mehr zu echten Frauen aufbauen können, da sie von virtueller Pornografie so desensibilisiert sind, dass sie reale Frauen und reale Begegnungen nicht mehr als reizvoll oder erregend empfinden. 

Das passiert bei einem Monat ohne Masturbation wirklich

  • Erhöhtes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein: Wer es schafft, einen Monat lang auf etwas zu verzichten, wonach seine Triebe eigentlich verlangen, fühlt sich selbstbewusster. Einen Kontrollverlust in den Griff bekommen zu können, stärkt das Gefühl der Selbstermächtigung.
  • Resensibilisierung des Penis: Sehr häufiges und starkes Handanlegen kann den Penis desensibilisieren – er gewöhnt sich an die intensiven Reize. Durch eine Reduktion oder gar Verzicht auf Selbstbefriedigung können sich die Nervenenden an der Eichel erholen und der Penis wird wieder sensibler gegenüber Reizen.
  • Vorübergehender Testosteron-Schub: Wie anhand der oben genannten Studie gezeigt, steigt der Testosteronspiegel bei NoFap sieben Tage lang an – fällt dann jedoch wieder auf das Normalniveau ab.

Trotz zum Teil positiver Effekte durch den Verzicht auf Selbstbefriedigung sollte nicht vergessen werden, dass Masturbation auch gesundheitliche Vorteile hat. Solange sie nicht zwanghaft auftritt oder sich negativ auf die Beziehung der Person auswirkt, spricht nichts dagegen.

Video: Haarausfall durch Masturbation – welche Mythen über Selbstbefriedigung stimmen?

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