Wundermittel oder schädlich?

Silikon in der Kosmetik

Faltenfreie Haut, glänzende Haare, haltbares Make-up: Silikon macht’s möglich, soll aber Haut und Umwelt auch belasten. Stimmt das?

Silikon ist ein Verwandlungskünstler. Es tritt unter verschiedenen Namen auf, und es gibt kaum etwas, was es nicht kann. Dass dieser synthetische Stoff so wandelbar ist, liegt daran, dass er wie Lego funktioniert. Man kann kurzkettige, langkettige oder ringförmige Silikone bauen und beliebig miteinander verzweigen. Deshalb gibt es auch so viele Einsatzgebiete – ob zum Abdichten von Fugen, als Brustimplantat, Kuchenform oder zum Faltenauffüllen. Kein Wunder, dass Silikon zu den am häufigsten eingesetzten Kosmetikzutaten überhaupt gehört – auch wenn es in letzter Zeit in die Kritik geraten ist. Während die einen Beauty-Hersteller darauf schwören, ist es in der Naturkosmetik tabu und wird von anderen konventionellen Anbietern wieder aus einigen Produkten herausgenommen. Woran liegt es, dass Silikon so polarisiert? Was ist Vorteil, was Vorurteil? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

So erkennen Sie Silikon

Ein Stoff, viele Namen. Ganz schön verwirrend! Doch der Schlüssel für einen cleveren Kosmetikkauf befindet sich auf jedem Produkt: die Zutatenliste. Was Sie ganz oben finden, ist am meisten drin, was weiter unten steht, weniger. Mit diesem Wissen können Sie selbst beurteilen, ob Silikon in Ihrem Produkt steckt – und auch, wie viel und welches. pNicht wasserlösliche Silikone: z. B. „Dimethicone“, „Cyclomethicone“, „Cyclopentoxilase“, „Dimethiconol“ pWasserlösliche Silikone: z. B. „Amodimethicone“, „Polysiloxane“, „PEG/PPG-14/4 Dimethicone“, „Dimethicone Copolyol“, Lesen Sie bitte weiter auf Seite 35 „Phenyl Trimethicone“

BESCHWEREN SILIKONE DIE HAARE?

Glänzende Haare sind der Inbegriff von Attraktivität. Deshalb enthalten mehr als die Hälfte aller Shampoos und sogar 90 Prozent aller Spülungen Silikon. Wie ein Schutzfilm legt es sich um jedes einzelne Haar, schmiegt abstehende Hornschüppchen an den Schaft und reflektiert das Licht. Kritiker behaupten, dass Silikonrückstände sich auf den Haaren ansammeln, es fettig wirken lassen und das Färben erschweren. „Früher war das tatsächlich oft der Fall“, sagt Britta Klebon, stellvertretende Direktorin der wissenschaftlichen Abteilung von Garnier. „Heute werden mehr wasserlösliche Silikone eingesetzt. Für unsere ‚Fructis‘-Haarpflege verwenden wir z. B. ‚Amodimethicone‘, die mit einem Anziehungskraft-Trick arbeiten.

Da die Moleküle einen positiv geladenen Seitenarm haben, docken sie gezielt an den geschädigten, negativ geladenen Haarstellen an, ohne den Rest zu beschweren.“ In puncto kaputte Haarspitzen ist Silikon sogar das Einzige, was hilft. Es kann das Haar zwar nicht reparieren, aber so versiegeln, dass es nicht weiter aufribbelt.  

SCHADET EIN SILIKONFILM DER HAUT?

Was Silikon auf den Haaren kann, kann es auch auf der Haut: Es bildet eine Art wasserabweisenden Mantel, der vor Feuchtigkeitsverlust schützt. Das macht es zu einer idealen Zutat in Handcremes und Salben gegen Wunden, die es wie ein Sprühpflaster verschließt. Gut ist vor allem, dass Allergien gegen Silikon unbekannt sind. Auch in Körperölen kommt Silikon oft zum Einsatz, denn es ist ewig haltbar, fixiert Duftstoffe auf der Haut und fühlt sich nicht fettig an. Das hat den Vorteil, dass Sie sofort nach dem Einreiben in Ihre Jeans schlüpfen können. Einen wahren Boom erlebt Silikon seit ein paar Jahren zudem in sogenannten „Falten-Filler-Produkten“, die nach dem Prinzip eines Fugenfüllers funktionieren. Durch die hohen Dosen an Silikon erscheint das Gesicht jugendlich glatt – und das direkt nach dem Auftragen. Klingt super, ist aber nur die eine Seite der Medaille. Steckt nämlich zu viel Silikon in einer Creme, staut sich der Schweiß, die Haut quillt unter dem Film auf und wird spröde. Außerdem liefert Silikon im Gegensatz zu pflanzlichen Ölen keinerlei eigene Pflegestoffe, sodass immer Wirkstoffe zugesetzt werden müssen, um mehr als einen oberflächlichen kurzfristigen Effekt zu erzeugen. Cremes, die Sie täglich anwenden wollen, sollten am besten nur solche Mengen Silikon enthalten, dass es in den unteren zwei Dritteln der Zutatenliste (siehe Kasten) auftaucht.  

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