15. Februar 2010
Männer mit weiblichem Lifestyle

Männer mit weiblichem Lifestyle

Wellness-Wochenenden, Beziehungs-Schmöker, Gemüse-Risotto – immer mehr Männer kopieren den Lifestyle von Frauen. VITAL-Kolumnistin Verena Carl bittet: Lasst uns wenigstens ein paar Inseln der Weiblichkeit übrig.

Männer mit weiblichem Lifestyle
© jalag-syndication.de
Männer mit weiblichem Lifestyle

Seit drei Monaten gibt es einen neuen Mann in meinem Leben. Er liebt Fußmassagen und fleischlose Ernährung, geht mit mir zum Yoga und entspannt sich bei klassischer Musik. Damit ist Henri ein Trendsetter, auch wenn es ihm nicht bewusst ist: Schließlich weiß mein kleiner Sohn noch nicht mal, wie man nach einer Rassel greift.

Es sind allerdings auch die Männer jenseits des Säuglingsalters, die in den letzten Jahren ihre Frauen mit irritierenden Verhaltensweisen überraschen. Irritierend deshalb, weil sie uns so vertraut sind: Wir Frauen tun diese Dinge nämlich schon lange. Und Männer taten sie früher, wenn überhaupt, dann heimlich.

Meine Mutter hatte schon vor zwanzig Jahren ihren Lebensabschnittsgefährten im Verdacht, dass der im Bad ihre teuren französischen Nachtcremes stibitzte. Tempi passati. Die Männer, denen wir heutzutage in unseren Badezimmern und Fitnessstudios begegnen, stellen ihre kosmetische Trophäensammlung über dem Waschbecken so offen zur Schau wie ihre Großväter die Elchgeweihe über der Tür der Jagdhütte. Im Steakhaus bestellen sie den Feldsalat – aber bitte ohne Speckwürfelchen! –, und ihren BMI kennen sie besser als den DAX. Sogar in Bauch- Beine-Po-Kursen sieht man welche von ihnen.

Und selbst Männerbücher und -filme werden in jüngster Zeit mit einer Dosis Östrogen abgeschmeckt: Ein Privatsender bewirbt seine Serie „Californication“ als „Sex and the City für Männer“, Jungautoren werden reich mit Geschichten über bartstoppelige Singles mit Figurproblemen, und der letzte James Bond litt mehr unter Liebeskummer als unter seinem Gegner.

der NEUE Mann

Tipp

Ihr Mann raubt auch immer Ihren Kosmetikschrank aus? Dann probieren Sie doch mal die Unisex-Cremes und Körperlotionen der Biokosmetik-Firma Sante aus. Natürliche Aromen und Pflegestoffe wie Ingwer und Mango, Basilikum und Sheabutter passen prima zu beiden Geschlechtern. Auch online zu bestellen unter www.sante.de.

So weiblich, so gut. Ist ja schließlich nicht verboten, sich angenehme und vernünftige Dinge von Frauen abzuschauen. Ich persönlich teile gerne mein Gemüsecurry und bin froh, dass mein Liebster nicht erst dann zum Arzt geht, wenn er im Liegen transportiert werden muss. Aber, ganz ehrlich: Es gibt Bereiche, da möchte ich den kleinen Unterschied gerne behalten. Rasierer zum Beispiel sind sehr nützliche Geräte gegen Gesichtsbehaarung – aber an anderen Körperstellen haben sie bei Männern nichts verloren! Das Einzige, das noch abtörnender ist als ein glatt rasierter Bauch, ist ein Bauch mit Stoppeln. Außerdem müssen Männer breiter und schwerer sein als Frauen, wenigstens ein bisschen. Allein schon, damit wir glaubwürdig bleiben, wenn wir uns eine Jeans im schlabberigen „Boyfriend Cut“ anschaffen. Entsprechend gilt auch: Hände weg von unserem Kleiderschrank! Neue Männer hin oder her – sie sollen bloß nicht auch noch auf die Idee kommen, unsere Accessoires auszuleihen.

Kann natürlich sein, dass der Neue Mann in 15, 20 Jahren schon wieder Geschichte ist. Dann nämlich, wenn all die kleinen Henris und Maltes und Lucas, die heute die Babymassage- und Rückbildungsyoga- Kurse bevölkern, in die Pubertät kommen. Wahrscheinlich tragen die dann Vollbart und verschlingen tote Tiere roh zum Frühstück, um sich abzugrenzen. Ist uns auch recht. Dann isst uns wenigstens keiner mehr das leckere Gemüse-Risotto weg. Und einen Termin im Day Spa bekommen wir auch wieder, ohne uns Wochen vorher anmelden zu müssen.

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