29. Juli 2021
Masturbation: Was bringt 1 Monat ohne Selbstbefriedigung?

Ein Monat ohne Masturbation: Das passiert im Körper

Seit einigen Jahren gibt es unter Männern einen Trend rund um Enthaltsamkeit. Viele erhoffen sich durch den Verzicht auf Masturbation mehr Testosteron. Wir verraten Ihnen, was bei 30 Tagen ohne Selbstbefriedigung wirklich im Körper passiert.

Enthaltsamkeit als Trend

Den Trend rund um Enthaltsamkeit und Abstinenz brachte der Amerikaner Alexander Rhodes vor wenigen Jahren ins Rollen: Er rief die Bewegung rund um "NoFap" (umgangssprachliches Englisch: to fap = masturbieren) ins Leben. Rhodes hatte sich selbst als pornosüchtig bezeichnet, da er sechsmal am Tag zu Pornomaterial masturbierte. Mit der NoFap-Bewegung wollte er sich und anderen helfen, zwanghaftes und suchtartiges Masturbationsverhalten unter Kontrolle zu bringen. Im Zuge von NoFap wird häufig auch eine wissenschaftliche Studie zum Zusammenhang zwischen Testosteronspiegel und Abstinenz zitiert.

Masturbation und Testosteron: Der Zusammenhang

In der chinesischen Studie aus dem Jahr 2003 wurde der Testosteronspiegel von 28 Männern im Zusammenhang mit Masturbation und Enthaltsamkeit gemessen. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass der Testosteronspiegel in einer Phase der Enthaltsamkeit anstieg, und am siebten Tag nach der letzten Ejakulation am höchsten war – und zwar um 45,7 % höher als der Grundwert.

Aus diesem Grund erhoffen sich auch Teilnehmer von NoFap-Monaten positive Effekte durch den Verzicht auf Masturbation. Die Ergebnisse der Studie sind zwar wissenschaftlich korrekt. Allerdings wird häufig übersehen oder ignoriert, dass der Spiegel des Männlichkeitshormons nach dem siebten Tag wieder absinkt und auf sein Ausgangsniveau zurückkehrt.

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Aus ärztlicher Sicht spricht auch nichts gegen Masturbation. Dass regelmäßige Samenergüsse unbedenklich und sogar vorteilhaft sein können, hat uns der Urologe Dr. med. Reinhold Schaefer verraten:

Häufiger Samenerguss, egal ob durch Koitus oder Masturbation, ist auf keinen Fall schädlich. Die Prostata produziert durchgehend Samenflüssigkeit, unabhängig davon, ob es zu einem Samenerguss kommt oder nicht. Eine regelmäßige Entleerung ist daher nicht von Nachteil. Besonders im Alter, wenn die Koitusfrequenz nachlässt, kann die Masturbation sogar von Vorteil sein, um einem Samenstau zuvorzukommen.

Dr. med. Reinhold M. Schaefer, Urologe aus Bonn

Wie kommt es dann, dass trotz dieser Vorteile von Sex und Selbstbefriedigung eine wachsende Abstinenz-Bewegung entstanden ist?

Welche Effekte erhofft Mann sich durch Abstinenz?

Einerseits erhoffen sich manche Männer den in der Studie angepriesenen höheren Testosteronspiegel. Eine andere Motivation hinter NoFap kann es sein, ein zwanghaftes oder als störend empfundenes Masturbationsverhalten in den Griff bekommen zu wollen. Das Überangebot von frei verfügbarer Pornografie im Internet ist für viele Männer, aber auch Frauen, sehr verlockend. Die immer neuen Reize sorgen dafür, dass die Häufigkeit der Selbstbefriedigung Ausmaße annimmt, die teilweise als ungesund oder störend empfunden werden.

Einige Teilnehmer begründen ihre Abstinenz auch damit, dass sie keine sexuelle Beziehung mehr zu echten Frauen aufbauen können, da sie von virtueller Pornografie so desensibilisiert sind, dass sie reale Frauen und reale Begegnungen nicht mehr als reizvoll oder erregend empfinden. 

Das passiert bei einem Monat ohne Masturbation wirklich

  • Erhöhtes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein: Wer es schafft, einen Monat lang auf etwas zu verzichten, wonach seine Triebe eigentlich verlangen, fühlt sich selbstbewusster. Einen Kontrollverlust in den Griff bekommen zu können, stärkt das Gefühl der Selbstermächtigung.
  • Resensibilisierung des Penis: Sehr häufiges und starkes Handanlegen kann den Penis desensibilisieren – er gewöhnt sich an die intensiven Reize. Durch eine Reduktion oder gar Verzicht auf Selbstbefriedigung können sich die Nervenenden an der Eichel erholen und der Penis wird wieder sensibler gegenüber Reizen.
  • Vorübergehender Testosteron-Schub: Wie anhand der oben genannten Studie gezeigt, steigt der Testosteronspiegel bei NoFap sieben Tage lang an – fällt dann jedoch wieder auf das Normalniveau ab.

Trotz zum Teil positiver Effekte durch den Verzicht auf Selbstbefriedigung sollte nicht vergessen werden, dass Masturbation auch gesundheitliche Vorteile hat. Solange sie nicht zwanghaft auftritt oder sich negativ auf die Beziehung der Person auswirkt, spricht nichts dagegen.

So gesund sind regelmäßige Samenergüsse

Regelmäßige Samenergüsse haben sogar positive gesundheitliche Effekte – das fanden Forscher in einer von 1992 bis 2010 laufenden Studie mit über 30.000 männlichen Probanden heraus. Diejenigen Männer, die im Studienverlauf häufiger ejakulierten, hatten nämlich ein geringeres Risiko für die Entstehung von Prostatakrebs. Das geringste Risiko wiesen demnach Männer auf, die 21 oder mehr Samenergüsse pro Monat erlebten. Gesundheitlich gesehen spricht daher sogar einiges dafür, regelmäßig Hand anzulegen oder geschützten Geschlechtsverkehr zu haben.

Übrigens: Kavaliersschmerzen kommen nicht durch einen „Samenstau“ zustande, sondern durch ein Verkrampfen der Muskulatur der Samenwege. Ein Samenerguss hilft dagegen, indem er die lokale Muskelspannung reduzieren.

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Video: Haarausfall durch Masturbation – welche Mythen über Selbstbefriedigung stimmen?

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