Getreidesorten Ist Dinkel wirklich gesünder als Weizen?

Weizen ist vielseitig einsetzbar, günstig und leicht zu produzieren. Dennoch hat das Getreide seinen guten Ruf verloren. Dinkel hingegen ist der neue Star unter den Getreidesorten, da er so gesund ist. Aber stimmt das überhaupt?

Frisches_Brot_auf_Brett_und_Handtuch

Das Korn Dinkel ist wie etwa Roggen, Gerste oder Hafer keine eigene Getreideart, sondern zählt zu Familie des Weizens. Dinkel unterscheidet sich jedoch zum Weizen in seiner holzigen äußeren Hüllen, in denen die Körner verwachsen sind. Weizen lässt sich hingegen leichter aus der Hülle lösen, was die Weiterverarbeitung wenig aufwendig macht. Das Getreide wurde in seiner Züchtung an die Ansprüche der Lebensmittelproduktion angepasst, während Dinkel noch etwas ursprünglicher wächst. So gilt er wie Emmer und Einkorn noch als Urgetreide.

 

Nährwerte, Mineralstoffe und Vitamine

Tatsächlich unterscheiden sich Dinkel und Weizen in ihrem Nährstoffgehalt nur wenig. Dennoch ist zu erkennen, dass Dinkel bei so gut wie allen Mikro- und Makronährstoffen die Nase vorn hat:

Inhaltsstoffe pro 100 g Dinkel Weizen
Kalorien 349 kcal 348 kcal
Fett 1 g 1 g
Kohlenhydrate 68 g 72 g
Ballaststoffe 4 g 2,8 g
Protein 12 g 10 g
Kalium 135 mg 168 mg
Magnesium 31 mg 14 mg
Calcium 8 mg 5 mg
Eisen 1,16 mg 0,57 mg
Zink 1,55 mg 0,5 mg
Vitamin E 0,3 mg 0,17 mg
Vitamin B1 0,3 mg 0,1 mg
Vitamin B6 0,3 mg 0,4 mg
Folsäure 50 mg 10 mg

 

Wie gut ist Dinkel bei Glutenunverträglichkeit?

Irrtümlicherweise ist der Glaube verbreitet, dass Dinkel bei einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) besser geeignet ist als Weizen. Doch auch Dinkel enthält aufgrund seines hohen Eiweißgehalts Gluten. Da der Eiweißgehalt sogar höher ist als im Weizen, ist auch hier der Glutenanteil höher. 

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Proteine bei Weizen und Dinkel unterscheiden sich

Eine Studie der Universität Hohenheim ergab, dass sich die Eiweißzusammensetzung bei Weizen und Dinkel je nach Sorte und Anbauort unterscheidet. Die Forscher schließen daraus, dass verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Proteinen zielgerichtet eingesetzt werden könnten – z. B. für eine optimale Backqualität oder gar für eine bessere Verträglichkeit. Aktuell haben die Forscher untersucht, wie sich Weizen- und Dinkelsorten während der Brotherstellung verändern. Die Ergebnisse wurden bewertet und werden nun in einer Humanstudie untersucht.
In der ersten Untersuchung der Mehlsorten haben die Forscher einen Allergieindex erstellt. Dabei wurden 22 Proteine untersucht, die als mögliche Auslöser für Weizenallergie, Bäckerasthma und Weizensensitivität diskutiert werden. Sowohl beim Dinkel als auch beim Weizen konnten die Forscher eine sehr große Schwankungsbreite zwischen den Sorten beobachten: Der Gehalt an potenziellen allergenen Proteinen kann sich bei den verschiedenen Sorten um das 20-Fache unterscheiden. 
 

Ist Dinkel nun gesünder?

Viele Personen greifen mittlerweile zu Dinkelnudeln oder ersetzen einen Teil des Weizenmehls beim Backen durch Dinkelmehl. Auch Abnehmwillige greifen lieber zu diesen Produkten, da Dinkelmehl mehr Ballaststoffe enthält und somit länger sättigt. Die Kalorienanzahl ist hingegen beinahe gleich, sodass es beim Abnehmen nicht relevant ist, zu welchem Mehl gegriffen wird. Letztendlich kommt es beim Abnehmen auf das Kaloriendefizit an.
Für die Gesundheit ist es ebenso nicht sinnvoll, nun statt zu Weizenkeksen jetzt zu Dinkelkeksen zu greifen, da sie noch zusätzlich Fett und Zucker enthalten, sodass die gesunden Nährstoffe der Mehle kaum noch ins Gewicht fallen. Für eigene Kreationen können Sie also sowohl Weizen als auch zu Dinkel verwenden. Weizen eignet sich z. B. für süße Gebäcke, Dinkel hingegen verleiht Brot, Keksen und Kuchen eine herzhafte Note.

Datum: 23.11.2020
Autorin: Christina Liersch