4. November 2012
Späte Mütter

Späte Mütter

Jede vierte Frau in Deutschland ist 35 oder älter, wenn sie ihr erstes Kind bekommt. Das hat durchaus Vorteile. VITAL sprach mit Fachleuten und drei Mamis über ihr ganz großes Glück.

Schwangere Frau
© thinkstockphotos
Schwangere Frau

Fröhlich kommt Kirsten Echtermeyer mit Töchterchen Kiara, 3, zum vereinbarten Treffen in einem Café in Berlin- Charlottenburg geradelt. Sie sieht deutlich jünger aus als 49. Vielleicht, weil sie jahrelang Leistungssportlerin war. Marathon und Triathlon. Vielleicht gelang ihr auch deshalb etwas, was viele Ärzte für unmöglich halten: Sie wurde mit 45 das erste Mal schwanger – problemlos und auf natürlichem Weg. Die Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen, und Kiara ist gesund.

Immer mehr späte Mütter

Damit ist Kirsten Echtermeyer gutes Beispiel und große Ausnahme gleichermaßen: Versichertendaten belegen, dass die Zahl der werdenden Mütter im Alter von 20 bis 24 in den vergangenen Jahren um 28 Prozent gesunken ist. Parallel stieg die Geburtenrate unter den 40- bis 44-Jährigen um 46 Prozent. Bei jeder vierten Geburt ist die Mutter mittlerweile 35 oder älter, errechnete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Gleichzeitig sind noch nie weniger Babys geboren worden als im vergangenen Jahr, so die Statistiker. Gerade einmal 663 000 Kinder kamen 2011 zur Welt. Zum Vergleich: 1964 wurden noch knapp 1,4 Millionen Mädchen und Jungen geboren.

Jedes siebte Paar ist kinderlos

Fachleute wie Dr. Elmar Breitbach vom Zentrum für IVF und Reproduktionsmedizin in Bad Münder wundert das nicht. Eine 35-Jährige hat im Vergleich zu einer 25-Jährigen nur halb so gute Chancen, schwanger zu werden. Etwa mit 41 endet die natürliche Fruchtbarkeit, zeigen Studien. Die von Geburt an festgelegte Zahl der Eizellen ist im Schnitt nach 400 Monatszyklen aufgebraucht.
Trotzdem glauben Umfragen zufolge noch 54 Prozent der Deutschen, dass es für eine Frau erst zwischen 40 und 45 schwierig wird, ein Kind zu bekommen. Ein folgenreicher Irrtum: Mittlerweile ist hierzulande jede siebte Partnerschaft ungewollt kinderlos. Sandra und Thomas Junker gehörten dazu. Fünf Jahre lang versuchen sie vergeblich, ein Baby zu bekommen. Schließlich wandten sie sich an eine Kinderwunsch-Klinik. Beim fünften Versuch klappte es endlich.

"Frauen möchten selbstbestimmt Ihren Weg gehen und auf Ihr Bauchgefühl hören dürfen" - Psychologin Ines Imdahl

Tochter Tiana Helena ist mittlerweile zwei Jahre alt. Trotzdem hat ihre 41-jährige Mutter immer noch Tränen in den Augen, wenn sie vom schweren Weg zum eigenen Kind erzählt. Viele fühlen sich diesem emotionalen Stress nicht gewachsen.
In einer holländischen Studie brachen 71 von 100 Paaren ihre Kinderwunschbehandlung deshalb ab. Hinzu kommen hohe Kosten: In Deutschland zahlen die Krankenkassen nur bei unter 40-Jährigen die Hälfte der ersten drei Behandlungszyklen. Danach müssen die Betroffenen allein zahlen. Das können viele nicht. Würden wieder die ersten vier Versuche komplett bezahlt, so eine Studie des Berliner IGES-Instituts, könnten jedes Jahr bis zu 7900 Kinder mehr geboren werden. Danach sieht es nicht aus.

Immerhin plant Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ein Förderprogramm von zehn Millionen Euro für ungewollt kinderlose Paare.

Unpassender Kinderwunsch

Infos & Bücher

Fruchtbarkeitsstörungen:
Infos zu diesem Thema liefert z.B. die Internetseite www.kinderwunsch.de Eine kostenlose Broschüre gibt es unter 0800/ 673 673 637

Kinderwunschbehandlung:
Über Methoden und Kliniken informiert ausführlich das Online-Portal www.wunschkinder.net, für die Dr. Elmar Breitbach verantwortlich ist

Einfühlsamer Ratgeber:
„Der Traum vom eigenen Kind“ von Heike Stammer, Kohlhammer, 188 Seiten, 19,90 Euro

Fundierter Mutmacher:
„In diesem Alter noch ein Kind? von Christine Biermann und Ralph Raben, Herder, 224 Seiten, 9,95 Euro

Dass es am Geld allein nicht liegt, belegt jedoch die Tatsache, dass seit Einführung von Elternzeit und Elterngeld 2007 die Geburtenrate kaum anstieg. Woran liegt es dann? Da sind zum einen die „üblichen Verdächtigen“: Die Ausbildungszeiten werden länger. Die Etablierung im Beruf beginnt später. Und: Je aussichtsreicher und lukrativer ein Job ist, umso schwerer fällt es, ihn aufzugeben und umso größere Steine legen Firmen Müttern beim Wiedereinstieg meistens in den Weg.
Bundesweit 260 000 fehlende Kita-Plätze und familienunfreundliche Arbeitszeiten tun ein Übriges. Führende US-Forscher haben indes eine weitere Gefahr ausgemacht: endokrine Disruptoren, also Umweltgifte, die das weibliche (und männliche) Hormonsystem dauerhaft schädigen können. Dazu gehören Zigarettenrauch, Pflanzenschutzmittel, Insektizide, Kunststoffbestandteile (z. B. Bisphenol A) oder Weichmacher (Phthalate). Sie lösen eine frühzeitige Pubertät, Brustkrebs und – Unfruchtbarkeit aus. Die Experten sprechen von einer „gestörten Weiblichkeit“.

Die Angst vor dem Mama werden

Aber auch das ist nicht alles. Ines Imdahl und ihr Team vom Forschungsinstitut Rheingold in Köln befragten 1000 Frauen zwischen 20 und 40 – mit traurigem Ergebnis: Kinderkriegen war meistens mit Angst verknüpft. „Muttersein geht mit einer Art Identitätsverlust einher“, sagt Imdahl. Frauen würden hin- und hergerissen zwischen Supermama und Erfolgsfrau.
Ein überzogenes Mutter ideal setze sie unter Perfektionsdruck.
„Alles soll schön leicht aussehen“, erklärt Imdahl. „Frauen strengen sich so sehr an, gelassen zu sein, dass sie es nicht mehr sind.“ Umso ausgeprägter sei ihr Wunsch nach einem Trend weg von der perfekten Mutter hin zu einer individuellen, selbstbestimmten Frau, die ihren eigenen Weg geht und auf ihr Bauchgefühl hören darf. Dorothea Meyer, 46, hat genau das getan.
Trotz hohem Downsyndrom-Risiko entschied sie sich vor drei Jahren, ihr Baby zu behalten – und gehört damit zu den zehn Prozent der Frauen, die in so einem Fall nicht abtreiben. „Ich würde zu keiner Frau sagen: Behalte dein Kind!“, betont die Hamburgerin. „Neulich las ich jedoch ein Interview mit einer Mutter, die sagte, sie habe zum Wohle der Familie abgetrieben. Das finde ich schwierig.“

Vorteile älterer Mütter

Wird Noa angestarrt, sucht ihre Mutter das Gespräch und zeigt, dass die Kleine ein ganz normales Mädchen ist. „So selbstbewusst wäre ich vor zehn Jahren nicht gewesen.“ Vielleicht ist das ja das Geheimnis später Mütter. Sie sind stärker, lebenserfahrener, können sich frei machen von äußeren Zwängen.
Ihre Kinder profitieren jedenfalls davon, wiesen britische Forscher jetzt nach: Dreijährige mit 40-jährigen Müttern haben weniger Unfälle, sind besser geimpft, sozial kompetenter und sprachlich fitter. Wenn das kein Kompliment ist!

Stufenmodell: Der Weg zum Kind

Stufe 1: Hormonbehandlung
Die Frau spritzt sich selbst Hormone (oder lässt sich spritzen) oder nimmt Hormontabletten ein, um die Eizellenreifung zu unterstützen. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse, 30 von 100 Behandlungen glücken.

Stufe 2: Insemination
Gesunde Samenzellen des Mannes (oder eines Spenders) werden per Katheter direkt in die Gebärmutterhöhle übertragen. Die Kosten muss das Paar etwa zur Hälfte selbst tragen (ca. 500 Euro). 20 von 100 Behandlungen glücken.

Stufe 3: In-vitro-Fertilisation (IVF)
Eizelle und Samenzelle werden in der Petrischale vereint. Kommt es zur Befruchtung – bei der intrazytoplastischen Spermieninjektion (ICSI) wird sie quasi „erzwungen“ –, wird der Embryo in die Gebärmutter übertragen. Kosten: 1500–2000 Euro pro Versuch. Etwa 30 von 100 glücken.

Spätes Familienglück

Die kleine Tiana Helena fiebert ein bisschen. Deshalb saust die Zweijährige auf ihrem Bobby-Car nur mit halber Kraft durch den Garten. Ihre Eltern, Sandra und Thomas Junker, beobachten sie liebevoll. „Wir haben zu lange gewartet“, sagt die 41- Jährige. „Es ist perfekt, so wie es ist. Aber hätten wir die Behandlung eher begonnen, wäre noch ein zweites Kind möglich gewesen.“ Das Paar verhütet schon lange nicht mehr. „Wenn es passiert, ist es okay“, sagt die Verwaltungswirtin. „Es ist jetzt nicht mehr so wichtig.“ Nicht mehr.

Sechs lange Jahre haben sich die Junkers nichts so sehr gewünscht wie ein Kind. „Ich habe versucht, es aus dem Kopf rauszukriegen“, erzählt Sandra Junker. Es gelingt ihr nicht. An der Fachhochschule in Hannover lernte sie 1994 Thomas kennen. „Dass wir heiraten und Kinder kriegen, war da gar nicht klar“, sagt Sandra Junker und lächelt ihren Mann an. Der lacht zurück. „Wir zogen zusammen, wollten beruflich Fuß fassen und die Welt bereisen“, fährt Thomas Junker fort. „Richtig angefangen mit der Familienplanung haben wir 2003.“

Die Familienplanung beginnt

Da waren beide Anfang 30, gesund – warum sollte es nicht klappen? Freunde und Verwandte verkündeten überglücklich ihre Schwangerschaften, die Junkers schwiegen. Basaltemperatur messen, Termin-Sex, gut gemeinte Rat schläge („Fahrt mal weg“) – bis 2008 wollten es Sandra und Thomas Junker allein schaffen. Dann gehen sie doch zum Info-Tag einer Kinderwunsch-Klinik und spüren, wie die ganze Anspannung abfällt.
„Es war eine Erleichterung“, sagt Sandra Junker. „Wir machten gleich einen Termin.“ Ihr Mann gibt ihr die Hormonspritzen. Vier Versuche schlagen fehl. „Ich wollte schon gar nicht mehr in der Klinik anrufen“, sagt Sandra Junker. Anfang Dezember 2009 erfahren sie: Es hat geklappt, Sandra Junker ist schwanger. Am 2. August 2010 halten sie ihr größtes Glück in den Armen. „Es gibt nichts Schöneres!“, ruft Sandra Junker lachend über die Schulter, als Tiana Helena sie zum Toben in den Garten zieht.

Neuer Lebensabschnitt mit Kind

Bist du wahnsinnig?! Noch mal das Ganze? Dorothea Meyers Freundinnen glauben es kaum, als sie verkündet, dass sie mit 43 ein Kind bekommen will. „Es ging nicht ums Alter“, sagt die Hamburgerin. „Mein Sohn Otis war schon zehn. Sie fragten sich, wieso ich das noch mal durchmachen wollte. Aber für mich war das Thema nicht abgeschlossen.“ Nach der Trennung von Otis’ Vater erzog sie ihn vier Jahre lang allein. „Der Wunsch nach einem zweiten Kind war immer da. Nicht um jeden Preis, aber er war da“, erzählt die selbstständige Paartherapeutin.

Ein neuer Lebensabschnitt

Über den Job lernt sie mit fast 40 Gregor kennen. „Natürlich sprachen wir nicht sofort über Kinder“, sagt Meyer und lacht. „Als wir zusammenzogen, war aber klar: Nun mal Butter bei die Fische.“ Ihr Frauenarzt, der Meyer seit Jahren kennt, entfernt ihre Spirale. „Als der Test dann positiv ausfiel, waren Gregor und ich überglücklich.“ Beide wissen, dass es ihr Alter wahrscheinlicher macht, ein behindertes Kind zu bekommen.
„Trotzdem gingen wir erst mal davon aus, dass es gesund ist“, sagt Meyer. Dann der Schock, als eine Nackenfaltenmessung ergibt: Die Gefahr, dass ihr Baby das Downsyndrom hat, liegt bei 1 zu 13. „Natürlich habe ich geweint und mich an jeden Strohhalm geklammert, der gegen so eine Diagnose sprach“, sagt Meyer offen. Sogar ihr Frauenarzt glaubt bis zuletzt, die kleine Noa sei gesund. Gregor ebenfalls. Dorothea Meyer informiert sich, spricht mit Ärzten – und entscheidet sich. Für Noa.

Ein Kind ist ein Geschenk

„Sie ist ein Geschenk, und ich nehme es an“, sagt sie sich. „Trotzdem finde ich es okay, wenn andere anders handeln.“ Nach Noas Geburt machen ein paar Tests den Verdacht zur Gewissheit. „Sie ist aber extrem gut drauf, körperlich gesund“, freut sich ihre Mutter. „Sie ist ein normales kleines Mädchen, das so viel Normales wie möglich erleben soll und das Downsyndrom hat. Aber nicht in erster Linie.
Wir wollten quasi nach Rom fliegen und sind in Paris gelandet. Dort ist es auch wunderschön.“ Noa geht in den Kindergarten, soll auf eine normale Grundschule. Vor fremden Blicken schützt das nicht. „Gregor kann sie abprallen lassen. Ich gehe auf die Leute zu“, so Dorothea Meyer.

Spätes Wunderkind

Kiara Amiras Geburt ist sogar der „Tagesschau” eine Meldung wert. „Es ging 2009 um die gestiegene Geburtenrate in Deutschland“, erinnert sich Kirsten Echtermeyer. Ein Kamerateam suchte sie im Krankenhaus als beispielhaften Beleg aus. Dass sie erst mit 45 ihr erstes Baby bekommen hatte – kein Nachrichtenthema.
Für Kirsten Echtermeyer umso mehr. „Was für ein Wunder Kiara ist, begreife ich erst seit ihrer Geburt“, sagt die Berlinerin. „Wie schwer es ist, in dem Alter auf natürlichem Weg schwanger zu werden – darüber habe ich früher nie nachgedacht.“

Das Leben war anders geplant

Früher, da wollte sie ihr Leben genießen. Sie wächst in Brasilien auf, studiert Design, plant eine Surfschule auf Mallorca, wird Marathonläuferin und Triathletin. „Am liebsten hätte ich mich in einen Mann mit Kindern verliebt, die schon aus dem Gröbsten raus sind“, sagt Echtermeyer. So kommt es: Sie trifft Iyas, heute 49, wieder, einen Freund aus Studentenzeiten, und ist beeindruckt, wie liebevoll der alleinerziehende Vater mit Tochter Lina, heute 13, umgeht. Sie werden eine Patchworkfamilie – und zum ersten Mal spürt Kirsten Echtermeyer den eigenen Kinderwunsch.

„Iyas und ich planten nicht groß“, erzählt Echtermeyer und lacht. „Verhütung ging Pi mal Daumen.“ Als sie tatsächlich schwanger wird, findet sie es fast unheimlich. Sie fragt sich, ob sie eine gute Mutter wird, ein Kind versorgen und erziehen kann. Am 27. Juli 2009 kommt Kiara zur Welt.
Seitdem kümmert sich Echtermeyer um sie und genießt es sichtlich. „Ich verpasse nichts, muss nicht mehr um die Häuser ziehen“, sagt die späte Mama. Aber ihr ist klar: „Jüngere können das nicht so einfach, wenn sie den Job nicht verlieren wollen.“ Ein einziges Mal hört Echtermeyer eine Fremde sagen: „In dem Alter noch ein Kind …!“ Sie selbst fühlt sich fit und bekäme sehr gern noch ein Geschwisterchen für Kiara. Doch für Kirsten Echtermeyer steht fest: „Wenn ich 50 bin, ist Schluss. Das ist für mich die Grenze.“

Erfahrungen mit später Schwangerschaft

VITAL: Wegen welcher körperlichen Ursachen bleiben Paare ungewollt kinderlos?
Dr. Elmar Breitbach:
Beim Mann gibt es nur einen Grund: eine zu schlechte Spermienqualität. Bei der Frau sind sie vielschichtiger: Der Reifeprozess der Eizellen kann gestört sein. Einige Frauen haben gar keinen Eisprung. Andere leiden an verschlossenen Eileitern. Und natürlich ist auch das Alter des Paares ein entscheidender Faktor.

Elmar Breitbach
© Elmar Breitbach
Dr. Elmar Breitbach vom Zentrum für Reproduktionsmedizin in Bad Münder.

Das Rheingold Institut untersuchte die Psyche der Frauen, stieß auf innere Zerrissenheit zwischen Supermama und Karrierefrau und einen großen Perfektionsdruck. Wie erleben Sie das in Ihrer Klinik?
Ich glaube auch, dass Frauen heute Karriere machen müssen, weil sie anderenfalls nach langer Ausbildung und Babypause gar keine Aufstiegschancen mehr hätten. Trotzdem will ich ganz klar sagen, dass nicht jedes Paar mit unerfülltem Kinderwunsch bloß zu lange gewartet hat. Zur inneren Zerrissenheit: Für alle Paare ist das Thema Kinderwunsch eine ambivalente Angelegenheit. Immer sprechen auch gute Gründe gegen ein Kind. Frauen und Männer, die zu mir in die Klinik kommen, sind angespannt, fragen sich: Ist es richtig, dass wir hier sitzen? Wird es überhaupt klappen? Viele haben schon verinnerlicht, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Sie mussten die Erfahrung machen, dass sie etwas Entschei dendes in ihrem Leben nicht in der Hand haben. Das belastet sie.

Ihre Klinik bietet ein mehrstufiges Behandlungskonzept an. Schreckt nicht auch die zunehmende Technisierung die Paare ab?
Davor schrecken in der Tat viele zurück. Die meisten wollen auf möglicht natürlichem Weg Eltern werden. Manche Paare starten gleich mit IVF, aber das ist eher die Ausnahme. Oft wird die Technisierung so wahrgenommen, dass wir einen natürlichen Vorgang erzwingen wollen. Darüber machen sich viele Paare Gedanken.

Welche Behandlungsmethoden sollten Ihrer Ansicht nach in Deutschland noch erlaubt werden?
Es wäre wünschenswert, die Eizellenspende zuzulassen. Sie ist schon lange keine exotische Therapie mehr und viel häufiger notwendig, als allgemein angenommen wird. Z. B. kommen durchaus Frauen bereits mit Mitte 30 vorzeitig in die Wechseljahre. Das ist auch das Alter, in dem viele bei uns vorstellig werden. Ohne Eizellenspende geht es dann nicht.

Die Bundesfamilienministerin will ungewollt kinderlose Paare jetzt finanziell unterstützen.
Die Vorschläge sind das Konkreteste, was ich bislang gehört habe. Ich begrüße das. Denn nicht wenige Paare können sich eine Kinderwunschbehandlung eben nicht leisten.

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