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Beziehungen Magische Momente

Manchmal genügen wenige Sätze, einige Blicke – und schon öffnet sich eine Tür. Wir fühlen uns einem Menschen so nah wie nie zuvor. Das scheint wie Magie – doch man kann solche Momente herbeiführen, sagen Psychologen. Und das geht erstaunlich leicht.

Verliebtes Paar

Es ist wie ein Geschenk. Das Schönste, das man jemals bekommen hat. Das Flackern in den Augen lässt sich ebenso wenig verbergen wie das Prickeln auf der Haut. Eine Begegnung wie ein Lichtbogen zwischen zwei Starkstrom-Quellen. Es knistert und funkt. Heftig. Von der ersten Sekunde an glaubt man, den anderen schon aus dem Sandkasten zu kennen. Die Zeit vergeht wie im Flug und bleibt gleichzeitig stehen. Gedanken, Gesten, Ideen, Worte kommen wie von selbst. Sie scheinen zu fliegen und erzeugen ein unbeschreibliches Hochgefühl. „In diesen magischen Momenten verlieben wir uns Hals über Kopf“, sagt der US-Psychologe Rom Brafman. Mit seinem Bruder, dem Unternehmensberater Ori Brafman, hat er in den vergangenen Jahren erforscht, was passiert, wenn es zwischen Menschen „klick“ macht. Die Ergebnisse haben sie kürzlich auch in Deutschland veröffentlicht („CLICK. Der magische Moment in persönlichen Beziehungen“, Beltz, 224 Seiten, 17,95 Euro). Sie sammelten Fallbeispiele und werteten Studien und Experimente aus. Dabei fanden sie fünf Faktoren, die „Klick-Momente“ begünstigen, ja sogar beschleunigen.

„Menschen, zwischen denen eine unmittelbare Vertrautheit entsteht, teilen eine gemeinsame Leidenschaft“, erklärt Rom Brafman. „Das ist ein sehr starker Faktor.“ So traf er z.B. eine Frau, die auf einem Kongress ihren zukünftigen Mann kennengelernt hatte. Als sie ihn das erste Mal sah, hielt er einen BWL-Vortrag – und zitierte mittendrin antike Dichter. „In dem Moment, als er den Satz über Platon und Aristoteles sagte, wusste ich es: Wir mochten so ziemlich die gleichen Dinge im Leben.“ Als sie sich dann gegenüberstanden, wurde dieses Gefühl noch stärker und aus dem ersten „Klick“ Liebe und lebenslanges Vertrauen.


Herz
Magie? Schicksal? Zufall? Nein! Dahinter steckt unser eigenes Zutun. „Jeder Mensch signalisiert, ob er für eine solche Begegnung bereit ist“, sagt der Berliner Kommunikationspsychologe und Sympathie-Forscher Dr. Frank Naumann. Das gelte nicht nur für die Liebe, sondern auch für Geschäftsbeziehungen, Freundschaften oder im Sport. „Wer in einer Begegnung rückhaltlos präsent ist, dem anderen aufmerksam zuhört, interessiert und liebenswürdig nachfragt und selbst auch Persönliches von sich preisgibt, erntet Sympathiepunkte.“ Wer sich also traut, die vermeintlich schützende Hülle des Smalltalks abzustreifen und sich zu öffnen, Verletzlichkeit und echte Emotionen zu zeigen, ist bereit für den „Klick“.

Doch genau davor haben viele Menschen Angst. Sie befürchten, schwach und schutzlos dazustehen, verletzt und ausgenutzt zu werden oder gegen gesellschaftliche Regeln zu verstoßen. Die „Klick“-Chance verpufft. „Wenn wir uns nicht verstellen, sondern wir selbst sind, wirken wir authentisch – und das ist sehr anziehend und macht attraktiv“, ermutigt Naumann. Außerdem besitzt jeder feine Schutz-Sensoren dafür, mit wem er das Gegenteil eines „Klick“-Moments erlebt.


Aber wie verlässlich ist diese überwältigende Anziehung oder Abstoßung? „Sehr verlässlich“, sagt Naumann. Soziologische und neurologische Untersuchungen zeigen: In Sekunden-Bruchteilen nehmen wir unbewusst unzählige Signale und stumme Botschaften unseres Gegenübers wahr. Mögen wir z.B. sein Äußeres und seinen Geruch, kommt es darauf an, wie stimmig wir seine Gestik, Mimik und Stimme empfinden. Ob wir Ähnlichkeiten mit eigenen Vorlieben entdecken. „Diesem Bauchgefühl können wir vertrauen“, sagt auch Rom Brafman. „Und wenn der Funke überspringt, dann glüht er meist ein Leben lang.

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Autor:
Friederike Schön