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Gesundheit Pille ohne Pause?

Schon jede vierte Frau zwischen 15 und 49 Jahren macht Schluss mit dem Zyklus: Sie nimmt die Antibabypille einfach monatelang durch. Ein Experte erklärt, warum das nicht schadet. Wie stehen Sie dazu?

Pille

Bauchkrämpfe, Kopfschmerzen, spannende Brüste – jeden Monat das selbe nervige Spiel. 60 Prozent der deutschen Frauen leiden unter ihrer Regel. Immer mehr von ihnen tricksen sie aus, indem sie die Antibabypille nonstop durchnehmen. Oftmals über Jahre hinweg.
Ist dieser Trend, der aus Amerika zu uns herüberschwappt, gefährlich? VITAL wollte das genauer wissen und fragte nach bei Dr. Klaus König, Gynäkologe im hessischen Steinbach.

VITAL: Warum wollen Frauen ihre Regel abschaffen?
Dr. König: Ein Urlaub ist der häufigste Grund, weshalb die Blutung hinausgeschoben werden soll. Oft entscheiden sich die Frauen dann für den „Klassiker“, die Einnahme über drei Monate mit anschließender siebentägiger Pillenpause. Andere möchten völlig auf die Blutung verzichten und nehmen die Pille durch. Manchmal sprechen auch medizinische Gründe für die Dauereinnahme, etwa bei einer Endometriose (im Bauchraum versprengte Gebärmutterschleimhaut). Ich habe festgestellt, dass vor allem gut informierte Frauen den Langzyklus wählen.

Braucht der Körper die monatliche Blutung?
Nein. Der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut hat lediglich den Zweck, eine Schwangerschaft vorzubereiten. Wird die nicht gewollt, ist er überflüssig. Und damit auch die Blutung, die nur dazu dient, die aufgebaute Schleimhaut wieder abzustoßen. Was oft vergessen wird: Jede Form der Pilleneinnahme ist ein Eingriff in den natürlichen Zyklus. Wir legen willkürlich fest, dass er 28 Tage dauern soll. Es könnten genau so gut 35 sein. Selbst das übliche Einnahme-Schema der Pille – 21 Tage Hormone, sieben Tage Pause – ist willkürlich. In Deutschland denken wir noch allzu oft, dass zu einer gesunden Frau eine Blutung gehört. In anderen Ländern sieht man das ganz anders.

Der Zyklus: Original und Fälschung

Was geschieht im normalen Zyklus?
Die Hormone Östrogen und Progesteron (das natürliche Gestagen) werden vor allem in den Eierstöcken gebildet. Durch ihre Konzentration im Blut regeln sie die Eireifung, den Eisprung, Auf- und Abbau der Gebärmutterschleimhaut – damit auch die Monatsblutung – und die Beschaffenheit des Zervixschleims im Gebärmutterhals.

Was verändert sich durch die Pille?
Die Mikropille täuscht dem Körper eine Schwangerschaft vor: Das künstliche Östrogen unterbindet den Eisprung. Das Gestagen verdickt den Zervixschleim, dadurch wird der Gebärmutterhals für Spermien unpassierbar, und es hemmt den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Ausnahme: Pillen, die nur Gestagen enthalten (Minipillen), verhindern den Eisprung nicht, lösen aber in jedem Fall eine Blutung aus – durch den Hormonentzug in der Pillenpause.

Ist die Angst, nach der Dauer-Einnahme nicht mehr schwanger zu werden, begründet?
Nein. Die vorübergehende Unterdrückung der Eierstöcke hat keinerlei Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit einer Frau. Die Anzahl der Follikel, also der Eibläschen in den Eierstöcken, ist schon bei der Geburt festgelegt, an der ändert sich im Laufe des Lebens nichts. Nach dem Absetzen der Pille ist also wieder eine Schwangerschaft möglich. Wie schnell das geht, hängt davon ab, wie hoch sich die Schleimhaut der Gebärmutter unter der Antibabypille aufgebaut hat.

Wie sieht es mit den gesundheitlichen Risiken aus?
Für jede, wirklich jede Verordnung der Pille gilt, dass Kontraindikationen ausgeschlossen werden müssen, also z. B. hoher Blutdruck und Gerinnungsstörungen. Sie sollten auch bei Verwandten auf der mütterlichen Seite nicht vorkommen. Außerdem weisen wir immer darauf hin, das Rauchen aufzugeben. Wer dann noch jedes halbe Jahr zur Kontrolle zum Frauenarzt geht, ist auf der sicheren Seite. Im Übrigen haben wir 50 Jahre Erfahrung mit der Pille und wissen: Die heute verfügbaren Präparate sind sehr sicher. Bedenken hinsichtlich eines erhöhten Krebsrisikos brauchen Frauen nicht zu haben – auch nicht bei der Langzeiteinnahme. Es gibt keine seriösen Studien, die diesen Zusammenhang belegen.

Wann raten Sie trotzdem ab?
Wenn eine Frau die Blutung als sicheres Zeichen dafür braucht, nicht schwanger zu sein. Dann ergibt die Dauereinnahme der Pille natürlich keinen Sinn – obwohl ihre Sicherheit heute fast 100 Prozent beträgt und diese Angst überflüssig ist.

Können bei der Nonstop-Einnahme Beschwerden auftreten?
Ja. Möglich sind insbesondere Zwischenblutungen. Dagegen haben wir drei Therapie-Optionen: 1. Die Pille einfach weiternehmen, dann hört die Blutung irgendwann auf. 2. Die doppelte Dosis einnehmen, bis die Blutung – meist nach wenigen Tagen – aufhört. 3. Eine Woche pausieren, dann mit einer neuen Pillen- packung beginnen. Die meisten Beschwerden treten am Anfang der Pilleneinnahme auf und geben sich mit der Zeit. Werden die Zwischenblutungen nicht besser, kann eine niedrigere Hormondosis oder eine andere Zusammensetzung helfen.

Kann ich jede Antibabypille im Dauertakt schlucken?
Nein. Aber jede gestagenbetonte Einphasen-Pille eignet sich für die Langzeiteinnahme. Diese modernen Mikropillen verhindern, dass sich die Schleimhaut der Gebärmutter hoch aufbaut. Gleichzeitig bremsen Gestagene das Östrogen aus. Das gilt auch für den „Nuvaring“, der in die Scheide eingesetzt wird und dort seine Hormone abgibt.

Wie lange kann ich die Pille durchnehmen?
Unbegrenzt lange. Bei Endometriose oder starken Beschwerden durch das Prämenstruelle Syndrom soll ja gerade keine Blutung mehr auftreten, die die Frauen quält. Das ist oft schon nach wenigen Monaten der Fall.

Sind Hormonspirale oder Dreimonatsspritze eine Alternative?
Die Hormonspirale gibt über fünf Jahre nur niedrig dosierte Gestagene ab. Sie ist eine gute Alternative für Vergessliche und für Frauen, die auf die Pille z. B. mit Übelkeit reagieren. Allerdings sind Zwischenblutungen wahrscheinlicher als bei der „Dauer-Pille“. Die Dreimonatsspritze ist hormonell so hoch dosiert, dass es nach zehn Jahren und mehr zur Unfruchtbarkeit kommen kann.

 

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