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VITAL-Test Akupressur mit der Yantramatte

Trends gibt’s ja viele. Aber taugen die was? Wir testen für Sie Außen seiter methoden und Produkte, die Gesundheit und Wohlbefinden versprechen. Diesmal: Akupressur mit der Yantramatte

Bevor hier ein falscher Eindruck entsteht: Ich quäle weder mich noch andere gern. Und ich stamme nicht aus einer Fakir-Familie. Ich war bloß nicht schnell genug weg, als die Yantramatte zum Testen in der VITAL-Redaktion eintraf. Aber, liebe Kolleginnen, man sieht sich immer zweimal im Leben. Dann heißt es für euch: Ab auf die Matte! Das wird ein Fest.

Aber jetzt zum Testobjekt. Es steckt in einer röhrenförmigen Tasche. Ich öffne den Reißverschluss. Noch sieht alles harmlos aus. Beherzt greife ich hinein. Autsch! Das tat weh. Als würde man einen Kaktus mit bloßen Händen umtopfen. Ich entscheide mich für das andere Ende der Tasche und entferne sie durch kräftiges Ziehen und Schütteln. Dann liegt die Yantramatte vor mir auf dem Boden – und ich habe ehrlich gesagt schon genug. Dicht an dicht reihen sich darauf 348 weiße Kunststoffscheiben aneinander, gespickt mit 11 550 messerscharfen Akupressur - nadeln aus demselben Material.

Um mich abzulenken – nein, ich schiebe den Praxistest nicht auf! –, surfe ich zur Internetseite des Herstellers. Der rät, den „Körper allmählich daran zu gewöhnen“ und bei „zu starkem Schmerz einen dünnen Stoff zwischen Haut und die Matte“ zu legen. Soso! Danach folgt, was die Matte mir alles bringen soll: mehr Energie,weniger Stress, entspanntere Muskeln. Irgendwie will ich das alles nicht.
Feigling! Wie willst du über etwas schreiben, das du nicht ausprobiert hast? Wo auch immer diese Stimme in meinem Kopf herkommt, sie klingt unerbittlich. Also lege ich mich langsam hin. Am Oberkörper nichts als ein dünnes T-Shirt. Doch in meiner Fantasie ist es ein mittel - alterliches Kettenhemd, eine kugelsichere Weste, ein… Autsch!

Laut Anleitung muss ich in den ers ten vier Tagen „nur“ circa 10 Minuten durchhalten. Wie bitte?! Nach 14 Tagen sollten es dann aber schon 40 Minuten sein. Echte Profis schlafen dabei angeblich sogar entspannt ein. Na klar! Wie wäre es mit Yantrasex?, durchfährt es mich, bevor ich – 20 Minuten habe ich geschafft! – wie von der Tarantel gestochen aufspringe. Das ist nicht witzig!
Mein Rücken ist übersät mit roten Flecken. Immerhin: Die Durchblutung hat das Ding angeregt. Mehr Energie, weniger Stress, gelockerte Muskeln? Fehlanzeige! Und mir ist auch schleierhaft, wie das funktionieren soll. Denn die Akupressurpunkte auf den sogenannten Meridianen liegen in der traditionellen chinesischen Medizin ganz woanders. Und es sind sicher nicht 11 550!

Fazit: Wer Fakir ist oder noch werden will, erwirbt mit der „Nagelmatte“, wie der Prospekt sie liebevoll nennt, ein absolutes Must-have. Zu diesen Menschen zähle ich mich eindeutig nicht. Und am Rande bemerkt: Kann ein Produkt seriös sein, dessen Hersteller das Wort „Akupressur“ konsequent mit Doppel-K schreibt? Eher nicht. Obwohl: Um erneuerbare Energien ging es ja irgendwie schon.

 

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